Bilanzierung Upgradevoucher

Die Upgradevoucher würden natürlich bilanziert, man hätte sie nur in den textuellen Erläuterungen nicht erwähnt. Sie stünden mit 14 Millionen € in den sonstigen, kurzfristigen Rückstellungen. Deren Anzahl vergaß Dr. Franz zu beantworten. Das habe ich nochmal höflich nachgefragt, mal sehen, wann die Antwort kommt.

Ich hatte überschlagen, daß Lufthansa pro Jahr etwa 200.000 Voucher vergibt, die damit etwa 5 Milliarden Meilen entsprächen. Denn zwei Voucher entsprechen einem Interkontinentalupgrade, das etwa 50.000 Meilen kostet.

Viele Kunden, die ich kenne, haben diese Voucher gesammelt, ich nehme mal an, daß durchaus mehr als „ein Jahr“ in der Bilanz verpackt sein muß, zumal der Verfall der Voucher erst noch kommt.

Eine Verfallregel einzuführen, wenn die Kunden die Voucher freiwillig einlösen, wäre ja ziemlich unsinnig.

Vermutlich sind daher 400.000 bilanzierte Voucher eher noch zu niedrig geschätzt. Die entsprächen 10 Milliarden Meilen, die somit einen Wert von 0,14 €-Cent hätten. Ein Voucher hätte dann einen Wert von 35 €.

Damit folgt auch ein Schätzwert für den Bilanz-Wert einer Meile für ein Upgrade.

Weitere Strafanzeige gegen Lufthansa aufgetaucht – mit einigen Rechenfehlern

Ich bin ja nicht zimperlich mit Lufthansa und habe auch schon eine Strafanzeige wegen der Verdachtes auf Betrug im Kontext Meilenentwertung erstattet. Jetzt legt eine dritte Kanzlei nach, deren Namen ich rücksichtshalber nicht preisgeben werde, und verschickt eine von ihr erstattete Strafanzeige an einen großen Presseverteiler. Von dem fand sie dann ihren (Um-)Weg zu mir.

Die Anzeige hat jedoch einige grobe inhaltliche Fehler.

Erstens: Denkfehler

So stellen die anzeigenden Anwälte fest, daß Lufthansa pro Jahr 3 Milliarden Meilen an Kunden ausgibt. Das folgern sie messerscharf aus dem Bestand Ende 2010 und Ende 2011, dessen Differenz zufällig 3 Milliarden Meilen beträgt. Klar, wenn auf meinem Girokonto Ende des Monats 3 € mehr sind, beträgt mein Gehalt 3 €. Jeder weiß, daß diese 3 € die Differenz zwischen meinen Ein- und Ausgaben in dem Monat waren und überhaupt keine Aussage über den Vermögensfluß auf meinem Konto erlauben.

Genau diesen Fluß der Meilen legt Lufthansa auch nicht offen.

Wer sich allerdings die Mühe macht und abschätzt, kann anhand der Anzahl der HON Circle Mitglieder, Senatoren und Frequent Traveller und der Meilen, die allein diese Kundengruppe pro Jahr einfliegen muß, um ihren Status zu erlangen oder zu erhalten, sehen, daß allein deswegen mindestens 23,4 Milliarden Meilen ausgegeben werden.

Zweitens: Rechenfehler

Der zweite Fehler ist subtiler: Die Rückstellungen für Meilen sind in der Bilanz verteilt, zwischen passiven Rechnungsabgrenzungsposten und sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten, die jeweils weiter in kurz- und langfristig untergliedert sind. Das ganze steht daher im Jahresbericht auf mehreren Seiten. Um den Gesamtwert zu berechnen, muß man die Posten addieren.

Das übersehen die anzeigenden Anwälte und dividieren stumpf nur durch die passiven Rechnungsabgrenzungsposten. Damit kommt als völlig verquerer Wert einer Meile 0,31 Cent heraus. Anstatt den kritisch zu prüfen (WorldShop-Niveau!), zaubern die Anwälte 0,8 Cent als „tatsächlich angenommenen Wert“ aus dem Zylinder. Also mein tatsächlich angenommener Wert liegt noch deutlich darüber, 0,8 Cent sind der aktuelle Bilanzwert, wenn man denn richtig rechnet.

Jetzt kommt ein grandioses Rechenkunststück: Weil der magische tatsächliche Wert mit 0,8 Cent phantasiert wurde, mußten die falsch errechneten 0,31 Cent verbraten werden. Angeblich ergibt sich aus dieser Differenz, daß 63% der Meilen nie in Anspruch genommen werden.

Und damit nimmt das Grauen seinen Lauf – wer schon im Ansatz falsch rechnet, landet bei falschen Ergebnissen.

Sicherlich kann man trotz fehlerhafter Rechnung diskutieren und Lufthansa unterstellen, sich möglicher Weise beim Bilanzwert verrechnet zu haben. Das ist berechtigt, es gibt viele Ungereimtheiten, so greift die Anzeige auch meine Feststellung auf, daß die im Verfahren 14 O 245/11 angegebene Meilenanzahl überhaupt nicht zu den bilanzierten Meilen passen kann.

