Wochenrückblick

Beim Wochenrückblick fällt mir jede Woche wieder auf: Die Themen, die ich eigentlich für die Woche angedacht habe, bekomme ich gar nicht unter. Eigentlich wollte ich mich die Woche auf Status bei StarAlliance und OneWorld konzentrieren, um zu zeigen, wie aufwendig er bei den verschiedenen Airlines zu erreichen ist – und daß Lufthansa besonders hohe Hürden aufstellt. Wechselt ein Frequent Traveller von Lufthansa weg, kann es für die gleiche Menge Flüge sowohl eine StarAlliance Gold als auch OneWorld Sapphire Karte geben:

Durch Lufthansas „Liebesbrief-Knaller-Werbung“, die nach hinten losging, mußte ich das Thema Status unterbrechen, nächste Woche kommt noch etwas nach.

Leider kam von der Werbekampagne, hinter der laut horizont.net Brand David stecken soll, in der medialen Berichterstattung nur ein negativer Teilaspekt an: Der Sexismus. Den anderen Anteil, der sich durch Lufthansas aktuelles Handeln zieht, der dauernde in-sich-Widerspruch, ist untergegangen. Dabei halte ich die schlechte und die Nicht-Kommunikation für das aktuelle Kernproblem der Airline:

Und in eigener Sache noch: Gestern habe ich meinen 200. Artikel auf dem Blog veröffentlicht. Danke dafür an Lufthansa, die mir dauernd weiteren Stoff liefern.

Wohin wechseln?

Nachdem Lufthansa die Vorteile des Status reduziert, sowohl bei Frequent Travellern als auch HON Circle Mitgliedern, stellt sich natürlich die Frage: Wohin wechseln?

Wer bisher bei Lufthansa mit 11 meiner Vergleichsflügen in regulärer Economy den Silberstatus erflogen hat, könnte auch mit gleichem Flugverhalten durch 8 solche Economy Iberia-Flüge OneWorld Sapphire werden, darf sogar weltweit in Flughafen-Lounges und bekommt zusätzlich noch bei Aegean oder Thai wieder eine Silberkarte.

Dadurch gewinnt man als Kunde nur Vorteile ein: Status bei zwei Allianzen, woraus ein flexibleres, preisoptimiertes Buchungsverhalten folgt und man neben besseren Service weltweit sogar noch ein paar Euro spart. Nebenbei steigt sogar die Prämienverfügbarkeit: Einerseits ist OneWorld Sapphire ein höherer Status, der einen minimalen Positiveinfluß haben kann, andererseits hat man durch das Sammeln bei zwei Allianzen mehr Möglichkeiten.

Gleiches gilt für den Gold-Status: Wer bisher bei Lufthansa den Senator in Economy erflogen hat, sammelt besser bei Iberia und Turkish Airlines oder Aegean. Er ist dann OneWorld Emerald und StarAlliance Gold – gewinnt also doppelt: Bei beiden Allianzen den höchsten offiziellen Status.

Wer lieber günstige Business Class fliegt und bisher bei Lufthansa gesammelt hat, kann sich für den gleichen Aufwand, den ein LH Frequent Traveller verursacht, bei British Airways OneWorld Sapphire und bei Aegean StarAlliance Gold holen. Wer so zum Senator wurde, dem steht die Welt der StarAlliance Gold-Karten bei anderen Anbietern offen (AirCanada, Asiana, Air Newzealand, South African, Singapore, Thai) und dazu OneWorld Emerald zum Beispiel bei British Airways oder Qantas.

Für verärgerte HON Circle Mitglieder ist der Wechsel zu allen anderen geschenkt – denn wer so viel Zeit in der Luft verbringt, bekommt zwangsläufig überall den höchsten Status. Auch hier spart die gewonnene Flexibilität durch Mehrfach-Status bei verschiedenen Allianzen und stellt letztlich auch eine vergleichbare Award-Verfügbarkeit sicher, durch die größere Auswahl.

