Meine Fragen für die Hauptversammlung

Mein Gegenantrag besteht aus zwei Teilen und hat daher auch zwei Begründungen:

  1. Die Bilanzierung der Meilen und Upgrade-Voucher ist unklar. Momentan sind 1,6 Milliarden € dafür zurückgelegt, es könnten bis zu 5,6 Milliarden € sein. Der Vorstand hat bislang auf Nachfrage die Bilanzierung nicht erklärt. Daher rührt mein Gegenantrag, als Aktionär möchte ich Klarheit über die finanzielle Situation der Lufthansa – 4 Milliarden € sind ein erheblicher Betrag.
  2. Der Prozess um die Meilenentwertung zeigt, daß der aktuelle Vorstand den Wert von Kunden und des Kundenbindungsprogrammes Miles&More unterschätzt. Würde der Vorstand Kundenbindung verstehen, hätte der Vorstand nicht gezielt und vorsätzlich die Kunden über die Entwertung der Meilen im Unklaren gelassen, sondern die Entwertung mit fairen Übergangsregeln umgesetzt. Das Handeln des Vorstandes entspricht hier nicht den Interessen der Aktionäre.

Weil der Vorstand sich in seiner Stellungnahme zu meinem Gegenantrag äußerst schwammig gehalten hat und durch die unpräzisen Angaben mehr Fragen aufgeworfen hat, als er beantwortet hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als in der Hauptversammlung viele Fragen zu stellen. Ich hoffe immer noch, daß der Vorstand diese Fragen, weil ich sie schon vorab an Lufthansa gefaxt habe, in seinen Erläuterungen selbst beantwortet.

Zum Meilenwert

Die Diskussion um den Bilanzwert ist aufgekommen, weil Lufthansa im Verfahren LG Köln 14 O 245 / 11 (Peter Dietrich ./. Lufthansa) den Meilenwert selbst mit 2,77 €-Cent angegeben hat. Das steht so in dem Urteil, das mir vorliegt.

Außerdem fiel mir auf, daß obwohl die Meilen entwertet wurden, der Bilanzwert gestiegen ist. Das ist unlogisch, denn wenn mehr Meilen für einen Flug nötig sind, müßte der Bilanzwert eigentlich sinken.

Natürlich kann es auch Argumente geben, über die sich der Bilanzwert schlüssig erklären lässt. So könnten sich die Anwälte der Lufthansa bezüglich des Meilenwertes in dem Verfahren getäuscht haben.

Möglicher Weise ist auch der Bilanzwert von Meilen bereinigt um die Entwertung um mindestens 12% gestiegen, weil man bisher zu niedrig bilanziert hat und diesen Fehler beheben wollte. Aber auch dieses Geständnis müßte der Vorstand machen.

Weiterhin fehlen im Jahresbericht Angaben zu einem weiteren, den Meilen vergleichbaren Wert: Den Upgradevouchern. Deren Bilanzierung ist unklar.

Damit ergeben sich folgende Fragen:

  1. Warum werden im Jahresbericht nur Meilen für Flugprämien und nicht auch für WorldShop und Upgrades ausgewiesen?
  2. Weshalb sind Upgradevoucher in der Bilanz nicht aufgeführt?
    1. Welche Anzahl von Upgradevouchern war am Jahresende 2011 nicht eingelöst?
    2. Mit welchem Wertansatz werden diese Upgradevoucher wo bilanziert?
  3. Wie erklärt sich der höhere Bilanzwert pro Meile 2011 im Vergleich zu 2010, obwohl eine Entwertung der Meilen stattgefunden hat?
  4. Wieviele Meilen werden im Schnitt pro Jahr erfolgen und in Prämien umgesetzt?
  5. Welcher Anteil der Meilen verfällt?
  6. Welcher Anteil der Miles&More-Mitglieder ist dank Status und / oder Kreditkarte vor dem Meilenverfall geschützt?
  7. Wieso haben die 0,5% der von Kunden gekauften Meilen einen Anteil von 1,5% am Bilanzwert der Meilen?
  8. Welcher Anteil der Meilen wird im WorldShop umgesetzt?
    1. Welcher Wert für eine Meile im WorldShop in der Bilanz angenommen?
  9. Welcher Anteil der Meilen wird für Upgrades genutzt?
    1. Welcher Anteil der Upgrades erfolgt auf Konzern-Airline-Flügen und welcher auf StarAlliance-Partner-Flügen?
    2. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit Konzern-Airlines?
    3. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit StarAlliance-Partner-Airlines?
  10. Welcher Anteil der Meilen wird für Prämienflüge eingesetzt?
    1. Welcher Anteil der Prämienflüge erfolgt auf Konzern-Airlines, welcher auf StarAlliance-Partnern?
    2. Wie werden intern Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
    3. Wie werden auf Partner-Airlines Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
  11. Welcher Anteil Miles&More-Mitglieder hat keine Meilen auf dem Konto?
  12. Welcher Anteil Miles&More-Mitglieder ist aktiv genug, um überhaupt die Plastikkarte zu erhalten, die erst ab 3.000 Meilen vergeben wird?

Damit sollte es dann möglich sein, die konkreten Zahlen einzusetzen und zusammenzurechnen. Damit wäre der Bilanzwert überprüft – und der Teil meines Gegenantrages vom Tisch.

