Gewinn pro Flugmeile und Passagier

Manchmal lohnen sich ungewöhnliche Blickwinkel. Das Lufthansa pro Passagier an einem Flug den Gegenwert eines Cappuccino oder einer Leberkässemmel verdient, wohingegen Swiss sich ein leckeres Mittagessen im Restaurant davon gönnen kann, ist bekannt.

Weil ich ja der „Meilenexperte“ bin, interessiert mich nun: Wieviel operativen Gewinn macht Lufthansa Passage Airlines und die beiden Hauptgewinnbringer zur Zeit, Lufthansa und die Swiss, pro verkaufter „Sitzmeile“, also pro Sitz und Flugmeile?

Lufthansa Passage Airlines Lufthansa Swiss
operativer Gewinn 349.000.000 € 169.000.000 € 259.000.000 €
Sitzkilometer 200.376.000.000 141.038.000.000 31.606.000.000
Sitzmeilen 108.194.000.000 76.154.000.000 17.066.000.000
Gewinn / Sitzmeile 0,0032 € 0,0022 € 0,0152 €

Unter der Annahme, das pro Entfernungsmeile grob eine Bonusmeile gutgeschrieben wird – dabei nehme ich an, daß sich die Effekte aus Billigklassen gegenüber der Business und First kompensieren – stellt Lufthansa fast das Vierfache des Gewinnes pro Sitzmeile für Miles&More-Meilen zurück.

Ich gehe zwar davon aus, daß nicht jeder Passagier für seine Flüge Meilen bekommt, so daß sich das Verhältnis sicherlich deutlich verbessert, aber die Erkenntnis ist:

Miles&More ist ein nicht unbedeutender Kostenfaktor für Lufthansa.

Und warum gönnt sich Lufthansa trotzdem Miles&More? Weil es ein Umsatzbringer ist. Um nicht immer Herrn Eskenazy zu zitieren, auch wenn er treffend im Spiegel 02/2012 meinte, daß die Kunden Lufthansa nur noch wegen Miles&More „die Bude einrennen“ würden, hier ein Bericht aus dem Spiegel 39/2000 „Legale Bestechung“. Der den moral hazzard der loyalen Kunden gut auf den Punkt bringt.

Und schon damals galt: Miles&More generiert Kunden und Umsatz.

Und die Kuh schlachten Sie jetzt durch Meilenentwertung und neue Verschlechterungen, Herr Dr. Franz?

Sie reduzieren ausgerechnet die Meilengutschrift in der Business Class, in der die Kunden etwas mehr als eine Tasse Milchkaffee zum Unternehmensgewinn beisteuern? In denen Sie aber immer noch das inferiore Produkt haben?

Nachvollziehbar ist das nicht.

Neue Business-Class unbequem?

Lufthansa hat die neue Business Class auf der ITB dieses Jahr vorgestellt. Einbauen wird Lufthansa sie in der neuen 747-8i, von der dieses Jahr fünf Maschinen in Dienst gehen sollen, sowie in den drei A330, die dieses Jahr noch ausgeliefert werden sollen. Die Bestandsmaschinen bekommen sie ab Beginn des Winterflugplans nach und nach.

Ich sehe noch die Gestik von Dr. Franz auf der Hauptversammlung vor mir, mit der er unterstrich, daß diese neue Business Class besonders komfortabel sein soll. Immer wieder strich er mit zwei Händen waagerecht durch die Luft, um zu zeigen, daß der Sitz wirklich flach ist.

Meiner Meinung nach war es ja höchste Eisenbahn, endlich einen flachen Sitz nachzurüsten, um überhaupt noch mit dem Wettbewerb Schritt halten zu können.

Doch schon meldet sich bei mir der erste Leser, der das aus seiner Sicht fragliche Glück hatte, auf einem der Testflüge mit der neuen Business Class dabeigewesen zu sein.

Im Zeitraum von Ende August 2010 bis Ende Oktober 2010 hat Lufthansa nämlich in der 1999 in Dienst gestellten 747-400 D-ABVW, getauft „Wolfsburg“, 21 „alte“ Business Class Sitze gegen 12 Prototypen der neuen Lie-Flat-Business getauscht. Die Maschine flog die Strecke Frankfurt – New York als LH400 und LH401.