Lufthansa hat sich einen strategischen Wettbewerbsvorteil durch das wüste Wegsparen und Vergraulen der Stammkundschaft kaputt gemacht – daraus sollte man als Kunde seine Konsequenzen ziehen.

FTL wird weniger wert – Alternativen?

Den Frequent Traveller hat Lufthansa abgewertet, Miles&More schon länger verschlechtert und die Umbenennung in miles-and-less scheint bevorzustehen.

Im Netz wird daher oft diskutiert, man solle sich doch statt dem Lufthansa Frequent Traveller bei Aegean deren StarAlliance Gold-Karte erfliegen. Das brächte mehr Vorteil und gänge leichter als die silberne Lufthansa Karte.

Für mich war das Anlaß, einmal nachzurechnen. Und zwar nur unter dem Gesichtspunkt „Status“. Dabei geht es um praktische Fragen, wie Lounge-Zugang, Mehr-Gepäck und bevorzugtem Check-In.

Die Punktevergaben der einzelnen Anbieter sind in den Details so unterschiedlich, daß ein direkter Vergleich schwer ist. In jedem Programm gibt es auch „bevorzugte“ Strecken, auf denen sich schneller Statuspunkte sammeln lassen. Bei Lufthansa waren es die innereuropäischen Flüge mit Swiss, die durch die Umsteigeverbindung in Zürich zusätzliche Punkte zu meist günstigeren Preisen als ein Lufthansa-Direktflug einbrachten. Qantas vergibt auf kurzen Strecken pro Entfernungskilometer mehr „Tier points“.

Manche Programme gewähren ihren Statusmitgliedern zusätzliche Boni. Bei einigen zählen diese Boni dann auch für Statuspunkte, bei anderen nicht. Einige der letzteren haben als Ausgleich unterschiedlich hohe Punktzahlen für eine Erst- und Requalifikation.

Alles das macht einen direkten Vergleich sehr schwierig – vermutlich ist das auch das Hauptziel der teils sehr komplexen Regeln.

Um dennoch bewerten zu können, habe ich einen hypothetischen One-Way-Flug Hamburg – Boston als Maßeinheit angenommen, das ist eine Flugentfernung von 3629 Meilen. Wo eine Wahl bestand, habe ich angenommen, daß der Flug mit dem jeweiligen Anbieter des Bonusprogrammes durchgeführt wird. Das hat bei einigen Gesellschaften direkten Einfluß auf die Bewertung der Statuspunkte, meist gibt es für eigene Flüge mehr.

Die unterschiedlichen Buchungsklassen bedeuten auch unterschiedliche Statuspunkte – von billiger Econonmy bis hin zur First Class. Die First Class ist leider nicht bei allen Airlines verfügbar, nicht überall sind daher Bepunktungsverfahren dafür gelistet. Ich habe sie deswegen im Vergleich nicht berücksichtigt. Zumal auch die Vorzüge eines Status für einen First Class Flieger nahe Null sind: Der Status hilft dem Economy-Kunden, die Vorteile des First Class Fliegers teils zu nutzen.

Zum Vergleich herangezogen habe ich aus der StarAlliance:

  • Aegan
  • Air Canada
  • Air NewZealand
  • ANA
  • Asiana
  • Lufthansa
  • South African
  • Singapore
  • Thai
  • Turkish
  • UA
  • US

Und bei OneWorld:

  • AirBerlin
  • American Airlines
  • British Airways
  • Cathay Pacific
  • Finnair
  • Iberia
  • Qantas

StarAlliance Silber / OneWorld Ruby

Die Ergebnisse auf dem Weg zu StarAlliance Silber / OneWorld Ruby sind bunt: Bei extrem billigen Economy-Flügen zum Beispiel reicht die Bandbreite von „Status unerreichbar“, weil keine Punkte vergeben werden, über 69 „meiner“ Flüge für den Silberstatus bei Singapore-Airlines und 6 bei Thai (2. Platz) bis zu 2 bei Aegean (schnellster).

Wer normale Economy fliegt, dem reichen 1 Aegean-Flug, 3 Thai-Flüge oder 4 Iberia-Flüge. Lufthansa macht das Erreichen des Status besonders schwer: 10 Flüge, nur noch gefolgt von Air New Zealand (11 Flüge), Singapore Airlines (14) und Finnair (22).