Für die zukünftige Strategie bezüglich Miles&More frage ich mich außerdem:

  1. Welcher Anteil der Meilen wird über Flüge generiert?
  2. Welcher Anteil der Meilen entsteht durch Promotions und Nicht-Airline-Partner?
  3. Hat sich eine Verschiebung dieser Anteile über die letzten Jahre ergeben?
  4. Sollte sich eine Verschiebung des Meilenerwerbs zu Nicht-Airline-Partnern ergeben haben, hat das Auswirkungen auf die Award-Verfügbarkeit für „fliegende“ Miles&More-Kunden, insbesondere für Statuskunden?
  5. Gibt Lufthansa ihren Stammkunden ein Leistungsversprechen bezüglich einer Mindestzahl verfügbarer Award-Plätze pro Flug oder ist ein solches Versprechen geplant?
  6. Berücksichtigt Lufthansa bei der Bilanzierung die Einlösemöglichkeiten der Kunden?

Die Fragen nach der Zukunft von Miles&More ergibt sich, weil Dr. Franz auf der DLD in München, auf der er ja auch behauptete, Kundenloyalität sei ein ein Hauptziel, erklärte, er wolle Miles&More als Loyalitätsprogramm nutzen und nicht in ein eigenes Unternehmen à la Payback überführen. Das habe nach seinen Worten AirCanada mit deren Meilenprogramm getan.

Zum Kundenumgang und Meilenentwertung

Den zweiten Teil meines Gegenantrages begründe ich mit der Entwertung der Meilen. Lufthansa hat sich hier gegenüber den Kunden massiv unfair verhalten, indem eine viel zu kurze Übergangsfrist, ausgerechnet über Weihnachten und den Jahreswechsel gewährt wurde, und die Information über die Entwertung bewußt zurückgehalten wurde, damit

die Kunden nicht vorab noch viele Tickets mit den günstigeren Meilenwerten buchen!

So heißt es in einer internen E-Mail, die mir zugespielt wurde. Aufgrund der E-Mail habe ich mich entschlossen, gegen Lufthansa Strafanzeige wegen des Verdachts des Betruges zu stellen. Mindestens eine weitere Kanzlei hat aus gleichem Grund den Verdacht der Untreue zur Anzeige gebracht.

  1. Warum nimmt der Vorstand den entstandenen massiven Imageschaden in Kauf, anstatt proaktiv zu agieren, alle betroffenen Kunden zu entschädigen und für die Zukunft rechtskonforme Übergangslösungen zu schaffen?
  2. Wie kommt Lufthansa zur Behauptung, daß keine Kundenabwanderung stattfindet? Wurden die Buchungszahlen der HON-Circle-Mitglieder und Senatoren überprüft oder lediglich die Zahl der Statuskunden verglichen?

Zu den Veränderungen bei Miles&More werde ich weiterhin fragen:

  1. Ist es richtig, daß es aus Sicht der Lufthansa zu viele HON Circle Mitglieder gibt und ist das der Grund, warum die Erreichung des HON Circle Status auch für bestehende HONs deutlich erschwert wurde?
  2. Warum wurden die Verschlechterungen bei Miles&More unterjährig eingeführt, also während der Qualifikationsperiode der Kunden, und nicht zum Jahreswechsel?

Weiteres

So es die Zeit zulässt und nicht schon andere die Fragen gestellt haben, werde ich außerdem die folgenden „allgemeinen“ Fragen stellen:

  1. Warum behauptet der Vorstand im Jahresbericht, die Neue Europakabine würde gut angenommen, wenn im hauseigenen Passage Magazin massiv Kritik daran geübt wird?
  2. Carsten Spohr wird im Spiegel 19/2012 zitiert, daß Lufthansa bewußt ist, daß das Kabinenprodukt erheblichen Verbesserungsbedarf hat. Dennoch wird Miles&More erheblich verschlechtert. Wie passt das zeitlich zusammen?

Zusammenfassung

Weil die korrekte Bilanzierung der Meilen und Upgradevoucher fraglich ist, hat der Vorstand die Aktionäre über die Berechnung dieser Bilanzpositionen zu informieren. Derzeit sind 1,6 Milliarden bilanziert, bis zu 5,6 Milliarden sind plausibel. Damit fehlen vier Milliarden. Bis zur Klärung der Frage kann der Vorstand nicht entlastet werden.

Ebenso hat der Vorstand sich im Zusammenhang mit der Entwertung der Meilen ungeschickt verhalten und Stammkunden verprellt. Der Vorstand hat nämlich bewußt und vorsätzlich, das ergibt sich aus einer E-Mail, die Übergangsfrist unanständig kurz gehalten. Ein solches Verhalten ist nicht im Interesse der Aktionäre. Im Interesse der Aktionäre wäre eine faire Anpassung der Meilenwerte mit vernünftiger Übergangszeit gewesen. Dagegen hätten auch kein Kunde geklagt.

Da die Ermittlungen gegen den Vorstand in dem Zusammenhang noch nicht abgeschlossen sind, der Vorstand auch gegen das erstinstanzliche Urteil in Berufung gegangen ist, kann der Vorstand noch nicht entlastet werden.

Daher beantrage ich, die Entlastung des Vorstandes bis zur Aufklärung der Vorwürfe zu vertagen.

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Wochenrückblick und Hauptversammlungsausblick

Schon wieder Zeit für einen Wochenrückblick, diesmal kombiniert mit einem Ausblick auf den nächsten Dienstag, die Hauptversammlung.