Die Sitze waren zwischen den beiden Türen eingebaut und mit extra installierten Vorhängen von der restlichen Business Class getrennt worden. Die Flugbegleiter hatten den Auftrag zu verhindern, daß andere Passagiere in dieses „Unterabteil“ kommen und auch, daß die Passagiere die neuen Sitze fotographieren.

Insgesamt war der Test als vertraulich eingestuft, es sollten auch am Boden oder beim Boarden keine Hinweise an die anderen Passagiere erfolgen, daß die neuen Sitze an Bord sind.

Mittlerweile ist die Maschine wieder zurückgerüstet und hat wieder die volle, alte Business-Kapazität.

Die Sitze sollten an ausgewählte Kunden vergeben werden, die dann ein Feedback geben sollten. Der Fokus lag auf der technischen Zuverlässigkeit und dem Sitzkomfort.

Mein Leser war so ein ausgewählter Kunde. Als er angerufen und gefragt wurde, war seine Reaktion für die Testteilnahme so lakonisch, daß klar ist, er ist Lufthansa Stammkunde: „Es kann nicht schlechter sein, als auf der ‚Rutsche'“.

Und sein Fazit war vernichtend:

Der Sitzkomfort war unterirdisch, die Liegefläche war zwar gerade, aber leider uneben und im Kopfbereich gab es harte Übergänge. Nach ein paar Stunden Schlaf hatte ich starke Nackenschmerzen. Die Schale um das Kopfteil war so eng, daß man sich eingesperrt vorkam, sowie für meine Schultern zu eng. Mit knapp 2m Körpergröße bin ich nicht klein und konnte mich leider nicht auf den Rücken legen und mußte mit angewinkelten Beinen schlafen.

Immerhin kann man wohl sehr schön mit seiner Begleitung „fußeln“, blöd nur, wenn das nicht der „significant other“ ist, sondern Kollege, Chef oder Fremder.

Sein Feedback, habe ihm ein Flugbegleiter übrigens auf dem Flug rückgemeldet, wäre so von vielen Kunden gegeben worden.

So richtig vom Kunden scheint das neue Produkt nicht gedacht zu sein, wenn ich mir das anhöre. Das neue Aushängeschild der Lufthansa wiegt zwar weniger als der Sitz vorher, aber „bequem“ stand wohl eher weiter unten im Lastenheft.

Bliebt nur zu hoffen, daß die Erkenntnisse aus dem Test des Prototypen auch umgesetzt worden sind. Nur in Anbetracht der derzeitigen Kundendesorientierung der Lufthansa glaube ich nicht wirklich daran.

Wochenrückblick

Diese Woche habe ich einige Artikel weniger geschrieben als die letzte, schließlich war es auch eine kurze Woche mit Vater- und Fenstertag. Dennoch lohnt sich natürlich der traditionelle Wochenrückblick.

Zunächst gab es zum Verfahren eine wichtige Meldung, nämlich hat Lufthansa eine Fristverlängerung für die Berufung beantragt, die auch genehmigt wurde. Zum 19.06. müssen nun die neuen Anwälte der Lufthansa die Berufung begründen.

Mein bissiger Kommentar zur Vertragstreue und Loyalität, weil Lufthansa die Betreiber des Flughafens Berlin wegen der Verspätung auf Schadenersatz verklagen wollte, den Kunden aber keinen gewährt, führte zu vielen netten Kommentaren und lobenden E-Mails.

Ebenso dieser Artikel: Dr. Franz fördert Emirates

Etwas gemischter waren die Reaktionen auf meine offizielle Ernennung zum Experten für Miles&More durch Dr. Franz – einige Leser meinten, der Kommentar sei eine Unverschämtheit von Dr. Franz.

Wie schlecht die Stimmung der Lufthansa-Kunden und Miles&More-Mitglieder ist, dokumentierten die Spendenangebote, die mich erreichten. So ähnlich, wie neulich das neue Logo für meine Seite mit dem Motto: Bei Lufthansa ist der Lack längst ab.

Offensichtlich braucht der Lufthansa-Vorstand noch etwas Nachhilfe zu Reputation und Kundenbindung. Wie schön, daß ausgerechnet diese Woche dazu eine Studie erschien.

Lufthansa bekam die Woche auch die schon lange geforderte Staatshilfe, indem Emirates zusätzliche Landerechte versagt wurden.