Viele unterscheiden bei den Meilen nicht zwischen flexibler Economy und normaler Economy, so daß die Airlines, die hier unterscheiden, etwas im Feld hochrutschen. Dennoch sind die günstigsten weiter Aegean (1), Thai (2), Iberia (2) und British Airways (2).

In der Business Class hat Lufthansa zum 1.9. eine Unterscheidung eingeführt, die allen anderen Airlines noch fremd ist. Das setzt die Statusschwelle deutlich nach oben – und schießt bei billigen Business Class Flügen (10) Lufthansa mit Abstand auf den letzten Platz. Aegean (1), BA (2), Iberia (2) und Thai (2) führen an.

StarAlliance Gold / OneWorld Sapphire

Der erste wirklich nützliche Status beider Allianzen ist der Gold- bzw. Sapphire-Status. Von den Leistungen erscheinen sie mir auch vergleichbar.

Wer den als billigst Flieger bei Singapore Airlines (138), Finnair (99) oder Lufthansa (55) erwerben möchte, braucht ordentlich Sitzfleisch. Die großzügigsten Anbieter sind Turkish Airlines (11), Aegean (13), und Iberia (15).

In normaler und flexibler Economy sind Aegean (7 bzw. 4 Flüge) und Iberia (8) mit Abstand die schnellsten Statusgeneratoren. Lufthansa landet auf dem vorletzten Platz.

In der Business Class führen Aegan (3), British Airways (4) und Iberia (5) das Feld an. Lufthansa hat sich bei billigen Business-Class-Flügen mit großem Abstand auf den letzten Platz befördert.

StarAlliance „Über-„Gold / OneWorld Emerald

Einige StarAlliance-Gesellschafen bieten einen internen Status oberhalb des Gold-Status an. Bei Lufthansa wäre das der HON Circle, South African hat einen Platinum. Der Status bringt nur in der eigenen Gesellschaft Vorteile, die Benefits sind uneinheitlich. Daher ist der Vergleich innerhalb der StarAlliance eher witzlos.

OneWorld dagegen definiert noch einen „besseren“ Status, nämlich Emerald.

Wer den in Discount Economy erreichen möchte, braucht 33 Flüge bei Cathay Pacific oder 42 bei Iberia.

Auch in regulärer Economy ist viel fliegen nötig: Iberia (21), American Airlines (28) und AirBerlin (28) sind die schnellsten.

In der flexiblen Economy überholen AirBerlin und American Airlines (je 18) Iberia mit 21 Flügen.

Ganz neu gemischt ist das Feld in der Business Class: British Airways erwartet 11 Flüge, Qantas 12 und Iberia 14.

Fazit

Wer gerne eine Statuskarte im Geldbeutel haben möchte, um am Flughafen nicht anstehen zu müssen, mehr Gepäck mitnehmen zu können oder eine Lounge zu nutzen, kann durch die Wahl eines geeigneten Programmes sein Thromboserisiko durch eine Reduktion der nötigen Flüge deutlich senken.

Allerdings gibt es auch hier keine perfekte Lösung für alle: Wer viel Business fliegt, ist bei Aegean, British Airways und Iberia gut untergebracht, in der normalen Economy sind Aegean und Iberia wohl eine überwiegend gute Wahl.

Lufthansa ist in keiner Buchungsklasse im „Spitzenfeld“. Natürlich mag man dagegen argumentieren, daß ein Status bei der Airline, mit der man am häufigsten fliegt, nicht verbriefte Vorteile bringen könnte – doch wer sich mein Verfahren und den Umgang damit anschaut, stellt schnell fest, daß es mit dem Kundenwert bei Lufthansa auch nicht weit her ist.

Da weder Lufthansas Preise besonders attraktiv, noch das Produkt ausgezeichnet und auch das Kundenbindungsprogramm wenig überzeugend ist, gibt es für alle die, die nicht eh aus Frankfurt oder München abfliegen, keinen rationalen Grund, Lufthansa zu wählen.