Zur Hauptversammlung gibt es von mir einen Gegenantrag zur Entlastung des Vorstandes. Ich schlage vor, die Entlastung zu vertagen, da einerseits unter anderem gegen den Vorstand noch eine Strafanzeige besteht und andererseits erhebliche Unklarheiten bezüglich der Bewertung der Meilen in der Bilanz entstanden sind. Die Meilen sind auch Gegenstand eines weiteren Gegenantrags von Peter Dietrich.

Die Strafanzeige habe ich erstattet, als mir eine E-Mail zugespielt wurde, in der Lufthansa-Manager Mitarbeiter angewiesen haben, Kunden die Entwertung der Meilen nicht zu kommunizieren, damit die Kunden nicht mehr zu den günstigen, alten Konditionen buchen können. Zusammen mit dem Kaufangebot von Meilen im Dezember 2010 sah ich darin den Tatbestand des Betrugs erfüllt. Eine weitere Kanzlei hat aus gleichem Grund den Verdacht auf Untreue geäußert und ebenfalls Anzeige erstattet.

Die Bewertung der Meilen ist unklar, weil Lufthansa im Verfahren von Herrn Dietrich Meilen mit 2,77 €-Cent bewertet hat, in der Bilanz jedoch nur mit 0,8 €-Cent. Laut eines nicht überprüfbaren, anonymen Hinweises sei der intern angesetzte Wert einer Meile bei 2,4 €-Cent.

Ich habe verschiedene Fragen zum Bilanzwert aufgeworfen, zu denen es hoffentlich auf der Hauptversammlung eine Antwort gibt:

Lufthansas Stellungnahme zu meinem Gegenantrag ist leider sehr dürftig. Die Meilenbilanzierung wird nicht adäquat erklärt und zur Strafanzeige und Entwertung der Meilen stellt gibt es leider auch nur unpräzise Antworten. Herrlich ist das Argument, eine Kundenabwanderung habe man nicht festgestellt.

Für die Hauptversammlung auch relevant sind:

Zum Unternehmen:

Dazu kamen noch einige Pressemeldungen, wie die Entlassung von 3.500 Mitarbeitern bei Lufthansa, der Gewinneinbruch, der Weggang von Dr. Jürgen Weber, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, die ich einfach aus Zeitgründen und Aktualitätsgründen nicht bloggen konnte. Teilweise habe ich die Links darauf bei Twitter oder auf der Facebook-Seite gepostet.

Last, but not least: Ein herzliches Dankeschön an Sie, für Ihre vielen, hilfreichen Hinweise, Ihr oft auch kritisches und konstruktives Feedback, über das ich mich sehr freue – und heute ganz besonders an den edlen Spender der Lufthansamaschine, bei der der Lack ab ist.

Damit ist wieder eine ereignisreiche Woche geschafft. So, wie sich diese Woche die Meldungen überschlagen haben, glaube ich kaum, daß ich dieses Wochenende wirklich „blogfrei“ haben werde.

Stellungnahme zu meinem Gegenantrag

Lufthansa hat auf der Webseite eine Stellungnahme zu meinem Gegenantrag veröffentlicht, der meines Erachtens in einigen Punkten sehr oberflächlich bleibt:

Der Aktionär Prof. Dr. Eggendorfer beantragt, die Entlastung des Vorstands zu vertagen. Hintergrund sei zum einen die zum 03.01.2011 erfolgte Anpassung der Prämienmeilentabelle und zum anderen die angeblich fehlerhafte Höhe der Rückstellungen für Meilen.
Die Anpassung der Prämienmeilentabelle hat weder zu einem feststellbaren Abwandern von Statuskunden geführt, noch sind der Gesellschaft Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang bekannt oder die Höhe der Rückstellungen fehlerhaft. Bezüglich des letzten Punktes wird auf die Stellungnahme zu dem Gegenantrag von Herrn Dietrich verwiesen.

Bilanzwert

Ich zäume das Pferd von hinten auf: Die Verweisung an sich zum Gegenantrag von Herrn Dietrich ist schon falsch. Denn ich argumentiere, daß Lufthansa bislang nicht dargestellt hat, wie der Bilanzwert einer Meile berechnet wird. Damit ist er einer Überprüfung nicht zugänglich. Genau diese fehlende Transparenz ist mein Vorwurf. Denn für die Bilanz ist der Vorstand verantwortlich und muß sie jederzeit vollständig erläutern können. Da er das nicht will oder kann, kann ich ihn in meiner Rolle als Aktionär nicht entlasten.

Als Aktionär muß ich wissen, wie es wirklich um das Unternehmen steht, in das ich investiert habe. Solange hier Unklarheiten bestehen, wäre es falsch, das Handeln des Vorstandes durch die Entlastung zu genehmigen.

Bewußt habe ich beantragt, die Entlastung zu vertagen und nicht, sie zu verweigern. So gebe ich dem Vorstand die Möglichkeit, die Fragen restlos zu klären.

Daß der Vorstand die Auskünfte nicht geben möchte, zeigt die lückenhafte, widersprüchliche und logisch nicht durchgängige Argumentation zum Gegenantrag von Peter Dietrich, mit der der Vorstand auch auf meinen Antrag reagieren möchte:

Weder hat die Gesellschaft in dem angesprochenen Verfahren den durchschnittlichen Meilenwert auf zwischen 2 und 5 Cent und mindestens auf 2,77 Cent beziffert, noch ist ein Rückschluss eines rechnerisch möglichen Werts einer Meile für einen Kunden in einem individuellen Fall auf die Höhe der ausgewiesenen Verpflichtungen im Konzernabschluss zulässig.

