Konstruktiver Dialog

Als im Deutschlandradio neulich ein Lufthansasprecher sagte, man wolle keine Gerichtsverfahren mit Kunden führen und im Meilenstreit den Unmut im Dialog lösen, gingen bei mir viele Anfragen ein, wo denn der Dialog sei. Und ich selbst konnte es auch nicht glauben, daß es ihn nun geben sollte.

Doch tatsächlich ist ein Dialog entstanden, ein sehr konstruktiver, einer, den ich immer wieder vorgeschlagen hatte und dem ich mich schon deswegen nicht verschlossen habe. Einer dessen Ergebnis sich sehen lassen kann, wie der Spiegel schon verraten hat.

Zwar hat das OLG Köln die Rechtsauffassung von Lufthansa bestätigt, daß die Redemptiontabelle kurzfristig geändert werden darf. Lufthansa hat aber trotzdem eingesehen, daß eine allzu kurzfristige Preissteigerung mit dem Ziel eines Kundenbindungsprogrammes Kundenzufriedenheit zu schaffen, nicht zusammenpasst. Daher wird Lufthansa ab sofort Prämienanpassungen mit einer dreimonatigen Ankündigungsfrist kommunizieren und das auch für alle verbindlich festschreiben.

Das ist zwar ein Monat weniger als die „gewürfelten“ vier Monate des LG Köln, das ist möglicher Weise kürzer als der BGH hätte entscheiden können, aber der BGH hätte sich auch der Meinung des OLG, gar keine Frist zu gewähren, anschliessen können. So sind drei Monate meines Erachtens eine faire Lösung und vorallem ist Klarheit geschaffen. Wir Kunden wissen jetzt, auf welche Vorankündigungsfristen wir uns einstellen müssen und haben eine Aufbrauchfrist für unsere Konten, wenn wieder eine Änderung kommen sollte.

Das war das Ziel, auf das ich mit meiner Klage hingearbeitet hatte. Da Lufthansa sich nun freiwillig dazu bereit erklärt hat, eine Übergangsfrist zu schaffen, hat sich für mich die Revision erübrigt. Denn mein Ziel ist erreicht.

In den Onlinemedien, insbesondere http://www.miles-and-more.com/ soll die Änderung heute kommuniziert werden. Ob das im Kölner Karneval in den närrischen Tagen wirklich so termintreu klappt – ich wäre nachsichtig, wenn es Aschermittwoch würde. Bei bereits gedruckten Medien dauert es auf alle Fälle länger, sie jetzt einzustampfen wäre unverhältnismäßig.

Überhaupt, der Fasching könnte Sie ja befürchten lassen, das wäre nur ein Faschingsscherz, in Anlehnung an meinen letztjährigen Aprilscherz. Doch so scherzhaft ist der Fasching historisch gesehen gar nicht: Das bunte Treiben soll böse Geister austreiben. Damit ist es sogar ein sehr passender Termin, um wieder Frieden zu schließen.

Mir war sehr wichtig, daß Lufthansa nicht nur den Streit mit mir beilegt, sondern auch mit allen anderen, die in meinen Fußstapfen geklagt haben. Lufthansa hat mir zugesagt, den Dialog mit den Betroffenen zu suchen und so deren Ärger auch aus der Welt zu schaffen.

Das ist mindestens das, was von einem BGH-Urteil zu erwarten gewesen wäre. Mit einem erheblichen Zeitvorteil: Denn bis zur Verkündung hätte es leicht noch einige Jahre dauern können.

Deshalb freut mich das Gesamtergebnis, im Sinne einer schnellen, gemeinsamen, zukunftsfähigen und umsetzbaren Lösung.

Lufthansa erhöht die Ticketpreise

Die Marketingspezialisten der Lufthansa werden nächste Woche sicher kommunizieren: „Wir schaffen die Ticket Service Charge ab.“ Das war früher der Aufpreis, den jedes Reisebüro im Rahmen frei gestalten konnte und daran statt einer Provision verdient hat.

Lufthansa hat auf der eigenen Webseite auch eine Ticket Service Charge verlangt, die betrug 10 EUR innereuropäisch und 15 EUR interkontinental. Bei meinem Reisebüro war mir der Aufschlag nachvollziehbar, da wurde mir ein echter Mehrwert, nämlich persönliche Beratung und Hilfe geboten, auf der Lufthansa-Webseite kam es mir schon immer vor wie Geldschneiderei. Warum muß Lufthansa für sich selbst eine Provision verdienen?

Jetzt hat Lufthansa jedoch festgestellt, daß „immer mehr Onlineportale firmenfremder Anbieter auf eine Servicegebühr wie die Ticket Service Charge verzichten und den von Lufthansa selbst angebotenen Tarif unterbieten“ (Lufthanseat Nr. 1413). Weiter heißt es dort:

Durch den Wegfall der TSC [Ticket Service Charge, Anmerkung T.E.] im eigenen Onlinevertrieb kann Lufthansa ihre Tickets zu einem identischen Tarif wie dritte Onlineportale anbieten.

Die aktuelle wirtschaftliche Ertragslage und die gestiegenen Kosten lassen es aber nicht zu, die Endpreise von Lufthansa-Tickets zu senken.

Daher erhöht Lufthansa die Ticketgrundpreise innereuropäisch um 10 €, interkontinental in der Economy um 20 € und in der Business um 60 €.

Natürlich verlangen die Lufthansa Ticketschalter, der Telefonverkauf weiterhin eine Ticket Service Charge von 30 € innereuropäisch und 45 € ansonsten.

Wir haben also ein Abwertung der Meilenklassen, eine Entwertung der Meilen und eine Preiserhöhung.

So sollen die Kunden also zum Sparprogramm beitragen. Der neue Slogan lautet wohl vollständig: „Nonstop you ausnehmen“.

Nebenbei: Ich finde, das ist sehr unfein den eigenen Vertriebspartnern gegenüber. Die sollen einerseits Kunden generieren, andererseits versucht Lufthansa sie so auf den eigenen Vertriebskanal zu binden. So geht man mit Geschäftspartnern nicht um.