Verfügbarkeit Prämienflüge

Mehrere Leser haben mich jetzt kontaktiert und berichteten, daß sie erhebliche Schwierigkeiten beim Buchen von Prämienflügen hätten. Angeblich sei immer nur die wenig wirtschaftliche Economy verfügbar, in der Business hätten sie auf normalen Strecken erhebliche Buchungsprobleme. First-Plätze zu bekommen, sei ein Ding der Unmöglichkeit.

Das erinnert an Dr. Franz Vergangenheit in der Schweiz: Miles & Less.

Natürlich kann es immer sein, daß eine Prämie mal nicht verfügbar ist. Was mich überrascht, ist die Häufung der Mails zu dem Thema. Die Kunden berichteten davon, daß sie teilweise ein ganzes Jahr lang mit flexiblen Terminen für eine bestimmte Strecke angefragt hätten. Häufig auch im Call-Center der Lufthansa. Einer meinte dazu sehr treffend, er habe wohl schon den Wert eines Business-Tickets an Telefongebühren investiert. Auch nach meiner Erfahrung ist viel Geduld und gründliche Recherche sowie zeitliche Flexibilität nötig, um Prämientickets zu finden.

First-Meilenflüge auf Lufthansa-Maschinen werden dabei generell zunächst nur auf Warteliste gesetzt und dann zeitnah bestätigt – oder eben auch nicht. So wurde mir das schon vom Call-Center geschildert und auch von vielen Lesern. Dabei sind HON-Circle-Mitglieder etwas besser dran, sie bekommen wohl wegen der statusbedingten Buchungsgarantie eher eine Zusage.

Gleichzeitig argumentiert aber Lufthansa, die First nicht richtig auslasten zu können. Dann sollte es eigentlich sinnvoll sein, die verbleibende Plätze für Meilen freizugeben. München San Francisco kostet in der First Class aktuell 170.000 Meilen zzgl. ca. 450 € für Steuern und Gebühren. Würde die Auflösung der Meilenrückstellungen nicht ausreichen, um die Kosten dafür zu decken, würde Lufthansa falsch bilanzieren.

Zusammen mit einem Leser, der Zugang zu den Buchungssystemen hat, habe ich mal recherchiert. Wir haben einige Direktflüge in der First herausgesucht und die Verfügbarkeiten in den Bezahlbuchungsklassen mit den Prämienklassen abgeglichen. Das geht in der First Class besonders gut, weil es da nur 8 Plätze pro Flug gibt. Ich habe dann die Verfügbarkeiten auf der Miles&More-Webseite mit meinem Login überprüft. Dabei kam eine gute Übereinstimmung heraus, allerdings muß man auf der Webseite auch einen Rückflugtermin angeben, so daß beide Strecken in First verfügbar sein müssen, was kleine Abweichungen dennoch plausibel macht.

Zur besseren Lesbarkeit des Zahlenberges habe ich Flüge mit zwei oder mehr Meilen-Plätzen mit einem dunkelblauen Hintergrund hervorgehoben und Flüge, auf denen zwar alle Bezahlplätze verfügbar sind, aber keine Meilenplätze, gelb hinterlegt.

Der Recherchestand ist der 23.04.2012, wegen vieler aktuellerer Themen bin ich leider erst heute zur Veröffentlichung gekommen. Das ändert jedoch nichts am grundsätzlichen Effekt.

Datum MUC-LAX LH452   MUC-SFO LH458   MUC-SIN LH790   MUC-NRT LH714
Bezahl Prämie Bezahl Prämie Bezahl Prämie Bezahl Prämie
26.04.2012 8 1 5 2 7 0 6 1
27.04.2012 5 1 5 2 4 0 8 2
28.04.2012 1 0 3 1 4 0 7 1
29.04.2012 6 2 2 0 8 2 8 0
30.04.2012 3 0 5 2 7 2
01.05.2012 3 0 5 1 7 0 8 2
02.05.2012 5 1 4 1 6 0
03.05.2012 7 1 7 3 6 0 6 0
04.05.2012 6 0 6 1 5 1 3 0
05.05.2012 4 0 3 1 5 1 3 0
06.05.2012 7 0 5 1 5 0 1 0
07.05.2012 6 1 2 0 2 0
08.05.2012 7 1 4 0 8 0 5 0
09.05.2012 5 0 5 1 7 0
10.05.2012 4 0 4 0 8 0 8 0
17.05.2012 8 1 5 0 7 0 8 0
24.05.2012 8 0 7 1 6 0 7 1
31.05.2012 6 0 8 1 4 0 8 2
07.06.2012 8 0 8 0 8 1 6 1
14.06.2012 8 0 7 0 8 0 8 2
21.06.2012 6 0 8 0 8 0 8 1
28.06.2012 5 0 8 0 7 0 4 0
12.07.2012 2 0 7 0 8 0 8 2
26.07.2012 7 0 7 0 8 0 8 0
09.08.2012 7 0 7 0 8 0 8 0
23.08.2012 7 0 8 0 8 0 8 0

Wer sich das Muster anschaut, sieht, daß demnächst abgehende Flüge eine deutlich bessere Prämienverfügbarkeit haben, als Flüge innerhalb der nächsten Wochen, obwohl insgesamt noch mehr Plätze in der First Class verfügbar sind. Wenn nicht alle Plätze verfügbar sind, ist nicht klar, ob der vergebene Platz ein Meilenplatz oder ein Bezahlplatz ist.

