Überblick: Meilenwert und Bilanzierung

Im Rahmen meines Verfahrens kam auch die Frage auf: Wieviel ist eine Meile wert? Und wie hat sich der Meilenwert durch die Entwertung verändert?

Der Wert einer Meile variiert, je nach Nutzungsart. Und interessanter Weise auch nach Blinkwinkel: In der Bilanz verhält sich die Wertentwicklung der Meilen anders als aus Kundensicht. Das ist widersinnig, denn nach nach dem Bilanzierungsstandard IFRIC13 sollten Meilen mit dem Mittelwert der sonst zu erzielenden Erlöse bewertet werden. Mithin also zum Wert der Kaffeemaschine aus dem Worldshop oder eben eines First Class Round-The-World Tickets.

Überraschend ist auch die Bandbreite: Meilenspenden an die HelpAlliance scheinen nur 0,1 €-Cent / Meile wert, ein First-Class-Flug mit Companion-Award ist gut das 66-fache wert, nämlich 6,67 €-Cent / Meile. In einem Vergleich hat Lufthansa sogar 8,8 €-Cent pro Meile ausbezahlt, in einem kürzlichen Verfahren vor dem AG Köln berichtete mir der Kläger, habe die Vertreterin der Lufthansa einmal einen Meilenwert von 1 €-Cent (50.000 Meilen = 500 €), anschließend einen von 2,5 €-Cent behauptet (8.000 Meilen = 200 €). In LG Kön 14 O 245/11 sprach Lufthansa schriftsätzlich von 2,77 €-Cent.

Andererseits bilanziert Lufthansa Meilen aktuell zu 0,8 €-Cent / Meilen.

Diese breiten Schwankungen zeigen für mich: Lufthansa weiß selbst nicht, was eine Meile wert sein könnte. Wie soll sich dann ein Kunde zurechtfinden?

Und wie ein Aktionär? Die Meilen sind Verpflichtungen für künftige Leistungen und müssen in der Bilanz ausgewiesen werden, sie bestimmen also maßgeblich den Unternehmenswert, darüber den Aktienkurs und die Kreditwürdigkeit.

Ironischer Weise ist der bilanzierte Wert der Meilen gestiegen, obwohl sie nach außen weniger wert sind. Dafür kann es eine plausible Ursache geben: Erst 2008 wurde die Bewertung nach IFRIC13 eingeführt, davor war Lufthansa diesbezüglich freier. Vor 2008 war daher eine Meile mit ca. 0,5 €-Cent bilanziert, durch die Umstellung stieg der Wert auf jetzt 0,8 €-Cent.

Bei rund 200 Milliarden Meilen werden aus lächerlich klingenden 0,3 €-Cent stolze 600 Millionen €. Das entspricht dem Wert von 8 Flugzeugen A320neo (Listenpreis) oder 4 der riesigen A380 zum realen Einkaufspreis. Also durchaus ein Kostenfaktor, bei dem selbst Großunternehmen schlucken müssen.

Damit würde ein Anreiz bestehen, die Bewertung nach IFRIC13 zunächst zu unterschätzen, um das Unternehmen bei der Umstellung nicht zu sehr zu belasten. Das würde erklären, warum trotz meßbarer Entwertung der Meilen aus Kundensicht, die sich aus Marktpreisen der zu erwerbenden Produkte ergibt, der Bilanzwert gestiegen ist, der auch auf Ticketpreisen beruhen sollte.

Denn dann wäre durch die Entwertung der reale Wert einer Meile dichter an den Bilanzwert gerutscht, die Differenz, die aus Unternehmensmitteln aufgebracht werden müßte, schrumpft.

Um diese Hypothese verifizieren zu können, habe ich auf der Hauptversammlung Dr. Franz einen Berg Fragen gestellt. Da konnte er mir nicht aus, bei einigen Punkten hat er sich zwar gewunden, gab auch teils Falschauskünfte, aber im Kern mußte er viele Schätzungen, die ich vorher angestellt hatte, bestätigen.