Und dann ging es natürlich nochmal um die Bilanzierung und die Hauptversammlung:

Bilanzierung Upgradevoucher

Die Upgradevoucher würden natürlich bilanziert, man hätte sie nur in den textuellen Erläuterungen nicht erwähnt. Sie stünden mit 14 Millionen € in den sonstigen, kurzfristigen Rückstellungen. Deren Anzahl vergaß Dr. Franz zu beantworten. Das habe ich nochmal höflich nachgefragt, mal sehen, wann die Antwort kommt.

Ich hatte überschlagen, daß Lufthansa pro Jahr etwa 200.000 Voucher vergibt, die damit etwa 5 Milliarden Meilen entsprächen. Denn zwei Voucher entsprechen einem Interkontinentalupgrade, das etwa 50.000 Meilen kostet.

Viele Kunden, die ich kenne, haben diese Voucher gesammelt, ich nehme mal an, daß durchaus mehr als „ein Jahr“ in der Bilanz verpackt sein muß, zumal der Verfall der Voucher erst noch kommt.

Eine Verfallregel einzuführen, wenn die Kunden die Voucher freiwillig einlösen, wäre ja ziemlich unsinnig.

Vermutlich sind daher 400.000 bilanzierte Voucher eher noch zu niedrig geschätzt. Die entsprächen 10 Milliarden Meilen, die somit einen Wert von 0,14 €-Cent hätten. Ein Voucher hätte dann einen Wert von 35 €.

Damit folgt auch ein Schätzwert für den Bilanz-Wert einer Meile für ein Upgrade.

Konkrete Zahlen zu Miles&More

Dr. Franz mußte auf der Hauptversammlung in den sauren Apfel beißen und wenigstens ein paar Zahlen zu Miles&More preisgeben. Bei einigen war er etwas verstockt, weil er fürchtet, daß dadurch der Wettbewerb zu Informationen gelangen kann. Na ja, wenn er meint – bei der ein oder anderen könnte man sicher Gegenargumente vorbringen.

Für mich war besonders schön an den Zahlen: Meine bisherigen Schätzungen lagen recht dicht dran.

So habe ich zum Beispiel für die Schätzung des Meilenverfalls angenommen, daß zwischen 15 und 18 Millionen Kunden überhaupt ein nennenswertes Meilenkonto hätten.

Dr. Franz bestätigte, daß 75% der Kunden eine „Plastikkarte“ hätten, also irgendwann mal ein Konto mit mehr als 3.000 Meilen hatten. Das sind 15,75 Millionen Mitglieder.

25% der Kunden sind also inaktiv genug, um noch nicht einmal ein Kärtchen zu bekommen.

6% der Meilen wären vor dem Verfall gehemmt, weil die Kunden entweder Status oder die Kreditkarten hätten, ich hatte 5% geschätzt. Das bedeutet aber auch, daß meine Schätzung bezüglich der Anteile der Statuskunden relativ präzise sein dürften.

Wieviele Meilen konkret verfallen, wollte Dr. Franz nicht verraten. Das würde dem Wettbewerb helfen.

Außerdem weiß ich jetzt, daß ca. 25-30% der Meilen für den Kunden unwirtschaftlich im WorldShop sowie für Mietwägen, Hotelnächte und sonstiges umgesetzt werden, 15% mit konstanter Tendenz für Upgrades, die zu 95% auf Konzernairlines genutzt würden, und die restlichen 55-60% für Prämienflüge, von denen 90% auf Konzernairlines absolviert würden.

60% der Meilen würden noch über Flüge generiert, 20% über Promotions mit steigender Tendenz. Wo der Rest landet, ist mir noch unklar. Möglicher Weise über die Kreditkarte? Promotions ist auch unpräzise – zählt ein Abo dazu? Hier lohnen sich nochmal ein paar Fragen, nächstes Jahr dann wieder.

Die Meile sei bei Flügen mit 0,78 €-Cent nach IFRIC-13 bilanziert, sagte Dr. Franz. Ich vermute aber, da ist Lufthansa was durcheinander gegangen – in Anbetracht der WorldShop-Prämien, bei der Dr. Franz meinen Berechnungsansatz bestätigt hat, ist das unrealistisch.

Er konnte auch ein Mißverständnis in der Stellungnahme der Verwaltung zu meinem Gegenantrag aufklären: Die dort genannten gekauften Meilen wären Meilen, die an Partnerunternehmen zum Beispiel für Promotions und nicht an Miles&More-Mitglieder verkauft worden wären.