Natürlich kann man, sollte der Vorstand die Meilen wirklich falsch bewertet haben, eine Bilanzfälschung vermuten. Aber vielleicht wäre es hilfreich gewesen, erstmal die Angaben auf der Hauptversammlung abzuwarten, die sich aus der Diskussion der Gegenanträge von Peter Dietrich und mir ergeben. Zum jetzigen Zeitpunkt finde ich das jedenfalls äußerst mutig, zumal mit den Rechenfehlern der Anwälte.

Adressatenkreis

Da sich die Anzeige auch auf die Bilanzierung in den Jahren vor dem Vorstandsvorsitz von Dr. Franz bezieht, müßten auch die vorhergehenden Vorstandsmitglieder als mögliche Tatverdächtige angegeben werden.

Untreue

Interessant ist, daß die Kanzlei im Rahmen der Anzeige auch nochmals die E-Mail aufgreift, die zu meiner Strafanzeige wegen des Verdachts auf Betrugs gegen Lufthansa geführt hat, sie aus dem Spiegel zitiert und wegen des Verdachts auf Untreue Anzeige erstattet. Das ist glatt durchargumentiert und auch nachvollziehbar. Der Teil ergänzt letztlich meine Anzeige um einen weiteren möglichen Straftatbestand.

Fazit

Die Bilanzfälschung jedoch, die hätte ich mir jetzt noch erspart. Wen es drängt draufzuhauen, der sollte wenigstens besser recherchieren. Dabei hätte sogar mein Blog geholfen. Denn hier erkläre ich gerade, wie der Bilanzwert zustande kommt.

So hat diese Anzeige einen faden Beigeschmack, sie wirkt etwas wie „wir wollen auch mitspielen“.

Das heißt nicht, daß ich überzeugt bin, daß die Meilen richtig bilanziert sind, nur die Fehler machen die Anzeige so angreifbar, daß sie womöglich der Sache mehr schadet als nutzt. Klar, jeder macht Fehler, ich auch. Doch gerade, weil der Vorwurf der Bilanzfälschung knackig ist, sollte die Anzeige sitzen.

Eleganter Gegenantrag zur LH-Hauptversammlung

Die Hauptversammlung der Lufthansa findet am 8.5.2012 in Köln in der Lanxess-Arena statt, wer hin möchte, braucht eine Aktie. Der Kurs liegt derzeit bei rund 10 €, das ist ein durchaus fairer Preis, um dem Vorstand seine Meinung zu der Entwertung 2011, den Verschlechterungen bei Miles&More 2012 und für den HON Circle sagen zu können. Und mal nachzufragen, wie Lufthansa sich eine Unternehmenspolitik leisten kann, die aktuell die Top-Kunden vergrault, statt sie zu halten.

Einen ersten Gegenantrag zur Hauptversammlung gibt es bereits, er schlägt unabhängig von mir in die Kerbe Meilenwert. Denn Peter Dietrich, der den Antrag schon gestellt hat, argumentiert, daß in dem auch von mir zitierten Verfahren LG Köln 14 O 245/11 Lufthansa einen Meilenwert von 2,77 €-Cent angegeben hat, in der Bilanz die Meilen aber nur mit 0,80 €-Cent bewertet.

Wenn der im Verfahren angegebene Meilenwert korrekt ist, fehlen Lufthansa ca. 4 Milliarden € Rücklagen für Meilen.

Da muß selbst Lufthansa einige Jahre sparen, um solche Beträge zu erwirtschaften. Daher habe ich vermutet, daß der steigende Meilenwert in der Bilanz dieses Jahr im Verhältnis zum Vorjahr trotz der massiven Entwertung eine Maßnahme ist, dieses Mißverhältnis zu korrigieren.

Peter Dietrich regt nun sehr elegant an, den Wirtschaftsprüfer zu wechseln, denn er habe den Eindruck, daß die aktuelle Gesellschaft PriceWaterhouseCoopers nach sieben Jahren Tätigkeit für Lufthansa nun betriebsblind sei und begründet das wie folgt:

Darüber hinaus besteht Grund zur Annahme, das PWC falsche Bilanzierungs- und Bewertungsansätze der Gesellschaft im Zusammenhang mit den Rückstellungen für Prämienmeilen nicht ordnungsgemäß prüft und somit nicht den handelsrechtlichen Bilanzierungs- und Bewertungsbestimmungen genügt.

Denn bei 201 Milliarden Meilen in der Bilanz handle es sich um erhebliche Werte, die die wirtschaftliche Lage der Lufthansa massiv betreffen. Daraus folgert er:

Ein Wechsel der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erscheint daher zum Wohle der Gesellschaft und dem Schutz vor weiteren Bilanzierungsfehlern und deren Auswirkungen zwingend.

Lufthansa sei darüberhinaus auf seine Anfragen hin nicht in der Lage gewesen, die Bewertung der Meilen in der Bilanz nachvollziehbar zu erläutern.

Ich habe schon letzte Woche einige Anfragen zur Bewertung von Meilen in der Bilanz an Investor Relations geschickt und warte gespannt auf eine Antwort. Gegebenenfalls muß ich meine Fragen auf der Hauptversammlung wiederholen. Die nötige Aktie habe ich, ein Auskunftsrecht besteht. Denn der Vorstand muß in der Hauptversammlung über alles Auskunft geben, was zur Bewertung und damit Entscheidung über einen Antrag relevant ist.

Vielleicht kann man uns dann auch gleich erklären, wieso die gesamte bilanzierte Meilenzahl auch noch von der im Verfahren 14 O 245/11 vor dem LG Köln genannten abweicht.