Ärger vom Bundeskartellamt

Lufthansa hat von Firmenkunden verlangt, Auskunft über deren Flugbuchungen mit Wettbewerbern zu geben. Da sagt schon der gesunde Menschenverstand, daß das kartellrechtlich bedenklich werden könnte. Denn die Informationen gehen Lufthansa als in Deutschland marktbeherrschendes Unternehmen nichts an.

Das hat nun auch das Bundeskartellamt so gesehen und Lufthansa dieses Vorgehen verboten (B9-96/09).

Interessant ist dabei die Stellungnahme der Lufthansa, die Biztravel zitiert: Man habe sich jedoch auch in der Vergangenheit stets regelkonform verhalten.

Ist das so ein ähnliches „regelkonform“ wie das „rechtzeitig“ in Bezug auf die Kommunikation der Meilenentwertung?

Dr. Franz: Kleinlaut zu „rechtzeitig kommuniziert“

Natürlich war die rechtzeitige Kommunikation der Entwertung der Meilen Thema in meinen Fragen. Interessant war die Antwort von Dr. Franz. Er hat sich gar nicht zum Thema „rechtzeitig“ oder gar der E-Mail ausgelassen. Stattdessen betonte er, daß die Entwertung keine Entwertung sei.

Daher würde ich bei meinen weiteren Fragen von einer falschen Prämisse ausgehen. Herr Dr. Franz, ich weiß, Sie würden mir am liebsten einen One-Way-Flug auf Meilen zum Mond spendieren. Aber es ist nun mal so, daß für Ihre Kunden One-Way-Langstrecken-Flüge, und nur die lohnen sich auf Meilen, eher selten in Frage kommen. Und ein Same-Day-Award München-San Francisco mit 2 Stunden Turn-Around ist auch nicht so wirklich lohnend.

Herr Dr. Franz: Sie haben wertloses, was eh keiner bucht, verbilligt. Das freut Ihre PR-Abteilung, weil so etwas positives dabei ist, das sich schön verkaufen lässt, macht auch ein schlankes Alibi.

In Wirklichkeit ist es aber wie eine Einkommenssteuererhöhung um 30% bei gleichzeitiger Senkung der Rennwettsteuer um 30%. Das wäre in Ihrer Lesart auch eine „Anpassung“, die Bundesregierung würde sogar von einer „solide gegenfinanzierten Steuersenkung“ sprechen.

Nur die Betroffenen sprechen völlig unverständlich von einer Erhöhung bzw. im Fall Miles&More von einer Entwertung Ihrer Konten. Und sind überraschend verärgert.

Wirklich bemerkenswert an Ihrer Antwort war: Sie haben ganz kleinlaut das Thema der rechtzeitigen Kommunikation umgangen. Haben Sie jetzt etwa doch verstanden, daß da bei Ihnen was schiefgelaufen ist?

Herr Dr. Franz, noch können Sie korrigieren. Sie müssen nur den Mut dazu haben. Ich hätte ein paar Lösungsideen. Sie wissen ja, wie Sie mich erreichen können.

Lufthansas Argumente: Fliegen ist teurer geworden

Außergerichtlich und im Verfahren argumentierte Lufthansa mit angeblich gestiegenen Flugpreisen, das läge durchaus auch am Kerosinpreis.

Dem lässt sich entgegenhalten, daß ich über die Steuern und Gebühren auch den sogenannten Treibstoffzuschlag zahle, der angeblich genau diese steigenden Kerosinkosten abdecken soll.

Das heißt, Treibstoffpreise sind für den Meilenpreis unerheblich, weil die Meilen nur den Ticketpreis zahlen.

Zudem hat das statistische Bundesamt festgestellt, daß fliegen sogar günstiger geworden ist, bereinigt man die Flugpreise um die neue Flugsteuer. Und die Steuer ist – Überraschung – Teil der Steuern und Gebühren. Mithin also auch nichts, was mit Meilen gezahlt werden müßte.

Im Verfahren legte Lufthansa noch eine Grafik vor, aus der angeblich hervorgehen soll, daß die Preise gestiegen sind. Allerdings galt auch hier: Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Denn die Grafik beschränkte sich auf die teuersten Buchungsklassen und beinhaltete die Steuern und Gebühren. Mithin waren es eben nicht die reinen Ticketkosten. Zudem sind die teuren, kurzfristigen, vollflexiblen Buchungsklassen branchenüblich sehr teuer, weil man hier die Kunden zur Kasse bitten kann, die reisen müssen und damit keine Wahl haben.

Insgesamt wiederum ein wenig überzeugendes Argument.

Lufthansas Argumente: Wir haben rechtzeitig kommuniziert

Liest man die Newsmeldungen, wird der Lufthansa-Sprecher entweder mit „Kein Kommentar“ oder „Wir haben rechtzeitig auf allen Kanälen kommuniziert“ zitiert. Diesen Unfug behaupten auch die Lufthansa-Anwälte im Verfahren – und lassen sich da einer, nennen wir es einmal, „Wahrheitsdehnung“ überführen.

Fangen wir mal mit „allen Kanälen“ an. Auf der Homepage im Kleingedruckten im hintersten Eck versteckt eine Meldung – zählt nicht gerade als „alle Kanäle“.

Der zweite Kanal: Die Statuskundenzeitschrift „LH exclusive“. Nur da scheitert es an „rechtzeitig“. Denn dort stand es erst in der Januarausgabe. Das ist anscheinend den Anwälten von Lufthansa auch schon aufgefallen.

Deswegen kopierten sie die Meldung auf Seite 71 rechts unten vergrößert und legen sie dem Gericht vor. Damit fällt „ungünstiger“ Weise der Hinweis auf die Ausgabe raus und man kann im Begleittext den Eindruck erwecken, man habe schon im Dezember die Kunden benachrichtigt.

Blöd nur, daß Lufthansa ein Online-Archiv der Hefte unterhält.

Die Lufthansa-Anwälte sind da nicht verlegen und argumentieren frech, daß die Januarausgabe ja schon im Dezember erscheint.

Wiederum blöd, daß Google die Anzeigenpreisliste Nr. 18 des Verlages noch findet und dort als Erscheinungstermin für das Heft 01/11 unmißverständlich 1.1.11 steht.

Rechtzeitig auf allen Kanälen kommuniziert – na ja, das sieht anders aus. Und das lässt sich auch nicht nachträglich beheben.

Nehmen wir zum Vergleich den Streik in Frankfurt als Beispiel. Da mailt Lufthansa mich zweimal an, obwohl ich nicht mehr mit ihnen fliege, berichtet auf der Facebookseite, twittert und erstellt eine eigene Seite im Webauftritt, die von der Homepage verlinkt wird. Da könnte man schon eher von „allen“ Kanälen sprechen, zumal der Streik nicht planbar gewesen ist, sondern (relativ) unvorhersehbar auf Lufthansa zugekommen. Da wäre die Briefpost und die Kundenzeitschrift eher zu langsam gewesen. Die Meilenentwertung allerdings war sicherlich nicht so überraschend.

Fairplay geht anders.