Deswegen wird deren Bilanzierung zwar nicht logischer, aber die Bewertung ist eine andere.

Interessanter Weise konnte er keine Angaben zum Meilen-Cash-Flow machen, da war die Aussage, daß man die einzelnen Meilen nicht nach Eingangs- und Ausgangszeitpunkt beobachte. Dabei hätte ja schon ausgereicht, die Meilenvergabe und -einlösung pro Jahr darzustellen, um die Frage zu beantworten.

Jetzt ist Dr. Franz sicher gespannt, was der frisch ernannte Experte mit diesen Daten macht?

Dr. Franz ernennt mich zum Experten

Herr Dr. Franz, zwischen der ganzen Kritik möchte ich mich bei Ihnen auch bedanken – für die Ernennung zum „Experten für Miles&More“. So „adelten“ Sie mich auf der Hauptversammlung in Ihren Antworten auf meine Fragen:

Sie als Experte für unser Meilensystem

Eigentlich wollte ich nie Experte dafür werden. Mein Dank gilt Ihnen, daß Sie meine Neugier geweckt haben. Wären Sie nicht starrköpfig an Ihrem Managementfehler hängen geblieben, mein Verfahren immer weiter in die Länge zu ziehen, ich hätte mich nie so für Miles&More interessiert.

Aber jetzt, wo Sie meine Expertise erkannt haben, wie wäre es, wenn Sie sich den Experten mal ins Boot holen? Und mit dem Rat eines von Ihnen anerkannten Experten die Probleme, die durch die ungeschickte und rechtswidrige Abwertung entstanden sind, zu lösen?

Wochenrückblick und Hauptversammlungszwischenbilanz

Diese Woche lohnt sich der Wochenrückblick – seit dem letzten sind insgesamt 21 Artikel neu dazugekommen. Das ist eine ganze Menge. Zumal ich am Dienstag, dem Tag der Hauptversammlung, gar nicht berichtet habe.

Und ich bin noch nicht fertig mit meinen Kommentaren und Berichten zur Hauptversammlung – da gibt es noch einiges. Ab Montag geht es mit den Zahlen und der Bilanzierung weiter. Da gibt es auch einige Neuigkeiten, darauf zielten ja meine Fragen für die Hauptversammlung auch ab.

Vor der Hauptversammlung veröffentlichte ich noch folgendes mit Bezug auf die Versammlung:

Natürlich blieb es bei Lufthansas mittlerweile gewohnt ungeschickter Kommunikation:

Lufthansa verstrickt sich vor der Hauptversammlung auch noch in Widersprüche:

Die wurden nach der Hauptversammlung nicht weniger:

So richtig profitabel ist Lufthansa im Konzernvergleich nicht:

Der Vorstandsvorsitzende erschien mir auf der Versammlung wenig überzeugend:

Ein ernsthaftes Verständnisse für die Probleme der Stammkunden, obwohl Dr. Franz es von den Mitarbeitern fordert, hat er immer noch nicht:

An der negierten Kundenabwanderung sind die anderen schuld – doch nicht man selbst:

Natürlich blieb auch die sonstige Kommunikation weiter ungeschickt:

In Sachen meines Verfahrens gab es zwei Erkenntnisse:

Und last but not least habe ich auch mal ein Auge auf die Verfügbarkeit von Prämienflügen geworfen. Natürlich exemplarisch.

Nicht nur der Artikel führte zu vielen interessanten Kommentaren sowohl hier als auch auf Facebook. Insgesamt hat diese Woche für mich spürbar die öffentliche Interaktivität der Seite zugenommen. Immer Kritik landet nicht mehr nur bei mir in der Mail, sondern wird öffentlich. Auch bei Twitter. Das freut mich.

Ich freue mich über Ihr Feedback, Ihre Hinweise auf weitere Probleme, auf Ihre Ideen, Gedanken – also mailen Sie mir gerne oder kommentieren Sie hier. Manches, das muß ich gestehen, bleibt auch mal länger liegen. Es kommt aber. Jetzt war mir, wegen der Aktualität, die Hauptversammlung und die Bilanzierung erstmal vorrangig. Im Laufe der nächsten Woche sollten dann auch wieder andere Themen kommen.