Natürlich ist diese Übersicht eine Momentaufnahme. Die Annahme, daß der für die späteren Flüge gewählte Reisetag Donnerstag einen Effekt haben könnte, widerlegt jedoch die Miles&More-Webseite – ich konnte für den ganzen August keine First-Prämien-Flüge nach Los Angeles oder San Francisco finden.

Es entsteht damit der Eindruck, daß Lufthansa tatsächlich First-Prämien auf den eigenen Maschinen nur äußerst ungern langfristig vergeben möchte. Wenn das zutrifft, wäre das äußerst unfair gegenüber den Kunden – und spricht dafür, daß die Meilen zu niedrig bilanziert sein könnten. Denn die First-Class-Flüge müssen einkalkuliert sein.

Gleichzeitig berichten mir einige Leser, daß die Verfügbarkeit der Buchungsklasse „A“, eine preisreduzierte First Class, deutlich schlechter geworden sei. Bis vor wenigen Monaten habe man in der Buchungsklasse noch gut buchen können, mittlerweile wären nur noch Tickets in der teureren Buchungsklasse F verfügbar.

Das klingt fast so, als sei auch das Auslastungsproblem der First Class hausgemacht.

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7 Gedanken zu „Verfügbarkeit Prämienflüge

  1. Habe die gleichen Erfahrungen in Business Class gemacht. Kurz vor der
    Erhöhung der benötigten Meilen SIN-FRA/STR. Ein Jahr im Voraus war
    kein Meilenflug SIN-Deutschland zu bekommen. Durch Wechsel des Call-
    Centers war dann SIN-BKK-VIE-STR möglich.

  2. Eigentlich sollte es ja eher andersrum sein, wenn man der Theorie von LH folgt, dass pro Flug eine bestimmte Anzahl von Plaetzen fuer Praemienfluege bereit steht. Es muessten dann ja bei Fluegen in ferner Zukunft relativ viele Plaetze zu sehen sein, waehrend es bei zeitnahen Fluegen dann nur noch ein kleines Angebot gibt. Das sind genau die Daten von denen ich immer das Gefuehl gehabt habe, dass sie bei allen Airlines streng unter Verschluss gehalten werden. Selbst wenn ich bei Reservations gefragt habe, wieviele Plaetze pro Flug dennn eigentlich fuer Praemienfluege zur Verfuegung gestellt werden, habe ich nie eine Antwort bekommen.

  3. Pingback: Unlogische Bilanzierung von Kaufmeilen | meilenschwund.de

  4. Ich kann ihre Beobachtung bezüglich der Business Class nur bestätigen, ärgerlich an der Sache ist das einige Firmen mit der Bezahlung mit der Miles &More Kreditkarte Werben und ihren Kunden damit suggeriern, das sie damit ihre Urlaubsflüge bezahlen könnten. Was allerdings meist nicht funktioniert. Ich versuche schon seit zwei Jahren einen Teil der Meilen unserer Familie abzufliegen, es ist mir nur einmal mit einem Upgrade am Gate gelungen und das bei Swiss. Als ich meine Meilen kurz vor der Abwertung verbrauchen wollte, ging es nur zum dem Preis, das wir uns als Familie aufteilten und so zwei Urlaubstage verloren.

  5. Dass in der Business Class Prämienflüge nur mit telefonischen Schreiattakten, wenn man das Naturell dazu hat, oder mit tagelangen Internetrecherchen und 3-mal umsteigen erhält, ist nicht neu und war auch unter der Meyerhuber Ära nicht anders. Versuchen Sie mal nach Kanada (Vancouver oder Calgary) ein Business-Prämienticket zu bekommen. Auch der SEN-Status im Vergleich zu FTL ändert da wenig. Neu für mich ist allerdings, dass plötzlich MeilenGUTSCHRIFTEN auf Businessflügen mit Staralliance Mitgliedern (SQ nach JFK) nicht erfolgen, weil angeblich der Name nicht auf der Passagierliste steht (bei Flügen in die USA!!!!). Aber es gibt ja Alternativen.
    Zu den First-Class-Tickets: Nach meiner Erfahrung der letzten Wochen werden auf den bisher nicht buchbaren Strecken fast nur noch First-Class angeboten, so z.B. auf der Vancouver Strecke. Aber für 170.000 Meilen fehlt der Gegenwert

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