Damit zeigt Lufthansa einmal mehr: Miles&More ist eben kein Programm mehr, um loyale Kunden zu binden. Die Stammkunden, die Umsatz bringen, sind Lufthansa anscheinend egal.

Dabei ist gerade bei Lufthansa der Status verglichen mit anderen Airlines besonders schwer zu erreichen – auch schon nach den alten Regeln. Das heißt, daß bei Lufthansa die Statuskunden wirkliche Stammkunden sind. Insofern ist es besonders ungeschickt, sich ausgerechnet mit diesem Kundenkreis zugunsten von Neukunden anzulegen.

So kann man jedes Unternehmen effektiv zu Grunde richten: Die Kunden verjagen, die Geld mitbringen.

Status – was bringt’s?

Freitag berichtete ich, daß Lufthansa den „Silber“-Kunden den Zugang zu einigen Lounges gestrichen hat. Das führte zu vielen verärgerten Kommentaren gegen Lufthansa.

Doch was bringen eigentlich die diversen Bonusprogramme? Neben Punkten und damit Rabatt vorallem Vorteile, wenn man viel reist: Sie sparen Zeit und manchmal auch Nerven am Flughafen.

Eine Übersicht der Vorteile, zusammengestellt aus den Angaben der StarAlliance und von OneWorld, unterlegt mit einigen Besonderheiten innerhalb der Allianzen: Mit (teils) habe ich Leistungen markiert, die einige Airlines gegenseitig ihren gemeinsamen Kunden anbieten, die aber nicht zum offiziellen Standard der Gruppe gehören.

  Star-Silber Star-Gold OneWorld Ruby OneWorld Sapphire OneWorld Emerald
Wartelisten-Priorität Ja Ja Ja Ja Ja
StandBy-Priorität Ja Ja Ja Ja Ja
Business-Class CheckIn (teils) Ja Ja Ja Ja
First-Class CheckIn   Ja     Ja
Priority Boarding   Ja   Ja Ja
Business-Lounge (teils) Ja   Ja Ja
Business-Lounge mit Begleitung   Ja   Ja Ja
First-Lounge         Ja
First-Lounge mit Begleitung         Ja
Sitzplatzreservierung   Ja Ja Ja Ja
Extra-Gepäck   20 kg   (teils) (teils)
Priority-Gepäck   Ja   (teils) (teils)

Der Vergleich zeigt, daß OneWorld Sapphire im Wesentlichen dieselben Leistungen bietet wie StarAlliance Gold. Die Lounge-Bezeichnungen können da täuschen, wesentlicher ist häufig die Möglichkeit, einen Begleiter mitnehmen zu dürfen.

Denn die Qualität der Lounges variiert bei allen Allianzen stark über den Betreiber und weniger über die Klasse: Bei vielen amerikanischen Gesellschaften gibt es nur Kekse und Softdrinks, während die Europäer häufig kleine Häppchen anbieten und die Asiaten sich meist sehr viel Mühe geben.

Ob da nun First oder Business auf der Tür steht, bestimmt meist nur, ob es zur Brez’n Leberkäs‘ gibt oder nicht – und welche Weine, wenn überhaupt, auf dem Tresen stehen. Leider sagt es nichts über die Zahl der Steckdosen zum Laptop-Laden und wieviel Sitz-Platz und damit Ruhe sich in der Lounge findet. Vor der Lufthansa-Senator-Lounge in Frankfurt zum Beispiel habe ich schon Schlangen gesehen, die einem Apple-Store bei der Vorstellung eines neuen iPhones zur Ehre gereicht hätten.

Dabei ist Schnelligkeit eigentlich die Priorität des Vielreisenden. Das haben die Airlines auch erkannt und erlauben den Check-In an den Schaltern, die üblicher Weise kürzere Schlangen haben: Business- und First-Class.

Genau darauf zielen auch die Wartelisten-, StandBy- und Gepäck-Priorität. Erstere stellen sicher, daß man mal schneller weiterkommt, wenn sich die Planung ändert, letzteres soll, was nicht immer klappt, dafür sorgen, daß das Gepäck als erstes ausgeladen wird.

