Kundenschaden durch Meilenentwertung 3,6 Milliarden Euro?

Die Lufthansa hat die Meilen entwertet, klammheimlich. Warum so heimlich, frage ich mich, die nächsten Verschlechterungen bei Miles&More und für den HON-Circle insbesondere werden ja nach und nach etwas öffentlicher kommuniziert.

Zwar kollidieren Urteilstermin in meinem Verfahren vor dem LG Köln und interner Mitteilungstermin der Verschlechterungen, so daß zu vermuten wäre, sie hätten was aus dem Urteil gelernt. Doch das wäre einerseits viel zu flink für den zähen Konzern, der nicht nur in meinem Verfahren sondern auch sonst lange auf Antworten warten lässt.

Andererseits war Lufthansa am Entscheidungsverkündungstermin nicht dabei, weshalb das Urteil ja erst noch abgewartet werden mußte. Selbst jetzt ist Lufthansa noch mit der Prüfung des Urteils beschäftigt, weshalb anderen Kunden noch keine Auskunft gegeben werden kann.

Also muß die Heimlichkeit einen anderen Grund haben. Aus meiner Sicht bleibt da nur schlechtes Gewissen wegen des massiven Schadens für die Kunden. Ich habe es vorgerechnet, 1,8 €-Cent weniger Wert pro Meile bei First Class Flügen.

Handeln alle Kunden ökonomisch, also nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip, dann würden alle Kunden für Meilen First Class fliegen, denn WorldShop, FlyNet oder Economy-Flüge auf Meilen sind Geldverschwendung. Kein Wunder, daß deren Anwälte mir im Verfahren immer vorschlugen, doch meine Meilen im WorldShop zu verpulvern.

Lufthansa schrieb im Geschäftsbericht, daß die Kunden am 31.12.2010 198 Milliarden Meilen gesammelt und noch nicht eingelöst hätten. Hätten diese Kunden vorgehabt, diese Meilen alle in der First Class zu verfliegen, beträgt der Gesamtschaden runde 3,6 Milliarden Euro.

Dem lässt sich entgegenhalten, daß es unrealitisch sei, daß alle Kunden First fliegen, denn es gibt maximal 8 First-Plätze pro Maschine, und Lufthansa würde über die Buchungssteuerung nicht alle für Meilentickets freigeben. Manche Leser schrieben mir sogar, es gäbe gar keine Prämienverfügbarkeit in der First mehr, sie würden seit Monaten versuchen, Tickets zu bekommen. Gibt es hier jetzt etwa auch Dr. Franz Schweizer Fiasko Miles&Less? Ich werde mal recherchieren, Lufthansa hat ja schon vorgesorgt.

Aber selbst in der Business beträgt der mittlere Schaden pro Meile nach meiner Rechnung 0,63 €-Cent, das ergibt immer noch einen Gesamtschaden von 1,2 Milliarden Euro.

Die mittlere Entwertung über alle von mir ausgewerteten Business und First Class Strecken unter Berücksichtung von Steuern und Gebühren sind 0,98 €-Cent. Allein dieser Verlust ist etwa dreimal so hoch, wie der Gegenwert einer Meile im WorldShop. Und summiert sich über alle 198 Milliarden Meilen zu insgesamt 1,9 Milliarden Euro.

Bei den Summen würde ich auch lieber ganz leise sein und hoffen nicht erwischt zu werden. Zumal, wenn ich behaupten würde, Loyalität zu den Kunden sei mir wichtig. Umso unerklärlicher, daß Lufthansa sich nicht außergerichtlich vergleichen wollte.

Neues von Miles&More

Mir liegt eine interne Information der Lufthansa an fast alle Abteilungen im Passagierkontakt außer Baggage Services vor, in der Änderungen am Miles&More-Programm kommuniziert werden, die ab dem 1.9.2012 gelten sollen.

In Deutschland soll endlich Gerechtigkeit einkehren, die Qualifikation zum Senator soll auf das überall sonst geltende Niveau von 100.000 Statusmeilen abgesenkt werden. Gleichzeitig werden Senatoren, die dieses Jahr mehr als 300.000 Statusmeilen erreichen im Rahmen einer Promotion mit zwei zusätzlichen Upgrade-Vouchern beschenkt, die dann allerdings, siehe unten, nicht mehr ganz so flexibel sind.

Zum Erreichen des HON-Status gelten ab 1.9.2012 nur noch Business- und First-Class-Tickets. Economy-Tickets, die bis 30.04.2012 gebucht sind, gelten auch für Flüge nach dem 1.9.2012 als HON-Meilen. Dabei klärt Lufthansa nicht, ob wie bisher nur HON-Meilen auf LH-Konzern-Fluglinien gesammelt werden können oder bei allen StarAlliance-Partnern.

Upgrades aus der Business in die First sollen weder mit Vouchern noch mit Meilen mehr möglich sein, wenn das Business-Ticket in der Buchungsklasse P ausgestellt ist und ab 1.9.2012 auch für die Buchungsklasse Z. Dabei wird auch für den Check-In-Agent die entsprechende Option deaktiviert, eine Kulanzentscheidung sollte damit auch nicht mehr möglich sein.

Im Einzelnen gibt es in der neuen Business-Buchungsklasse P bei der Lufthansa ab sofort auf innerdeutschen Flügen 500 Meilen, innereuropäischen 750 Meilen und interkontinental 100% der Entfernungsmeilen, jedoch minimal 500 Meilen. Das gleiche wird für Flüge von Austrian ab dem 16.5.2012 und Swiss ab 1.9.2012 gelten. Damit verdient diese Business-Buchungsklasse weniger Meilen als die Economy-Klassen B und Y.

Vom ersten September an wird auch die Business-Buchungsklasse Z meilentechnisch abgewertet, auf innerdeutschen Flügen gibt es nur noch 1000 Meilen, innereuropäisch 1250 Meilen und interkontinental 150% der Entfernungsmeilen, mit einem garantierten Minimum von 750 Meilen. Meilentechnisch entspricht diese Buchungsklasse dann den Economy-Klassen B und Y.

Angeblich sollen die Kunden ab heute informiert werden, intern verschickt wurde die Meldung schon seit dem 16.03., also ausgerechnet dem Tag, an dem ich mein Verfahren gewonnen haben.

Ich möchte die Änderungen noch nicht bewerten, die Mischung ist zu bunt.