Franz‘ Fehlannahmen

Auf der Hauptversammlung habe ich ja einige Fragen gestellt. Manche Antworten des Vorstandsvorsitzenden irritieren da schon einen kritisch denkenden. Da mittlerweile die Mitschriften der Lufthansa eingetroffen sind, kann ich sie daraus „verbürgt“ zitieren.

Es hat aus Sicht des Unternehmens gar keine Meilenentwertung stattgefunden.

Da sprechen die nackten Zahlen eine andere Sprache: Vergleich vorher / Nachher.

Und dann fing er an, dieses unerträgliche, markt- und realitätsferne Gerede von „One-Way ist billiger geworden„.

Sie fragten auch danach, wie viele Meilen im Schnitt pro Jahr erflogen und in Prämien umgesetzt werden. Was gibt es für einen Cashflow bei Meilen? – Technisch vollziehen wir – das ist vielleicht ganz wichtig – den Weg einer einzelnen Meile, wann sie an den Kunden geht und wann sie wieder zurückkommt und eingelöst wird, gar nicht nach. Wir können daher nicht sagen, wie viele der im Jahr erflogenen Meilen dann auch im gleichen Jahr zu Prämien umgesetzt werden und welcher Cashflow sich speziell daraus ergibt.

Das ist der Versuch, den Aktionär für hirntod zu verkaufen. Passt natürlich gut zur angeblichen Nicht-Entwertung, die 3,6 Milliarden € Schaden verursacht hat, aber ist inhaltlich sowas von hochnotpeinlich, daß es weh tut.

Entweder weiß Lufthansa, wieviele Meilen pro Jahr verdient und ausgegeben werden, oder das gesamte Geschäftsmodell von Miles&More ist Glücksspiel.

Dann noch die Frage, wie intern Meilentickets in Economy, Business und First Class verrechnet werden. Dazu die Antwort, daß die Meilen im Grundsatz gemäß dem aktuellen IFRIC-13 Bilanzwert von 0,78 €-Cent verrechnet werden.

Wer schon jemals einen Taschenrechner richtig herum in die Hand nehmen konnte, weiß, daß bei einem Meilenwert im WorldShop und bei Upgrades jeweils deutlich unter 0,78 €-Cent und einem Gesamtmittelwert der bilanzierten Meilen, inklusive Verfall, von 0,80 €-Cent, nie im Leben der Mittelwert für Flugprämien bei 0,80 €-Cent liegen kann.

Er muß darüber liegen.

Also ist die Antwort auch falsch.

Herr Dr. Franz, da ernennen Sie mich bei gleicher Gelegenheit zum Experten, um dann zu versuchen, Ihre Aktionäre, Kreditgeber und mich mit solch dahergeredeten, entschuldigen Sie die Deutlichkeit, Unfug abspeisen zu wollen?

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Kundenschaden durch Meilenentwertung 3,6 Milliarden Euro?

Die Lufthansa hat die Meilen entwertet, klammheimlich. Warum so heimlich, frage ich mich, die nächsten Verschlechterungen bei Miles&More und für den HON-Circle insbesondere werden ja nach und nach etwas öffentlicher kommuniziert.

Zwar kollidieren Urteilstermin in meinem Verfahren vor dem LG Köln und interner Mitteilungstermin der Verschlechterungen, so daß zu vermuten wäre, sie hätten was aus dem Urteil gelernt. Doch das wäre einerseits viel zu flink für den zähen Konzern, der nicht nur in meinem Verfahren sondern auch sonst lange auf Antworten warten lässt.

Andererseits war Lufthansa am Entscheidungsverkündungstermin nicht dabei, weshalb das Urteil ja erst noch abgewartet werden mußte. Selbst jetzt ist Lufthansa noch mit der Prüfung des Urteils beschäftigt, weshalb anderen Kunden noch keine Auskunft gegeben werden kann.

Also muß die Heimlichkeit einen anderen Grund haben. Aus meiner Sicht bleibt da nur schlechtes Gewissen wegen des massiven Schadens für die Kunden. Ich habe es vorgerechnet, 1,8 €-Cent weniger Wert pro Meile bei First Class Flügen.

Handeln alle Kunden ökonomisch, also nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip, dann würden alle Kunden für Meilen First Class fliegen, denn WorldShop, FlyNet oder Economy-Flüge auf Meilen sind Geldverschwendung. Kein Wunder, daß deren Anwälte mir im Verfahren immer vorschlugen, doch meine Meilen im WorldShop zu verpulvern.

Lufthansa schrieb im Geschäftsbericht, daß die Kunden am 31.12.2010 198 Milliarden Meilen gesammelt und noch nicht eingelöst hätten. Hätten diese Kunden vorgehabt, diese Meilen alle in der First Class zu verfliegen, beträgt der Gesamtschaden runde 3,6 Milliarden Euro.

Dem lässt sich entgegenhalten, daß es unrealitisch sei, daß alle Kunden First fliegen, denn es gibt maximal 8 First-Plätze pro Maschine, und Lufthansa würde über die Buchungssteuerung nicht alle für Meilentickets freigeben. Manche Leser schrieben mir sogar, es gäbe gar keine Prämienverfügbarkeit in der First mehr, sie würden seit Monaten versuchen, Tickets zu bekommen. Gibt es hier jetzt etwa auch Dr. Franz Schweizer Fiasko Miles&Less? Ich werde mal recherchieren, Lufthansa hat ja schon vorgesorgt.

Aber selbst in der Business beträgt der mittlere Schaden pro Meile nach meiner Rechnung 0,63 €-Cent, das ergibt immer noch einen Gesamtschaden von 1,2 Milliarden Euro.

Die mittlere Entwertung über alle von mir ausgewerteten Business und First Class Strecken unter Berücksichtung von Steuern und Gebühren sind 0,98 €-Cent. Allein dieser Verlust ist etwa dreimal so hoch, wie der Gegenwert einer Meile im WorldShop. Und summiert sich über alle 198 Milliarden Meilen zu insgesamt 1,9 Milliarden Euro.

Bei den Summen würde ich auch lieber ganz leise sein und hoffen nicht erwischt zu werden. Zumal, wenn ich behaupten würde, Loyalität zu den Kunden sei mir wichtig. Umso unerklärlicher, daß Lufthansa sich nicht außergerichtlich vergleichen wollte.