Daraus lässt sich abschätzen, ob die Bilanzierung der Meilen stimmen kann: Bis auf den Gegenwert einer Flugprämie sind alle Faktoren bekannt. Durch einfaches Umformen ist dann offensichtlich, daß Flugprämienmeilen maximal 1,35 €-Cent wert sein dürfen, damit ein mittlerer Meilenwert über alle Prämienarten von 0,8 €-Cent in der Bilanz noch möglich ist.

Dabei sind die 1,35 €-Cent schon das Maximum, da alle anderen Werte minimal gewählt sind. Wahrscheinlicher ist also ein niedrigerer Durchschnittswert für die Flugprämien.

Bei First Class Preisen von bis zu 6,67 €-Cent / Meile und 3,71 €-Cent / Meile in Business erscheint der Schnitt recht niedrig. Selbst in Economy lässt sich mit Companion Award der Wert einer Meile auf der passenden Strecke noch auf 1,30 €-Cent heben.

Wenn also nicht alle Lufthansakunden völlig unökonomisch handeln und innereuropäisch ihre Meilen zu einem negativen Wert in Economy verfliegen, scheint die Bilanzierung unlogisch.

Auch der Verkaufspreis der Meilen deutet das an: Wenn Kunden bereit sind, zwischen 2,42 €-Cent und 3,5 €-Cent für eine Meile zu zahlen, müssen sie einen entsprechenden Nutzwert haben. Der Nutzwert ergibt sich ganz einfach im Verhältnis zum Kaufpreis eines entsprechenden Tickets.

Dazu kommt noch: Ausgerechnet die besonders wertvollen First Class Prämien verknappt Lufthansa, viele Leser berichten mir, schon seit langem auch Schwierigkeiten beim Buchen von Business Class Prämien zu haben. Auch das können (unfeine) Maßnahmen sein, den gewünschten Durchschnittspreis zu erzwingen.

Es spricht also vieles dafür, daß die Hypothese einer zu geringen Bewertung der Meilen zutreffen könnte. Ob das den Verdacht einer Bilanzfälschung begründet, wie ein Anwalt in einer Strafanzeige mit Rechenfehlern behauptet, oder ob das noch zulässige Bewertungsfragen sind, wird wohl ein Gericht herausfinden. Möglicher Weise auch, ob eine Verknappung von Prämien so zulässig ist oder die Kunden so getäuscht wurden.

Berufungsargument: Individualfall irrelevant

Lufthansas Berufungsbegründung bietet noch einige schräge Argumente. So dürfe das LG Köln gar nicht in meinem Individualfall entscheiden, sondern es müsse berücksichtigen, daß der Durchschnitt der Kunden nur ca. 12.600 Meilen auf dem Konto hätte.

Die Argumentation scheint Lufthansa zu gefallen, sie ist schon in einigen Verfahren aufgetaucht, so zum Beispiel in LG Köln 14 O 245/11. Ohne, daß sie dadurch „richtiger“ würde. Denn es finden sich gleiche einige Fehler.

So war die Berechnung schon im Verfahren LG Köln 14 O 245/11 allein rechnerisch falsch. Liebe Lufthansa, den Rechenfehler habe ich doch schon im März hier gezeigt, da hätten Sie ihre Anwälte schon mal besser informieren können.

Und dann übersieht Lufthansa, daß Lufthansa in ihrem Miles&More-Programm Statusstufen eingeführt hat. Wie alle anderen Airlines auch. Und damit weiß: Es gibt Kunden, die ein paar mehr Meilen auf dem Konto haben müssen, weil sie mehr fliegen, als andere. Ergo ist also die anschließende Gleichmacherei im Schriftsatz widersprüchlich.