Ein Blick in das Urteil (!) des LG Köln in 14 O 245/11 jedoch zeigt anderes:

Der Gegenwert einer Prämienmeile wird von der Beklagten [in diesem Fall die Lufthansa, Anm. T.E.] mit 2,77 Cent und vom Kläger mit bis zu 17 Cent – so bei einem Flug von Frankfurt am Main nach Angola – angegeben.

Das bestätigt die Verwaltung weiter unten auch selbst:

Die Gesellschaft hatte in der Klageerwiderung lediglich aufgezeigt, dass – selbst unter Zugrundelegung der grundsätzlichen Berechnungsmethodik des Klägers, also einer Berechnung für bestimmte Flüge in der First- und Business-Class – der Wert einer Meile für den Kläger durch diesen um ein mehrfaches überzeichnet worden war.

Damit bestätigt Lufthansa, daß man doch in dem Verfahren einen Meilenwert angegeben hat.

Der Vorstand ist für die Bilanz verantwortlich und muß sie erklären können. In der weiteren Darstellung erfolgt jedoch keine Aufklärung zur Bilanzberechnung des Meilenwertes, sondern es werden nur allgemeingültige Grundsachverhalte ausgeführt, die ich auch als Außenstehender schon in meinem Blog erklärt habe. Nämlich, daß Meilen abhängig von ihrem Verwendungszweck für Upgrades, Flüge und Sachprämien, also den WorldShop einen unterschiedlichen Wert haben.

Flugprämie

Bei Berechnung der Flugprämien gibt es in der Darstellung erhebliche Fragen:

Bei Bewertung der Verpflichtungen für Prämienflugreisen sind die geltenden Flugtarife unter Berücksichtigung der Restriktionen der Buchungsklasse für Miles & More Flugprämien einzukalkulieren. Diese Buchungsklassen sind selbstverständlich nicht mit dem Wert aller Vollzahlertarife vergleichbar. Flexibilität und Verfügbarkeit sind eingeschränkt. Im Übrigen werden dem Fluggast bei Prämienflugbuchungen, anders als bei Vollzahlerbuchungen, keine Meilen gutgeschrieben.

Auch hier ist Lufthansa ungenau: Ein Meilenflug kann für 50 EUR umgebucht oder erstattet werden, wohingegen günstige Economy-Tarife gar nicht umbuchbar sind, andere für teurere 120 €.

Dabei muß sowohl bei regulären als auch Meilenflügen die Buchungsklasse am neuen Wunschtag verfügbar sein. Diese Feinheit kann Umbuchungen trotz eines umbuchbaren Tarifs erheblich verteuern, weil typischer Weise die günstigeren Buchungsklassen geringere Verfügbarkeiten aufweisen und daher die Differenz aufgezahlt werden muß.

Daß Meilen auf Prämienflügen nicht gutgeschrieben werden, ist richtig. So kostet ein billiger Business Flug Hamburg Johannesburg (30.5. – 17.6.) 3159,19 €. Davon sind 2639 € der reine Ticketpreis, die restlichen 520,19 € sind Steuern und Gebühren, die angeblich externe Kosten abbilden und bei einem Prämienticket bar zu zahlen sind.

In Buchungsklasse Z, die für 200 € umgebucht oder erstattet werden kann, gibt es derzeit 24.564 Meilen, für Statuskunden sogar 3.444 mehr. Mit dem aktuellen Bilanzwert von 0,8 Cent / Meile ergibt sich ein Meilenwert von 196,51 € bzw. 224,06 €. Damit liegt der reine Ticketpreis bei ca. 2430 €.

Die gleiche Strecke kostet 105.000 Meilen. Damit wäre allerdings eine Meile 2,31 €-Cent wert. Durch die Reduktion der Meilen im Z-Tarif steigt sogar der Meilenwert, weil die Abzüge sinken.

Die Bedingungen für Umbuchung / Erstattung für den Meilenflug sind sogar geringfügig günstiger.

Bilanzmathematik

Besonders erheitert bin ich über die sorgfältige Rechnung der Lufthansa, die auch schon in dem Verfahren LG Köln 14 O 245/11 beeindruckte:

Der durchschnittliche Wert einer Meile beträgt danach 0,78 Cent.

Tatsächlich war das der Wert 2010, für 2011 betrug der Bilanzwert 0,80 Cent. Diese Erhöhung im Vergleich zu 2010 hatte mich auch schon verwundert, denn in Anbetracht der effektiven Abwertung war sie nicht zu erwarten.

Meilenkauf

Der einzig konkrete Wert in den Stellungnahme der Verwaltung sind die Angaben zum Meilenverkauf: 0,5% aller Meilen seien gekauft worden. Das sind rund 1 Milliarde Meilen. Die würden zum Kaufpreis bilanziert, der liegt im günstigsten Fall bei 2,42 Cent. Das bedeutet, daß diese Kaufmeilen mit 24 Millionen € zu Buche stehen. Das sind 1,5% des insgesamt bilanzierten Wertes von Meilen.

Schon komisch: 0,5% aller Meilen machen 1,5% des Bilanzwertes aller Meilen aus. Wie erklärt das der Vorstand?