FlyNet sei Servicevorteil – wenn’s geht

Dr. Franz erklärte auf der Hauptversammlung, man wolle mit der neuen Business-Class und FlyNet bei den Kunden punkten. Gut, ohne die neue Business Class hätte es ja gar keine Chance bei den Kunden mehr gegeben.

Es gibt innovative Produkte, die Kunden fesseln – das iPhone, iPad oder eine Rückfahrkamera, Spurhalteassistent oder Kaffeevollautomaten und Nespresso. Und irgendwann sind die Innovationen dann Standard. Wer den nicht bieten kann, ist unten durch. Vor mehreren Jahren war ich in der Austrian Business begeistert, zwischen verschiedenen „echten“ Kaffees wählen zu dürfen, bis dahin gab es nur Filterkaffee. Wer heute noch Filterkaffee in der Business anbietet, wird wegen des schlechten Caterings belächelt.

So ist das auch mit den Sitzen. Ein Full-Flat-Business-Sitz, den gibt es beim Wettbewerb schon lange. Ich überlege gerade, in welcher Airline ich im letzten Jahr so schief lag wie bei Lufthansa. Mir fällt keine ein.

Den mußten Sie einbauen, Herr Dr. Franz, damit Ihre Lufthansa nicht den Bach runter geht. Gerade noch rechtzeitig.

Also keine Innovation, die sich großartig anpreisen lässt. Vielmehr eine nötige Reaktion.

FlyNet ist so ähnlich. Internet im Flieger zu höchsten Preisen. Nice to have. Aber ganz ehrlich – danach werde ich meine Airline nicht auswählen, zumal es jetzt schon zum Standard wird. Emirates zum Beispiel hat auch schon WLAN. Abgesehen davon, daß bei Lufthansa FlyNet auf den A380 und über China eh noch nicht läuft.

Der flache Sitz in der Business dagegen, der ist gerade bei Nachtflügen kaufentscheidend. Und der braucht noch einige Jahre. Die erste 747-8i hat ihn, die anderen Maschinen müssen umgerüstet werden. Das geht nicht von heute auf morgen.

Womöglich enttäuschen Sie sogar Kunden, weil sie den neuen, flachen Sitz versprechen – aber noch nur auf wenigen Routen anbieten. Genauso wie beim FlyNet im A380?

Ihre First-Class-Kunden finden es übrigens auch irritierend, für FlyNet noch im Flug zahlen zu müssen. Champagner inklusive, Netz kostet extra? Kleiner Tip: Schenken Sie beim Einsteigen den First-Kunden einfach einen 24-Stunden-Internet-Voucher. Kleine Geste, große Wirkung.

Strategie- und Mutlosigkeit im LH-Vorstand

Die Strategielosigkeit, das sich durch das Dorf treiben lassen, des Lufthansa Vorstandes habe ich schon angesprochen. Mein Verfahren ist ein hervorragendes Beispiel:

Da kommt ein Kunde und schafft es, massenweise verärgerte Kunden hinter sich zu versammeln. Und der Vorstand reagiert nicht. Noch viel schlimmer, er gibt das Heft doppelt aus der Hand:

Im Verfahren soll ein Gericht entscheiden, was gut für den Konzern ist. Und zu mir sagt Dr. Franz auf der Hauptversammlung, die schlechte Presse gegen Lufthansa, deren Reduktion hätte ich in der Hand.

Herr Dr. Franz: Sind Sie Manager, also Entscheider und Unternehmer – oder Aussitzer und Bedenkenträger?

Sie scheinen Ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Weber ja zu schätzen. Ein kleiner Vergleich:

Er hat auf der Hauptversammlung an einigen Stellen mutige und auch umstrittene Entscheidungen getroffen. Meinem Vorredner das Mikrofon abzustellen war mutig. Ob es korrekt war, ist eine andere Frage.

Noch mutiger war, später, als später ein weiterer Redner dieses Verhalten kritisierte, diesem Aktionär eine Lösung vorzuschlagen.

Dr. Weber hat entschieden, er hat ein Problem gelöst, er hat Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen. Er ist das Risiko von Fehlern eingegangen und hat sie nachher eingesehen und behoben.

Und das fehlt Ihnen in meinem Verfahren, Herr Dr. Franz. Sie haben operativ, nicht strategisch entschieden, die Meilenrückstellungen zu reduzieren, indem Sie die Meilen abwerten.

