Prämienverfügbarkeit, die zweite

Vor einigen Monaten habe ich schon mal die Prämienverfügbarkeit in der First Class der Lufthansa überprüft. Und dabei feststellen müssen, daß es da hapert. Allerdings hat Lufthansa der Gerüchteküche in diversen Foren zufolge nachgebessert.

Grund für die schlechte Verfügbarkeit sei gewesen, daß man StarAlliance-Partnern nicht die gesamte First öffnen würde, sondern sie für die eigenen Kunden reserviert habe. Mittlerweile sei ein Software-Update da, das diese Funktionalität böte. Dadurch bekämen Lufthansa-Kunden mehr Meilenflug-Verfügbarkeiten in First Class.

Tatsächlich sieht das auf der Miles&More Webseite so aus, fast alle Termine sind im „dezenten“ First-Class rot gehalten, wie das Beispielbild zeigt.

Prämienverfügbarkeit 23.08.2012 für First Class MUC-SFO für 1.11. / 15.11.2012

Prämienverfügbarkeit 23.08.2012 für First Class MUC-SFO für 1.11. / 15.11.2012

Doch bucht man einen Flug, heißt das nicht, daß man ihn auch bekommt.

Denn er wird zunächst auf Warteliste gebucht. Nach welchen Kriterien die dann freigegeben wird, ist wohl geheim. Bei einer Buchung wurde mir zum Beispiel der Rückflug direkt bestätigt, der Hinflug – trotz ansonsten leerer Kabine – auf Warteliste gesetzt, später dann gecancelt. Da entsteht der Eindruck, als würde Lufthansa die Kunden mit den schönen, roten Auswahlmöglichkeiten in die Irre führen wollen.

Dazu passt auch ein Textbaustein, der für den HON Circle für etwaige Beschwerden über schlechte Prämienverfügbarkeiten vorgehalten wird:

Es kann in Einzelfällen zutreffen, dass die Buchung von Prämienplätzen in der First Class schwieriger geworden ist und wir unseren treuesten Kunden leider nicht immer und unmittelbar eine Zusage geben können. Wünschen Sie ein Prämienupgrade, fragen wir eine Warteliste für Sie an, die nach Möglichkeit zeitnah bestätigt wird und auf der Sie stets mit höchster Priorität geführt werden.

Den ein weiterer Textbaustein sehr schön ergänzt:

Daher bieten wir Ihnen auch weiterhin eine verbesserte Flugprämienverfügbarkeit in der Economy und Business Class bis 14 Tage vor Abflug an. Sofern noch Plätze in der gewünschten Serviceklasse vorhanden sind, erhalten Sie und bis zu drei Begleitpersonen eine Sitzplatzzusage, auch wenn keine Plätze mehr für Flugprämien vorhanden sind. Wir bitten Sie hierbei herzlich um Ihr Verständnis, dass diese Option leider nicht für die First Class und bei Prämienupgrades anwendbar ist.

Setzt man diese Textbausteine mit der Wartelistentaktik zusammen, ist recht offensichtlich, daß Lufthansa ihre First Class Plätze nicht für Meilen verkaufen will, sondern gegen Bares.

Wären die Meilen korrekt bilanziert, würde eine First Class Buchung durch die Auflösung von Rückstellungen genausoviel Gewinn für die Lufthansa erzeugen wie ein regulär bezahltes Ticket. Dann müßte Lufthansa nicht auf solche Tricks zurückgreifen.

Neben der damit verbundenen Kundenunfreundlichkeit bestätigt Lufthansa so auch noch meine Theorie vom Bilanzierungsfehler.

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Eleganter Gegenantrag zur LH-Hauptversammlung

Die Hauptversammlung der Lufthansa findet am 8.5.2012 in Köln in der Lanxess-Arena statt, wer hin möchte, braucht eine Aktie. Der Kurs liegt derzeit bei rund 10 €, das ist ein durchaus fairer Preis, um dem Vorstand seine Meinung zu der Entwertung 2011, den Verschlechterungen bei Miles&More 2012 und für den HON Circle sagen zu können. Und mal nachzufragen, wie Lufthansa sich eine Unternehmenspolitik leisten kann, die aktuell die Top-Kunden vergrault, statt sie zu halten.

Einen ersten Gegenantrag zur Hauptversammlung gibt es bereits, er schlägt unabhängig von mir in die Kerbe Meilenwert. Denn Peter Dietrich, der den Antrag schon gestellt hat, argumentiert, daß in dem auch von mir zitierten Verfahren LG Köln 14 O 245/11 Lufthansa einen Meilenwert von 2,77 €-Cent angegeben hat, in der Bilanz die Meilen aber nur mit 0,80 €-Cent bewertet.

Wenn der im Verfahren angegebene Meilenwert korrekt ist, fehlen Lufthansa ca. 4 Milliarden € Rücklagen für Meilen.

Da muß selbst Lufthansa einige Jahre sparen, um solche Beträge zu erwirtschaften. Daher habe ich vermutet, daß der steigende Meilenwert in der Bilanz dieses Jahr im Verhältnis zum Vorjahr trotz der massiven Entwertung eine Maßnahme ist, dieses Mißverhältnis zu korrigieren.

Peter Dietrich regt nun sehr elegant an, den Wirtschaftsprüfer zu wechseln, denn er habe den Eindruck, daß die aktuelle Gesellschaft PriceWaterhouseCoopers nach sieben Jahren Tätigkeit für Lufthansa nun betriebsblind sei und begründet das wie folgt:

Darüber hinaus besteht Grund zur Annahme, das PWC falsche Bilanzierungs- und Bewertungsansätze der Gesellschaft im Zusammenhang mit den Rückstellungen für Prämienmeilen nicht ordnungsgemäß prüft und somit nicht den handelsrechtlichen Bilanzierungs- und Bewertungsbestimmungen genügt.

Denn bei 201 Milliarden Meilen in der Bilanz handle es sich um erhebliche Werte, die die wirtschaftliche Lage der Lufthansa massiv betreffen. Daraus folgert er:

Ein Wechsel der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erscheint daher zum Wohle der Gesellschaft und dem Schutz vor weiteren Bilanzierungsfehlern und deren Auswirkungen zwingend.

Lufthansa sei darüberhinaus auf seine Anfragen hin nicht in der Lage gewesen, die Bewertung der Meilen in der Bilanz nachvollziehbar zu erläutern.

Ich habe schon letzte Woche einige Anfragen zur Bewertung von Meilen in der Bilanz an Investor Relations geschickt und warte gespannt auf eine Antwort. Gegebenenfalls muß ich meine Fragen auf der Hauptversammlung wiederholen. Die nötige Aktie habe ich, ein Auskunftsrecht besteht. Denn der Vorstand muß in der Hauptversammlung über alles Auskunft geben, was zur Bewertung und damit Entscheidung über einen Antrag relevant ist.

Vielleicht kann man uns dann auch gleich erklären, wieso die gesamte bilanzierte Meilenzahl auch noch von der im Verfahren 14 O 245/11 vor dem LG Köln genannten abweicht.