Der Aufwand, den die Allianzen mit ihren gemeinsamen Kundenbindungsprogrammen treiben, dokumentiert einmal mehr, wie wichtig die Stammkunden für die Airlines sind. Lufthansa, obwohl sie die StarAlliance gegründet hat, scheint das vergessen zu haben.

Weitere Artikel dazu im Blog:

Nachtrag

Mit Blick auf die Kommentare (siehe Diskussion bei diesem Beitrag) habe ich oben in der Tabelle die StarAlliance Gold Lounge zur Business Lounge gemacht. Die Begrifflichkeiten sind allianzweit nicht eindeutig. Da war OneWorld geschickter.

LH hat BMI los und potentiell wieder Meilenärger

BMI ist verkauft. Einige feiern das als Erlösung für Lufthansa. Das möchte ich nicht beurteilen. Mich interessiert der Übergang des Bonus Programms „Diamond Club“.

Und dabei geht Lufthansa auch mit dem Holzhammer vor. Seit dem 19.04.2012, also vorgestern, gibt es im Diamond Club keine Status- und Prämienmeilen mehr für Flüge auf Lufthansa-Konzern-Airlines. Allerdings können die Mitglieder bei allen anderen StarAlliance-Carriern noch bis 31.05.2012 sammeln.

Genauso ist es beim Einlösen: Das geht noch allianzweit bis zum 31.05.2012, außer auf Lufthansa-Konzern-Airlines.

Es ist doch komisch, daß ausgerechnet die ehemalige Konzernmutter so schnell die Finger aus dem Bonusprogramm herauszieht, während alle StarAlliance Partner noch sechs Wochen mit den „Überresten“ umgehen können und sich den Kunden gegenüber loyal verhalten.

Lufthansa hätte sich keinen Zacken aus der Krone gebrochen, die ehemalige Tochter und deren Kunden etwas weniger ruppig zu behandeln.

Die neue Mutter, British Airways, dagegen nimmt die Ex-Kunden sehr freundlich auf. Sie versorgt sie mit einer neuen Executive-Club Statuskarte, die dem vorigen StarAlliance-Status entspricht und überträgt die Punkte 1:1 in ihre Avios. Das ist eine faire Umrechenratio.

Gleichzeitig erlaubt sie aber auch, schon vorhandene Avios zum Diamond-Club zu übertragen, um dort noch Flüge zu buchen, möglicher Weise sogar mit StarAlliance-Gesellschaften. Das ist mehr als fair, dem Kunden sogar noch die Chance zu geben, beim „Rivalen“ zu buchen. Das zeigt Größe. Und schon wieder einen guten Kundenumgang.

Umso peinlicher wirkt Lufthansas hektische Flucht.

Schon wieder riskiert man – möglicher Weise, die Rechtslage ist deutlich komplexer als in meinem Fall – auch Ärger wegen der extrem knappen Übergangsfrist speziell für Lufthansa. Lohnt sich das?

Wäre es nicht eleganter gewesen, den BMI-Kunden ebenfalls einen Statusmatch auf einen entsprechenden Lufthansa-Status zu offerieren und die Meilen 1:1 umzutauschen? Womöglich wären sogar noch ein paar neue Kunden abgefallen, es scheinen ja eh welche zu fehlen.

StarAlliance und OneWorld – Fairneß bei Codeshares

Codeshares sind meiner Ansicht nach durchaus geeignet, nicht branchenkundige Kunden zu verwirren: Da wird ein United- oder Thai-Flug mit Lufthansa-Flugnummer angeboten. Wer nur selten fliegt, aber dafür edel, der bucht First Class und möchte dann auch in das First Class Terminal in Frankfurt oder die spezielle Lounge in München. Wird der Flug aber nicht von Lufthansa durchgeführt, gibt es auch diese Lounges nicht.