Fazit zur Bilanzierung der Meilen

Die Argumentation der Verwaltung ist widersprüchlich und ohne konkrete Angaben nicht nachvollziehbar. Ich kann daher nur empfehlen, dem Vorstand etwas gründlicheres Arbeiten aufzugeben. Um ihm dazu die Gelegenheit zu geben, bleibe ich bei meinem Vorschlag, die Entlastung zu vertagen.

Abwertung

Kundenabwanderung

Zur Kundenabwanderung wäre statt schwammiger Argumente durch die Verwaltung ein klarer Nachweis zu führen. Mir sind zahlreiche HON-Circle-Mitglieder und Senatoren bekannt, die aufgrund der Abwertung ihr Flugverhalten geändert haben, einige sogar so radikal, daß sie bei Lufthansa gar nicht mehr buchen.

So schrieb mir ein HON-Circle-Mitglied zufälliger Weise gerade gestern:

Ich habe mich deshalb zum ersten mal nach Alternativen zur LH umgeschaut. Danke Lufthansa! Ich habe für meine geplanten Flüge schnell Alternativen gefunden. Alternativen mit ähnlich guten Abflugzeiten und Flugzeiten, jedoch mit wesentlich modernerer Flach-Bestuhlung [in der Business-Class, statt der Lufthansa-„Rutsche“, Anm. T.E.] und das auch noch zu ca. 25% günstigeren Preisen. […] Ich glaube über 30 Jahre Lufthansa gehen jetzt unweigerlich für immer zu Ende.

Für mich klingt das nach Abwanderung eines langjährigen HON-Circle-Mitglieds. Herr Dr. Franz, was können Sie da herauslesen?

Mir liegt ein Stapel inhaltlich sehr gut vergleichbarer weiterer Schreiben von anderen HON-Circle-Mitgliedern vor, sowohl an den HON Circle-Kundenmonolog als auch an Sie persönlich, Herr Dr. Franz.

Ich lese da immer nur Abwanderung.

Wenn sich übrigens nur wenige Kunden beschweren würden, warum gibt es dann schon Textbausteine für den Kundenmonolog zu meinem Verfahren? Lohnt sich das bei wenigen Beschwerden?

Herr Dr. Franz, liefern Sie Zahlen. Liefern Sie Strecken und das Buchungsverhalten Ihrer HONs und Senatoren. Und kein „Blabla“. Sie werden mir immer wieder als Zahlenmensch beschrieben, also sollten Sie die doch auch liefern können.

Strafanzeige

Es ist übrigens, aber das sollte Lufthansa eigentlich auch wissen, gar nicht so ungewöhnlich, daß derjenige, gegen den ermittelt wird, nicht weiß, daß gegen ihn ermittelt wird. Außer möglicher Weise aus der Presse. Das soll verhindern, das Beweismittel verloren gehen.

Die Strafanzeige fußt auf einer E-Mail, die Lufthansa schwer belastet. Denn in dieser E-Mail wurden Mitarbeiter angewiesen, die Kunden bewußt und vorsätzlich nicht über die Änderung bei den Flugprämien zu informieren.

Ich stimme sogar der Verwaltung zu, daß nicht absehbar ist, ob Lufthansa tatsächlich wegen Betrugs, so meine Anzeige, oder Untreue, so eine weitere, mir vorliegende Anzeige, verurteilt wird. Diese Entscheidung obliegt einem Gericht und nicht mir.

Genau deswegen beantrage ich ja auch, die Entlastung bis zum Abschluß des Strafverfahrens zu vertagen. Würden wir Aktionäre den Vorstand für eine mögliche Straftat jetzt die Entlastung gewähren, würden wir strafbares Verhalten billigen. Das kann ich nicht.

Nach Abschluß des Strafverfahrens ist die Frage der Straftat geklärt. Daher eben die Vertagung und nicht die Verweigerung der Entlastung.

Entwertung im Interesse der Aktionäre

Die E-Mail belegt, daß es de facto gar keine Übergangszeit gab und das auch so gewollt war.

Und genau gegen diese Nicht-Kommunikation bei gleichzeitig keiner Übergangszeit wendet sich auch meine Zivil-Klage. Und übrigens auch mein Blog, das ich bei weitem nicht als „allgemeine Beschwerdeseite“ titulieren würde.

Lufthansa behauptet, die Entwertung sei im Interesse der Aktionäre erfolgt. Und unterstellt damit den Aktionären kurzfristiges, rücksichtsloses Gewinndenken. Das Interesse der Aktionäre zielt aber auf einen langfristigen Profit der Gesellschaft. Die durchgeführte Entwertung hat, durch ihre kundenfeindliche Umsetzung, zwar kurzfristige Spareffekte, aber eine langfristige Kundenabwanderung zur Folge. Verärgerte Kunden kehren kaum mehr zurück, eine Re-Akquise ist teuer.

Ein vernünftiger Umgang mit den Kunden, eine angemessene Kommunikation der Änderung und eine sinnvolle Übergangsfrist hätten nicht diesen öffentlichen Aufschrei und Verärgerung erzeugt. Die entstandene negative Presse ist nicht im Interesse der Aktionäre, denn durch sie erst wurde vielen Kunden die Veränderung bewußt und der Abwanderungseffekt verstärkt.

Durch die Presseberichte erst wurde auch die besagte E-Mail „ausgegraben“. Durch sie erst wurde der Lufthansa-Vorstand in Zusammenhang mit einer Straftat gebracht.