Abgesehen davon muß man sich ja wundern, warum Lufthansa überhaupt Prämien für mehrere Hunderttausend Meilen anbietet, sogar im WorldShop, z.B. den iMac oder die Jura Impressa C9 OneTouch. Wenn es doch um den Mittelwert 12.600 Meilen geht und nur auf diese Kunden abzustellen ist, machen Prämien, die das 20-40-fache dieses Mittelwertes kosten, doch gar keinen Sinn?

Dann frage ich mich auch, wie es kommt, daß laut Dr. Franz auf der Hauptversammlung ca. 60% der Meilen für Flugprämien eingelöst werden. Ich habe keine Flugprämie für 12.600 Meilen gefunden – die billigsten sind die wertlosen innerdeutschen Economy-Flüge für 25.000 Meilen.

Wer also nicht krampfhaft den Kern seines Kundenbindungsprogrammes, angeblich für loyale Kunden, die also viele Meilen verdienen, wegleugnen muß, der wird zur Erkenntnis kommen, daß Miles&More wegen der Flugprämien, und da vorallem in Business und First-Class interessant ist. Und eben gerade nicht wegen des WorldShops oder gar der unfairen Spendenaktionen.

Fliegen auf Meilen ist also das, was die Mehrheit der Kunden macht. Und diese Mehrheit braucht dafür ganz offensichtlich mehr als die durchschnittlichen angeblichen 12.600 Meilen.

Meilenverfall unfair angekündigt?

Ein Problem habe ich zum Glück mit Lufthansa selbst noch nicht: Meine Meilen können noch nicht verfallen. Wohl aber haben das viele Leser. Und viele schildern mir, daß sie von dem Verfall überrascht wurden. Tatsächlich durfte ich Kontoauszüge von ein paar Miles&More-Mitgliedern ohne Status und Kreditkarte sehen. Auf denen steht nirgends, wann die Meilen verfallen. Eine Planbarkeit erzeugt Lufthansa so nicht.

Den Vogel schießt aber gerade eine Mail ab, mit der Lufthansa einem Kunden auf seine Frage nach dem Meilenverfall antwortete:

For information regarding mileage expiriration on your account we ask that you contact the Miles & More Service Team directly. They will be happy to provide you with this information.

[…]

Thank you for your participation in Miles & More. We look forward to welcoming you on board a Lufthansa flight in the near future.

Sincerely,
Your Miles & More Service Team

Die Hervorhebungen habe ich eingefügt. Das erinnert mich an Buchbinder Wanninger oder Asterix erobert Rom. Service sieht anders aus, und ehrliches Interesse, den Kunden zu informieren, auch.

Wiedermal so eine kleine Unfairneß gegenüber dem Kunden: Eine frühzeitige Information, wann wieviele Meilen verfallen, würde den Kunden warnen. Dadurch kann er seine Ausgabenplanung entsprechend anpassen oder sich zum Beispiel die Miles&More-Kreditkarte besorgen, um den Verfall zu stoppen.

Eine frühere Ausgabe dürfte für niederwertige Prämien erfolgen, da spart Lufthansa im Vergleich zum First-Class-Flug. Auch die Kreditkarte sollte eigentlich im Interesse der Airline sein. Aber anscheinend setzt Lufthansa alles daran, den Meilenwert möglichst schnell zu verringern und den Verfall zu unterstützen. Das unterstützt wiederum meine Vermutung, daß die Bewertung der Meilen in der Bilanz zu niedrig ist.

Wochenrückblick

Die Woche ist vorbei, es ist schon wieder Zeit für meinen Wochenrückblick. Diese Woche ging es nochmal um die Berufung und deren eigenwillige Begründung. Diesmal um das Argument, daß die Meilen eine freiwillige Leistung wären und das BGH-Urteil zum redpoints-Bonusprogramm nicht zutreffend sei.