Außerdem unterscheiden sich Bordprodukt und -service häufig, und das auch in der Economy. Da kann es schon mal sein, daß Getränke oder Speisen etwas kosten. Für mich ist das für Normalkunden kaum zu durchschauen.

Noch viel komplizierter ist das, wenn es um Meilen geht, mein Thema hier: Da kommt es bei Lufthansa nämlich nicht darauf an, unter welcher Marke / Flugnummer der Flug gebucht wurde, sondern wer den Flug ausführt. Das kann dann dazu führen, daß es zum Beispiel keinen „Executive Bonus“ für Statuskunden, keine Statusmeilen oder – wenn auch für weniger Kunden relevant – keine HON Circle Meilen gibt.

OneWorld zeigt sich da viel kundenorientierter und fairer. Zwar gibt es auch hier Codeshares, allerdings zählt immerhin für die Meilenberechnung die Flugnummer. Und damit nicht die ausführende Gesellschaft.

Eine Ausnahme gilt zum Beispiel bei Qantas und British Airways für CodeShares, die unter OneWorld-Flugnummer laufen aber nicht von einer OneWorld-Gesellschaft durchgeführt werden. Da gibt es dann keine Meilen, also zum Beispiel AirBerlin-Flüge auf Etihad-Fliegern.

Insgesamt finde ich die OneWorld-Lösung wesentlich durchschaubarer.

Mein Vergleich: topbonus und Miles&More

Weil jetzt AirBerlin auch Mitglied einer großen Allianz ist, lohnt sich jetzt der Vergleich der beiden Bonusprogramme. Natürlich kann ein solcher Vergleich nie 100% objektiv sein, immerhin werde ich von keiner der beiden Airlines dafür bezahlt und Vorteile gewährt mir, wie Sie alle wissen, Lufthansa definitiv nicht. AirBerlin auch nicht.

Als Kriterien können einerseits die Flugprämien und deren Kosten dienen, andererseits die „Statusvorteile“ und der Aufwand, die zu erreichen.

Airline Status Allianz-Level nötige Meilen oder Flugsegmente
AirBerlin Silber Ruby 25.000 24
Gold Sapphire 50.000 60
Platinum Emerald 100.000 nicht möglich
Lufthansa Frequent Traveller Silber 35.000 30
Senator Gold 130.000 nicht möglich
HON Circle Gold 600.000
in 2 Jahren
nicht möglich

Statusvorteile

Dabei ist der Vergleich durchaus aufwendiger:

Bei AirBerlin können ab Silber kostenlos Sitzplätze reserviert werden, bei Lufthansa erst ab Senator.

Schon OneWorld Ruby gestattet die Benutzung des Business Class Checkins, allerdings noch keinen Lounge-Zugang.

Den gibt es erst ab OneWorld Sapphire. Dafür gilt er für alle OneWorld-Sapphire-Lounges mit einem Begleiter während der Lufthansa Frequent Traveller nur zum Besuch der Lufthansa, Swiss, LOT und Austrian Business Lounges berechtigt. Dabei darf kein Begleiter mit.

OneWorld Emerald ermöglicht dann genauso wie StarAlliance Gold den Zugang zu den First Class Lounges der jeweiligen Allianzpartner bei StarAlliance mit Ausnahme der Lufthansa eigenen First Class Lounges, die dem HON-Circle vorbehalten sind. Gleichzeitig berechtigt der Status bei beiden zum First Class CheckIn und damit „Queue-Jumping“.

Als Zwischenfazit dürfte AirBerlin Silber etwas unter dem Lufthansa Frequent Traveller liegen, Gold erreicht jedoch schon fast den Senator. AirBerlin Platinum ist dem Lufthansa Senator wohl im Wesentlichen vergleichbar.

Der rare HON-Status der Lufthansa findet bei AirBerlin keine Entsprechung, er dürfte in etwa dem Platinum Pro von Qantas gleichzusetzen sein.

Erreichbarkeit

Sind vergleichbare Level auch vergleichbar aufwendig zu erreichen?