Im Interesse der Aktionäre wäre eine Entwertung gewesen, die fair und anständig, mithin kunden- und ruferhaltend abgelaufen wäre.

Der vorliegende Fall ist jedoch ein erheblicher Managementfehler.

Managementfehler sind nicht im Interesse der Aktionäre.

Fazit

Die Argumentation der Verwaltung gegen meinen Gegenantrag überzeugt nicht.

Ganz im Gegenteil, sie wirft neue Fragen auf, die den Gegenantrag noch notwendiger erscheinen lassen. Und sie bestätigt, daß der Vorstand seine Fehlentscheidungen nicht erkennt.

Ich bleibe daher dabei, bis zur Klärung der offenen Fragen die Entlastung zu vertagen.

Zusammenfassung Bilanzwert

Die Diskussion um den Bilanzwert ist aufgekommen, weil Lufthansa im Verfahren LG Köln 14 O 245 / 11 (das ist nicht mein Verfahren) den Meilenwert selbst mit 2,77 €-Cent angegeben hat. Das steht so in dem Urteil, das mir vorliegt.

Außerdem fiel mir auf, daß obwohl die Meilen entwertet wurden, der Bilanzwert gestiegen ist. Das ist unlogisch, denn wenn mehr Meilen für einen Flug nötig sind, müßte der Bilanzwert eigentlich sinken.

Diese Unklarheiten führten zu zwei Gegenanträgen für die Hauptversammlung am 8.5.2012 in Köln. In einem schlägt Peter Dietrich vor, den Wirtschaftsprüfer zu wechseln, weil er Betriebsblindheit vermutet, im zweiten beantrage ich, die Entlastung des Vorstandes unter anderem wegen der unklaren Bilanzierung zu vertagen.

Natürlich kann es auch Argumente geben, über die sich der Bilanzwert schlüssig erklären lässt. So könnten sich die Anwälte der Lufthansa bezüglich des Meilenwertes in dem Verfahren getäuscht haben, aber auch das müßte der Vorstand belegen und so möglicher Weise dem Kläger in LG Köln 14 O 245/11 neue Argumente liefern.

Möglicher Weise ist auch der Bilanzwert von Meilen trotz Entwertung noch weiter gestiegen, weil man bisher zu niedrig bilanziert hat und diesen Fehler beheben wollte. Aber auch dieses Geständnis müßte der Vorstand machen.

Eine Zusammenfassung der Fragen, zunächst grundlegender Natur:

  1. Warum werden im Jahresbericht nur Meilen für Flugprämien und nicht auch für WorldShop und Upgrades ausgewiesen?
  2. Weshalb sind Upgradevoucher in der Bilanz nicht aufgeführt?
    1. Welche Anzahl von Upgradevouchern war am Jahresende 2011 nicht eingelöst?
    2. Mit welchem Wertansatz werden diese Upgradevoucher wo bilanziert?
  3. Wie erklärt sich der höhere Bilanzwert pro Meile 2011 im Vergleich zu 2010, obwohl eine Entwertung der Meilen stattgefunden hat?
  4. Wieviele Meilen werden im Schnitt pro Jahr erfolgen und in Prämien umgesetzt?
  5. Welcher Anteil der Meilen verfällt?
  6. Welcher Anteil der Meilen wird im WorldShop umgesetzt?
    1. Welcher Wert für eine Meile im WorldShop in der Bilanz angenommen?
  7. Welcher Anteil der Meilen wird für Upgrades genutzt?
    1. Welcher Anteil der Upgrades erfolgt auf Konzern-Airline-Flügen und welcher auf StarAlliance-Partner-Flügen?
    2. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit Konzern-Airlines?
    3. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit StarAlliance-Partner-Airlines?
  8. Welcher Anteil der Meilen wird für Prämienflüge eingesetzt?
    1. Welcher Anteil der Prämienflüge erfolgt auf Konzern-Airlines, welcher auf StarAlliance-Partnern?
    2. Wie werden intern Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
    3. Wie werden auf Partner-Airlines Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?

Jetzt heißt es nur noch: Zahlen einsetzen und zusammenrechnen. Fertig ist der korrekte Bilanzwert.

Für die zukünftige Strategie bezüglich Miles&More frage ich mich:

  1. Welcher Anteil der Meilen wird über Flüge generiert?
  2. Welcher Anteil der Meilen entsteht durch Promotions und Nicht-Airline-Partner?
  3. Hat sich eine Verschiebung dieser Anteile über die letzten Jahre ergeben?
  4. Sollte sich eine Verschiebung des Meilenerwerbs zu Nicht-Airline-Partnern ergeben haben, hat das Auswirkungen auf die Award-Verfügbarkeit für „fliegende“ Miles&More-Kunden, insbesondere für Statuskunden?
  5. Gibt Lufthansa ihren Stammkunden ein Leistungsversprechen bezüglich einer Mindestzahl verfügbarer Award-Plätze pro Flug oder ist ein solches Versprechen geplant?

Die Frage nach der Zukunft von Miles&More ergibt sich, weil Dr. Franz auf der DLD in München, auf der er ja auch behauptete, Kundenloyalität sei ein ein Hauptziel, erklärte, er wolle Miles&More als Loyalitätsprogramm nutzen und nicht in ein eigenes Unternehmen à la Payback überführen. Das habe nach seinen Worten AirCanada mit deren Meilenprogramm getan.