Mir wichtig war die Erkenntnis, daß Meilen-Spenden für die HelpAlliance von Lufthansa anscheinend mit einem Meilenwert von 0,1 €-Cent / Meile ausgezahlt werden. Das ist verglichen mit den Preisen im WorldShop knapp ein Viertel und mit dem Bilanzwert nur ein Achtel. Viel zu wenig, wie ich finde. Die Spenden sollten ja den hilfsbedürftigen zu Gute kommen und nicht über eine günstige Rücklagenauflösung der Lufthansa.

Außerdem soll Lufthansa heute in den Meisterkreis aufgenommen werden, einen Verband von Luxusherstellern. Wer sich die Aufnahmebedingungen durchliest, wundert sich, was Lufthansa da zu suchen hat.

Zwischendurch gab es auch mal was positives zu berichten – allerdings nicht über Lufthansa selbst, sondern nur über die Tochter Swiss: Dort hat man erkannt, daß eine internationale Airline auf Facebook doch mehr als nur deutsch und englisch beherrschen sollte.

Franz‘ Fehlannahmen

Auf der Hauptversammlung habe ich ja einige Fragen gestellt. Manche Antworten des Vorstandsvorsitzenden irritieren da schon einen kritisch denkenden. Da mittlerweile die Mitschriften der Lufthansa eingetroffen sind, kann ich sie daraus „verbürgt“ zitieren.

Es hat aus Sicht des Unternehmens gar keine Meilenentwertung stattgefunden.

Da sprechen die nackten Zahlen eine andere Sprache: Vergleich vorher / Nachher.

Und dann fing er an, dieses unerträgliche, markt- und realitätsferne Gerede von „One-Way ist billiger geworden„.

Sie fragten auch danach, wie viele Meilen im Schnitt pro Jahr erflogen und in Prämien umgesetzt werden. Was gibt es für einen Cashflow bei Meilen? – Technisch vollziehen wir – das ist vielleicht ganz wichtig – den Weg einer einzelnen Meile, wann sie an den Kunden geht und wann sie wieder zurückkommt und eingelöst wird, gar nicht nach. Wir können daher nicht sagen, wie viele der im Jahr erflogenen Meilen dann auch im gleichen Jahr zu Prämien umgesetzt werden und welcher Cashflow sich speziell daraus ergibt.

Das ist der Versuch, den Aktionär für hirntod zu verkaufen. Passt natürlich gut zur angeblichen Nicht-Entwertung, die 3,6 Milliarden € Schaden verursacht hat, aber ist inhaltlich sowas von hochnotpeinlich, daß es weh tut.

Entweder weiß Lufthansa, wieviele Meilen pro Jahr verdient und ausgegeben werden, oder das gesamte Geschäftsmodell von Miles&More ist Glücksspiel.

Dann noch die Frage, wie intern Meilentickets in Economy, Business und First Class verrechnet werden. Dazu die Antwort, daß die Meilen im Grundsatz gemäß dem aktuellen IFRIC-13 Bilanzwert von 0,78 €-Cent verrechnet werden.

Wer schon jemals einen Taschenrechner richtig herum in die Hand nehmen konnte, weiß, daß bei einem Meilenwert im WorldShop und bei Upgrades jeweils deutlich unter 0,78 €-Cent und einem Gesamtmittelwert der bilanzierten Meilen, inklusive Verfall, von 0,80 €-Cent, nie im Leben der Mittelwert für Flugprämien bei 0,80 €-Cent liegen kann.

Er muß darüber liegen.

Also ist die Antwort auch falsch.

Herr Dr. Franz, da ernennen Sie mich bei gleicher Gelegenheit zum Experten, um dann zu versuchen, Ihre Aktionäre, Kreditgeber und mich mit solch dahergeredeten, entschuldigen Sie die Deutlichkeit, Unfug abspeisen zu wollen?