Lufthansa vergibt für innerdeutsche Flüge zwischen 125 und 1000 Meilen in der Economy, AirBerlin zwischen 250 und 750. Dabei sind die billigeren Flüge bei AirBerlin mit mehr Meilen bewertet. Wer innerdeutsch mit „normalen“ Economytickets günstig fliegt, erreicht also die nötigen Statusmeilen bei AirBerlin schneller. Flexible Tickets sind bei Lufthansa höher „bemeilt“.

AirBerlin Silber benötigt weniger Meilen als der Frequent Traveller, hat aber auch etwas weniger Vorteile. Allerdings gibt es mit Erreichen des Silberstatus einen Treuebonus auf weitere Meilen in Höhe von 20%. Damit ersammelt sich dann Gold schneller.

Der Goldstatus ist deutlich leichter zu erreichen, als der Lufthansa Senator und bietet nur minimal weniger Vorteile, da das OneWorld Business Lounge Netz meiner Erfahrung nach durchaus mit dem StarAlliance Gold Netz vergleichbar ist – auch in Punkto Service und Komfort.

Berücksichtigt man bei Gold, daß Business Flüge bei AirBerlin mit 200% der Entfernungsmeilen kreditiert werden, wohingegen Lufthansa gerade heute bestimmte Business-Buchungsklassen meilenmäßig abgewertet hat, und viele „Gold-Flieger“ zumindest gelegentlich Business-Class buchen, so ist der Status noch deutlich leichter zu erreichen.

Das gleiche gilt für Platinum im Vergleich zum Senator.

Exemplarisch zeigt die Effekte die folgende Tabelle für die Strecke Düsseldorf-Miami, die beide Airlines direkt bedienen, wodurch Umsteigeeffekte entfallen. Business P und Z sind Spezialtarife der Lufthansa, die bei AirBerlin keine Entsprechung finden.

DUS-MIA Eco günstig Eco normal Eco flex Business P Business Z Business
AB „normal“ 2.367 4.733 7.100     9.466
AB silber 2.840 5.680 8.519     11.359
AB Gold, Platinum 3.313 6.626 9.939     13.252
LH normal 2.367 4.733 7.100 4.733 7.100 9.466
LH FTL, SEN, HON 2.958 5.916 8.283 5.916 8.283 10.649

Somit dürfte als Fazit feststehen: Die Vorteile der verschiedenen Stufen sind bei topbonus meiner Einschätzung nach größer und auch besser zu erreichen als bei Miles & More.

Meilenwert

Bleibt noch die Frage nach dem Wert einer Meile. Die Verdienstmöglichkeiten sind in etwa gleich, mit leichten Nachteilen für Lufthansa durch die Änderungen in der Business-Class-Bewertung heute.

Zudem gewährt AirBerlin den Goldkunden mit 40% Meilenbonus einen höheren Bonus als Lufthansa mit 25%. Dazu kommt, daß Lufthansa nur die Entfernungsmeilen bei Interkontinentalflügen bezuschußt, AirBerlin aber den Bonus auf alle erworbenen Meilen gibt. Das ist vorallem für Business- und First-Tickets relevant.

Damit lässt sich eine AirBerlin-Meile sogar etwas leichter verdienen.

Auf der Ausgabenseite sieht es für Hin- und Rückflug so aus:

Strecke AirBerlin Lufthansa
Economy Business Economy Business
Hamburg München 15.000 25.000 35.000
Hamburg Karibik 60.000 90.000 70.000 120.000
Hamburg Bangkok 70.000 120.000 80.000 135.000

Die AirBerlin Meilenflüge sind günstiger als Lufthansa-Meilenflüge, dabei habe ich hier sogar die teurere Meilentabelle von AirBerlin ab Juni 2012 zugrundegelegt. Die Meilen bei AirBerlin sind auch einen Tick leichter verdient, wenn man Statuskunde ist oder viel Business fliegt, dabei aber nicht immer die teuersten Tarife nutzt.

Mein Fazit

AirBerlin bietet derzeit das bessere Programm an, Lufthansa hatte mal das bessere. Durch die zahllosen Änderungen und die Meilenentwertung jedoch hat sie hier der Wettbewerb überholt.