Die Fragen habe ich heute auch per Fax an Lufthansa Investor Relations übermittelt. Im Interesse einer zügigen und klaren Beantwortung hoffe ich, daß Lufthansa diese Chance zur Vorbereitung auch nutzt und damit die Diskussion sachlich und konkret abläuft.

Stephan Gemkow verlässt Lufthansa

Stephan Gemkow, bisher Finanzvorstand der Lufthansa, soll bei Haniel anfangen. Das berichtet heute unter anderem das Manager Magazin.

Als Finanzvorstand ist er auch derjenige, der für die Bilanzierung der Meilen verantwortlich ist, die ja gerade Gegenstand des Gegenantrags von Herrn Peter Dietrich und meines Gegenantrages für die Hauptversammlung ist. Gestern hatte wegen einer möglichen Fehlbilanzierung auch eine Kanzlei Strafanzeige gestellt, die einige Rechenfehler enthielt.

Ich bin mal gespannt, ob er uns auf der Hauptversammlung in zwei Wochen noch Auskunft gibt oder schon fort ist.

Bilanzwert von Upgrades

Außer im WorldShop lassen sich Meilen auch für Upgrades einsetzen. Dazu gibt es für Upgrades zunächst für die Kunden komplexe Regeln: Upgrades sind in der Regel von den billigsten Buchungsklassen nicht möglich, es muß ein höherpreisiges „upgradefähiges“ Ticket gekauft werden. Das kann für den Kunden sogar teurer sein, als ein reines Meilenticket. Ich habe das mal für Upgrades aus Economy in die Business und Business in die First vorgerechnet. Dabei ist bei einem reinen Meilenticket die Buchungsklasse garantiert, bei einem Upgrade erfolgt die Bestätigung meist erst kurz vor dem Flug, seltene Ausnahmen gerade für HON Circle-Mitglieder bestätigen die Regel.

Doch hier soll es um die Bilanzdarstellung von Upgrades gehen, nicht um den Wert für den Kunden. Doch das ist gar nicht so einfach. Während sich für den reinen Meilenflug ein Gegenwert bestimmen lässt, ist das für Upgrades wesentlich umständlicher.

Denn welche Kosten sind für die Airline mit Upgrades verbunden? Ein teures Economy-Ticket kostet fast genauso viel wie ein billiges Business-Ticket.

Da die Upgrades erst kurz vor dem Flug zugesagt werden, hat die Airline eine relativ verlässliche Schätzung, ob die verbliebenen, für Upgrades genutzten Business- oder First-Plätze verkauft werden könnten. Ein Upgrade wird in der Regel nur dann gewährt, wenn ein Verkauf ausreichend unwahrscheinlich erscheint. Das wiederum heißt, für das Upgrade gibt es keinen Einnahmenverlust.

Auf der anderen Seite entstehen durch das Upgrade auch überschaubare Zusatzkosten: Die Beladung des Flugzeuges ändert sich nicht, da der Passagier nur innerhalb der Maschine umgesetzt wird, der Treibstoffverbrauch bleibt also konstant. Es wird lediglich eine bessere Verpflegung und möglicher Weise ein geringfügig besserer Bodenservice gewährt. Das ist anders bei einem Prämienticket, bei dem ein zusätzlicher Passagier befördert und versorgt werden muß.

Das heißt, das Upgrade ist möglicher Weise für Lufthansa fast noch günstiger, als die Meilen im WorldShop zu verbrennen. Denn so reduziert sich der Meilenberg für kaum meßbare Zusatzkosten.

Damit wäre für eine Upgrade-Meile ein Bilanzwert von 0 € vorzusehen, sofern sie auf Konzernairlines verflogen wird.

Für die Theorie spricht auch, daß ich auch in der Bilanz für die Upgrade-Voucher, die Senatoren und HON-Circle-Mitglieder zur Statusverlängerung erhalten, keinerlei Gegenwerte entdecken konnte. Allerdings gelten diese Voucher nur auf Konzernairlines, nicht bei StarAlliance-Partnern.

Grob geschätzt dürfte die Zahl der pro Jahr vergebenen Upgradevoucher für die ca. 180.000 Senatoren (im Schnitt einer pro Jahr) und 8.000 HON-Circle-Mitglieder (im Schnitt 3 pro Jahr) bei ca. 200.000 liegen. Für ein Langstrecken-Upgrade, denn auf der Kurzstrecke in der Neuen Europakabine wird wohl kein vernünftiger Mensch ein Upgrade zahlen, sind zwei Voucher erforderlich. Das gleiche Upgrade wäre für im Mittel ca. 50.000 Meilen zu erhalten, so daß die pro Jahr verteilten Voucher etwa 5 Milliarden Meilen entsprechen. Davon werden sicher einige, dank der neuen Verfallsregel, verfallen und andere sofort aufgebraucht. Im Vergleich zu den 201 Milliarden bilanzierten Meilen haben die Voucher also einen sehr kleinen Anteil. Das könnte erklären, warum sie im Jahresbericht nicht erwähnt sind.

Entweder sind die Upgradevoucher also ein weiterer systematischer Bilanzierungsfehler, weshalb Herr Dietrich vorschlägt, den Wirtschaftsprüfer zu wechseln und ich beantrage, die Entscheidung über die Entlastung des Vorstandes zu vertagen, oder Lufthansa hat wirklich einen Dreh gefunden, dem Kunden einen Mehrwert zu suggerieren und gleichzeitig keine Kosten zu haben.