Sie haben den Fehler gemacht, die Übergangsfrist rücksichtslos viel zu kurz zu wählen und rückwirkend bestehende Meilenkonten zu entwerten. Gut, Fehler passieren.

Ich habe Sie auf den Fehler angesprochen. Ich habe gegen den Fehler geklagt. Das Gericht hat Ihnen gesagt, daß es ein Fehler war.

Das Ganze eskaliert weiter. Sie sehen tatenlos zu. Ja viel schlimmer noch, Sie trauen sich nicht zu entscheiden, sondern hoffen darauf, daß Ihnen ein Gericht diese Entscheidung abnimmt und bitten mich, weniger Kritik zu veröffentlichen.

Herr Dr. Franz, ein Vorstandsvorsitzender ist ein Unternehmer. Der Begriff sagt es schon: „Unternehmen Sie was!“.

Als Vorstandsvorsitzender eines DAX30-Unternehmens sollten Sie Entscheidungen treffen, nicht auf Gerichte und Berufungsurteile warten. Sie reklamieren in einem Schreiben an mich für sich die Hoheit der Entscheidungen über die Meilenkonten und dann verschanzen Sie sich hinter Gerichten.

Ihr Aufsichtsratsvorsitzender hat Ihnen auf der Hauptversammlung vorgemacht, wie man mit Fehlern umgehen und Probleme lösen kann.

Ich hätte auch einige Ideen, wie Sie Ihr Problem mit Ihren Kunden (und mir) lösen können. Ich biete Ihnen gerne an, daß wir uns auf einen Kaffee (oder ein Wasser, ich möchte die 2,56 €-Gewinn pro Fluggast nicht zu sehr schmälern) zusammensetzen. Spielen Sie den Ball. Mehr, als ihn Ihnen dauernd vor den Fuß zu legen, kann ich nicht.

Dr. Franz: Schlechte Presse: Könnte ich eindämmen

Herr Dr. Franz, da haben Sie ein rhetorisches Glanzstück auf der Hauptversammlung vollbracht. Da werfe ich Ihnen vor, Sie hätten durch Ihre Fehlentscheidungen in meinem Verfahren die umfassende, schlechte Presse über Lufthansa beflügelt. Allein den PR-Schaden abzuwenden hätte es schon sinnvoll gemacht, eine außergerichtliche Lösung zu suchen, so mein Vorwurf.

Und dann schießen Sie mir die kecke Retourkutsche, daß die schlechte Presse in meiner Hand läge.

Ja, Herr Dr. Franz. Da liegt sie möglicher Weise. Aber Sie verwechseln Ursache und Wirkung, so ähnlich wie Strategie und Taktik.

Wirkung ist die schlechte Presse, Wirkung ist meilenschwund.de und Wirkung ist die von Ihnen negierte Kundenabwanderung. Wirkung ist also der Imageschaden.

Natürlich könnte ich jetzt auf die Wirkung verzichten. Aber warum? Mein Ziel ist recht simpel: Eine vernünftige Lösung zum Thema Meilenentwertung. Da Sie unwillig sind zu verhandeln, bleibt nur der Klageweg. Das erste Urteil habe ich schon, der zweiten Instanz sehe ich in Anbetracht der kompromittierenden E-Mail sehr gelassen entgegen.

Die Ursache jedoch, die liegt bei Ihnen. Die Ursache ist Ihr rücksichtsloses Vorgehen bei der Meilenentwertung, Ihre demonstrative Illoyalität gegenüber den Stamm- und Statuskunden. Ich habe hier schon mehrfach geschrieben: Mit einer vernünftigen Übergangsfrist hätten Sie sich meine Klage nicht eingehandelt.

Ich halte nichts davon, auf Symptomen herumzutherapieren. Das Grundproblem muß gelöst werden.

Das Grundproblem, die rücksichtslose Meilenentwertung, das wollen Sie nicht lösen. Da verschließen Sie sich sogar einem Gespräch.

Wenn das Problem im Interesse der Kunden gelöst ist – worüber sollte ich dann noch bloggen? Worüber sollte dann noch die Presse berichten?

Herr Dr. Franz, der Ball ist in Ihrer Hälfte. Spielen Sie ihn – und entlasten Sie Ihre PR-Abteilung.