Bilanzierung der Meilen

Die Bilanzierung der Meilen bleibt wichtig. Daher werde ich da noch ein bißchen herumrechnen. Es geht schließlich um bis zu vier Milliarden €. Das sind grob 8-10 Airbus A380-800, 10-12 747-8i, runde 100 mal der Verlust, den Lufthansa nach eigener Rechnung aus dem Nachtflugverbot in Frankfurt erleidet, 40 mal die ausgeschüttete Dividende oder das fünffache des operativen (!) Gewinns 2011, von dem dann wegen anderer Zahlungen nichts mehr übrig blieb. Oder auch 1/7 des Jahresumsatzes 2011. 4 Milliarden sind gerade der aktuelle Börsenwert der Lufthansa.

Anders gesagt: Schon ein kleiner Bilanzierungsfehler kann für Lufthansa heftige Folgen haben. Ein halber Cent pro Meile kostet insgesamt eine Milliarde €. In der Argumentation von Dr. Franz bezüglich der Bewertung der Meilen waren ein paar Lücken, das fing schon beim Cash-Flow an.

Mit den Zahlen von der Hauptversammlung kann ich jetzt meine bisherigen Abschätzungen dank der neuen Daten besser „justieren“.

Bekannt ist, daß 0,5% der Meilen mit dem Verkaufspreis unter Partnerunternehmen bewertet werden. Der liegt nach meinen Informationen bei ca. 1-1,5 €-Cent, für die Abschätzung setze ich die Untergrenze an.

Von den nicht verfallenden Meilen gehen 25-30% in den WorldShop, 15% werden in Upgrades und die restlichen 55-60% für Flugprämien umgesetzt.

Für den WorldShop hat Dr. Franz meine Bilanzwertrechnung bestätigt, das heißt hier sind 0,27 – 0,30 €-Cent plausibel. Ich nehme für meine Abschätzung die untere Grenze an.

Für Upgrades gibt es durch die Upgradevoucher eine Abschätzung von 0,14 €-Cent / Meile.

Nicht bekannt ist, welcher Anteil der Meilen verfällt. 6% der Kunden sind vor Meilenverfall geschützt, das dürften die Kunden mit einem „vollen“ Meilenkonto sein. Daher folgere ich, daß mindestens 25% der Meilen vor dem Verfall geschützt sind, also sicher nicht verfallen.

Mit den Annahmen aus diesem Artikel ist es auch plausibel, von maximal 10% Meilenverfall auszugehen.

Aus den Werten lässt sich abschätzen, mit welchen Betrag Lufthansa Flugprämien im Mittel bewertet. Dabei habe ich die Werte für die anderen Meilen immer so gewählt, daß ein Maximalwert für die Flugprämie herauskommt.

Aus 10% Verfall und dem aktuell bilanzierten Wert der Meilen folgt, daß der aktuelle, Verfall bereinigte, durchschnittliche Meilenwert bei 0,888 €-Cent liegt.

Damit gilt:

0,5% * 1 Cent + 30% * 0,27 Cent + 15% * 0,14 Cent + 54,5% * Flugmeile = 0,888 Cent

Damit müßte eine Flugprämienmeile im Schnitt über alle Klassen mit maximal 1,35 €-Cent bewertet sein, damit der aktuelle Bilanzwert korrekt ist. Das gilt unter der Prämisse, daß auch die Upgrades mit 0,14 €-Cent korrekt niedrig bewertet sind.

Weil ich alle „bekannten“ Werte niedrig geschätzt habe, bedeutet das, daß Lufthansa bei der Bewertung der Flugprämien bei mir besonders gut wegkommt, weil ich so einen großen Spielraum kalkuliert habe.

Wer den Flugprämienwert mit dem Meilenwert aus Kundensicht vergleicht, stellt aber fest, daß er für einen Durchschnittswert noch sehr weit entfernt ist.

IFRIC13 nutzt ein dem Kundenwert vergleichbares Kalkulationsverfahren: Das Unternehmen muß die alternativ zu erzielenden Umsatzerlöse bilanzieren. Die Rechnung werde ich demnächst hier aufmachen.