Gegen die „kostenlos-Theorie“ spricht allerdings, daß Meilenupgrades zumindest theoretisch auch bei Allianz-Partnern möglich sind. Mir liegen zwar durchaus gegenteilige Berichte von Lesern vor, auch ich hatte schon erhebliche Schwierigkeiten, dort Upgrades einzulösen, aber die Möglichkeit besteht. Und die dann entstehenden Kosten sind plan- und damit bilanzierbar.

Gegen die Kostenneutralitätstheorie spricht auch, daß verschiedene Airlines Upgrades beim Check-In gegen Aufzahlung ermöglichen. Häufig ist dann zwar der Aufzahlbetrag niedriger als die Differenz der Ticketpreise, liegt aber nach meinen Recherchen in der Regel zwischen 300 und 900 US$. Wenn dieser Betrag nicht nur symbolisch ist, um den Platz- und Komfortgewinn zu symbolisieren, sondern auch im Ansatz den Mehrkosten der Airline entspricht, dann könnte das als Berechnungsgrundlage dienen.

Weiterhin gibt der Jahresbericht an, Meilen zu dem Preis zu bilanzieren, zu dem ein Ticket gekauft werden könnte. Also müßte mindestens die Preisdifferenz eines durchschnittlichen Economy-Tickets zu Business-Ticket bzw. Business- auf First-Ticket für die Bewertung von Upgrademeilen angesetzt werden.

Zu guter Letzt müßte, wären Upgrades wirklich so billig, am Check-In deutlich für Upgrades geworben werden, so wie das teilweise SAS macht: Denn an einer Auflösung zu hoch bewerteter Rückstellungen müßte Lufthansa ein hohes Interesse haben.

Damit ergeben sich für die Hauptversammlung die folgenden Fragen:

  1. Weshalb sind Upgradevoucher in der Bilanz nicht aufgeführt?
  2. Welche Anzahl von Upgradevouchern war am Jahresende 2011 nicht eingelöst?
  3. Mit welchem Wertansatz werden diese Upgradevoucher wo bilanziert?
  4. Welchen Anteil haben Upgrades am Gesamtmeilenverbrauch?
  5. Welcher Anteil der Upgrades erfolgt auf Konzern-Airline-Flügen und welcher auf StarAlliance-Partner-Flügen?
  6. Welche Kosten entstehen für ein Upgrade auf Flügen mit Konzern-Airlines und StarAlliance-Partnern?

Aus den Antworten lässt sich dann der Bilanzwert ermitteln und außerdem die Frage der korrekten Bilanzierung von Upgradevouchern beantworten. Beides ist nötig, um über den Gegenantrag von Herrn Dietrich und meinen Gegenantrag entscheiden zu können.

Bilanzwert: WorldShop-Meilen

Die Bilanzierung der Meilen ist viel diskutiert, mit dem Ergebnis, das sich so nur auf bairisch zusammenfassen lässt: Nix genaues woas ma ned.

Woran liegt das? Lufthansa hat bislang Auskunft zu allen Fragen zum Bilanzwert einer Meile verweigert. Der setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen, so daß jede Rechnung an vielen Schätzwerten hängt: Den voraussichtlich verfallenden Meilen, dem Bilanzwert einer Meile im WorldShop, beim Upgrade oder bei der Flugbuchung.

Ich werde jetzt in einigen Artikeln – für einen wäre es zu viel – versuchen, die verschiedenen Anteil zu ergründen und mögliche Rechenansätze zu zeigen. Der Lufthansa-Vorstand muß dann noch auf der Hauptversammlung verraten, welcher davon korrekt ist und welchen Anteil jeder Bestandteil am Gesamtwert hat.

Der einfachste Fall sind voraussichtlich verfallende Meilen, die verursachen keine Kosten, sie lassen sich mit einem Wert von 0 € bilanzieren.

Dem Wortlaut der Erläuterungen auf S. 158 des aktuellen Jahresberichts nach werden WorldShop-Meilen gar nicht bilanziert. Dort ist nur die Rede von verfallenden und zu verfliegenden Meilen bei Konzern- und Fremdairlines. Vermutlich einfach eine kleine Ungenauigkeit, aber vielleicht auch der Hinweis, daß im WorldShop mit den Meilen nicht so viel Umsatz gemacht wird, daß er für die Bilanz auch nur im Ansatz relevant wäre.

Allerdings lässt sich ihr Wert leicht bestimmen: Er ergibt sich aus dem Einkaufspreis der Waren für Lufthansa zuzüglich der umgelegten Kosten. Das lässt sich auch für Außenstehende mit einem Abschlag für die aus dem Wert einer WorldShop-Meile aus Kundensicht abschätzen. Damit dürfte der Bilanzwert bei ca. 0,27 – 0,30 €-Cent / Meile liegen.

Damit ergeben sich für die Hauptversammlung folgende Fragen:

  1. Warum werden im Jahresbericht nur Meilen für Flugprämien ausgewiesen?
  2. Welcher Anteil der Meilen verfällt?
  3. Welcher Anteil der Meilen wird im WorldShop umgesetzt?
  4. Welcher Wert für eine Meile im WorldShop in der Bilanz angenommen?

Die Fragen ermöglichen eine Prüfung des bilanzierten Wertes der Meilen und liefern damit entscheidungsrelevante Informationen für den Gegenantrag von Herrn Dietrich und meinen Gegenantrag.