AirBerlin nutzt Lufthansas Illoyalität

Lufthansa verhält sich ja nicht nur den Kunden gegenüber illoyal, sondern auch dem Vertriebspartner Reisebüro. Dem streicht Lufthansa einfach das Verdienstmodell zusammen, obwohl er ihre Produkte verkauft.

Ganz anders AirBerlin: Die führt zunächst für vier Monate eine Incentivierung für die Reisebüros ein. Damit gibt es für jeden verkauften AirBerlin-Flug eine kleine Provision.

Eine sehr sinnvolle Idee von AirBerlin. Denn die Reisebüros nehmen der Airline viel Arbeit ab. Viele Fragen, kleinere und auch größere Probleme, wie z.B. Umbuchungen, erledigt das Reisebüro, ohne bei der Airline Kosten zu verursachen. Dabei kann ein gutes Reisebüro, zu denen ich meines zähle, häufig durch mehr Kundennähe viel bessere Lösungen anbieten. Es kennt nämlich die Präferenzen und Anforderungen.

Das Reisebüro ist ein starker Partner – sowohl für den Kunden als auch die Airline. Den so radikal auszuschalten, wie es Lufthansa macht, ist ungeschickt. AirBerlin setzt das richtige Signal.

Lufthansa erhöht die Ticketpreise

Die Marketingspezialisten der Lufthansa werden nächste Woche sicher kommunizieren: „Wir schaffen die Ticket Service Charge ab.“ Das war früher der Aufpreis, den jedes Reisebüro im Rahmen frei gestalten konnte und daran statt einer Provision verdient hat.

Lufthansa hat auf der eigenen Webseite auch eine Ticket Service Charge verlangt, die betrug 10 EUR innereuropäisch und 15 EUR interkontinental. Bei meinem Reisebüro war mir der Aufschlag nachvollziehbar, da wurde mir ein echter Mehrwert, nämlich persönliche Beratung und Hilfe geboten, auf der Lufthansa-Webseite kam es mir schon immer vor wie Geldschneiderei. Warum muß Lufthansa für sich selbst eine Provision verdienen?

Jetzt hat Lufthansa jedoch festgestellt, daß „immer mehr Onlineportale firmenfremder Anbieter auf eine Servicegebühr wie die Ticket Service Charge verzichten und den von Lufthansa selbst angebotenen Tarif unterbieten“ (Lufthanseat Nr. 1413). Weiter heißt es dort:

Durch den Wegfall der TSC [Ticket Service Charge, Anmerkung T.E.] im eigenen Onlinevertrieb kann Lufthansa ihre Tickets zu einem identischen Tarif wie dritte Onlineportale anbieten.

Die aktuelle wirtschaftliche Ertragslage und die gestiegenen Kosten lassen es aber nicht zu, die Endpreise von Lufthansa-Tickets zu senken.

Daher erhöht Lufthansa die Ticketgrundpreise innereuropäisch um 10 €, interkontinental in der Economy um 20 € und in der Business um 60 €.

Natürlich verlangen die Lufthansa Ticketschalter, der Telefonverkauf weiterhin eine Ticket Service Charge von 30 € innereuropäisch und 45 € ansonsten.

Wir haben also ein Abwertung der Meilenklassen, eine Entwertung der Meilen und eine Preiserhöhung.

So sollen die Kunden also zum Sparprogramm beitragen. Der neue Slogan lautet wohl vollständig: „Nonstop you ausnehmen“.

Nebenbei: Ich finde, das ist sehr unfein den eigenen Vertriebspartnern gegenüber. Die sollen einerseits Kunden generieren, andererseits versucht Lufthansa sie so auf den eigenen Vertriebskanal zu binden. So geht man mit Geschäftspartnern nicht um.