Gleichzeitig zeigt meine Rechnung auch, daß Dr. Franz auf der Hauptversammlung irrte, als er behauptete, die Flugprämien wären korrekt nach IFRIC-13 mit 0,78 €-Cent bewertet. Denn die bilanzierten 0,78 (bzw. 0,8) €-Cent sind der durchschnittliche Wert über alle Nutzungsarten der Meilen.

Es scheint also noch einige Probleme bei der Bilanzierung der Meilen zu geben.

Konkrete Zahlen zu Miles&More

Dr. Franz mußte auf der Hauptversammlung in den sauren Apfel beißen und wenigstens ein paar Zahlen zu Miles&More preisgeben. Bei einigen war er etwas verstockt, weil er fürchtet, daß dadurch der Wettbewerb zu Informationen gelangen kann. Na ja, wenn er meint – bei der ein oder anderen könnte man sicher Gegenargumente vorbringen.

Für mich war besonders schön an den Zahlen: Meine bisherigen Schätzungen lagen recht dicht dran.

So habe ich zum Beispiel für die Schätzung des Meilenverfalls angenommen, daß zwischen 15 und 18 Millionen Kunden überhaupt ein nennenswertes Meilenkonto hätten.

Dr. Franz bestätigte, daß 75% der Kunden eine „Plastikkarte“ hätten, also irgendwann mal ein Konto mit mehr als 3.000 Meilen hatten. Das sind 15,75 Millionen Mitglieder.

25% der Kunden sind also inaktiv genug, um noch nicht einmal ein Kärtchen zu bekommen.

6% der Meilen wären vor dem Verfall gehemmt, weil die Kunden entweder Status oder die Kreditkarten hätten, ich hatte 5% geschätzt. Das bedeutet aber auch, daß meine Schätzung bezüglich der Anteile der Statuskunden relativ präzise sein dürften.

Wieviele Meilen konkret verfallen, wollte Dr. Franz nicht verraten. Das würde dem Wettbewerb helfen.

Außerdem weiß ich jetzt, daß ca. 25-30% der Meilen für den Kunden unwirtschaftlich im WorldShop sowie für Mietwägen, Hotelnächte und sonstiges umgesetzt werden, 15% mit konstanter Tendenz für Upgrades, die zu 95% auf Konzernairlines genutzt würden, und die restlichen 55-60% für Prämienflüge, von denen 90% auf Konzernairlines absolviert würden.

60% der Meilen würden noch über Flüge generiert, 20% über Promotions mit steigender Tendenz. Wo der Rest landet, ist mir noch unklar. Möglicher Weise über die Kreditkarte? Promotions ist auch unpräzise – zählt ein Abo dazu? Hier lohnen sich nochmal ein paar Fragen, nächstes Jahr dann wieder.

Die Meile sei bei Flügen mit 0,78 €-Cent nach IFRIC-13 bilanziert, sagte Dr. Franz. Ich vermute aber, da ist Lufthansa was durcheinander gegangen – in Anbetracht der WorldShop-Prämien, bei der Dr. Franz meinen Berechnungsansatz bestätigt hat, ist das unrealistisch.

Er konnte auch ein Mißverständnis in der Stellungnahme der Verwaltung zu meinem Gegenantrag aufklären: Die dort genannten gekauften Meilen wären Meilen, die an Partnerunternehmen zum Beispiel für Promotions und nicht an Miles&More-Mitglieder verkauft worden wären.

Deswegen wird deren Bilanzierung zwar nicht logischer, aber die Bewertung ist eine andere.

Interessanter Weise konnte er keine Angaben zum Meilen-Cash-Flow machen, da war die Aussage, daß man die einzelnen Meilen nicht nach Eingangs- und Ausgangszeitpunkt beobachte. Dabei hätte ja schon ausgereicht, die Meilenvergabe und -einlösung pro Jahr darzustellen, um die Frage zu beantworten.

Jetzt ist Dr. Franz sicher gespannt, was der frisch ernannte Experte mit diesen Daten macht?