Wochenrückblick

Die Woche wollte ich eigentlich über weitere „Meilenfragen“ berichten, doch dann kam der Streik – und so gibt es einen „bunten“ Wochenrückblick, gemischt aus meinen eigentlichen Kernthemen und meinen Streikbeiträgen. Wobei, das zeigen mir viele Reaktionen, die Ursachen des Streiks durchaus zu meinem eigentlichen Anliegen passen.

In Sachen Meilen habe ich zunächst meine „Jubiläumsartikelserie“, die ich anläßlich des 250. Beitrags begonnen habe, fortgeführt und damit komplettiert:

Dazu kam noch der aktuelle Business Class Werbespot, in dem Lufthansa wohl eher unfreiwillig demonstrierte, wie unbequem man dort liegt. Wieder so eine Kommunikationspanne.

Zum Streik der Flugbegleiter habe ich auch eine Meinung: Ich halte ihn für ausnahmsweise gerechtfertigt. Gerechtfertigt, weil er Symptom eines generellen Vertrauensverlustes gegenüber dem Lufthansa-Vorstand ist. Ein Vertrauensverlust, der sowohl Mitarbeiter als auch Kunden als auch Aktionäre als auch die Öffentlichkeit betrifft. Ja, sogar untereinander habe der Vorstand kein Vertrauen mehr, schrieb das Manager Magazin, man sei mit Machtkämpfen beschäftigt.

Es ist der erste Streik der Flugbegleiter, das ist etwas außergewöhnliches. Lufthansa Mitarbeiter waren eigentlich immer sehr loyal, wer bei Lufthansa arbeiten durfte, war stolz darauf. In vielen E-Mails, die ich „aus der Kabine“ erhalte, ist genau dieser Stolz Thema. Und das genau der mit den Füßen getreten würde.

Das Handelsblatt schreibt heute in der gedruckten Ausgabe, daß am 31.8.1992 der damalige Lufthansa Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratvorsitzende Dr. Jürgen Weber die Mitarbeiter um Zugeständnisse gebeten hat, die damals für die Erhaltung der Lufthansa auch gemacht wurden. Gehaltseinbußen für die Zukunft des Unternehmens hinzunehmen, zeigt, wie verbunden und loyal die Mitarbeiter sind.

Wahrscheinlich wäre in einem Gespräch auf Augenhöhe auch diesmal eine Lösung verhandelbar gewesen, denn die Lufthanseaten lieben ihre Lufthansa. Von Zweitfamilie und Herzblut ist die Rede.

Aber für Unterstützung der Mitarbeiter bedarf es mehr, als platte Zahlenmechanik und Sparzwang zu betonen. Dafür braucht es Authentizität und Überzeugungskraft. Und natürlich den Willen zum Gespräch.

Das Gespräch ich vor meinem Verfahren mehrmals Dr. Franz angeboten hatte – bis heute hat er dieses Angebot nicht angenommen. Auch die UFO war im Gespräch, 13 Monate lang. Gespräche und Verhandeln scheinen nicht die Paradedisziplinen von Dr. Franz zu sein.

Travel One, ein Reisefachblatt, fast das im Editorial der Printausgabe 16/2012 gut zusammen: Lufthansa hätte es geschafft Kunden, Mitarbeiter und Vertriebspartner zu verärgern.

Mißtrauen und Ärger. Da wundert mich der Streik nicht. Er ist und bleibt ein Symptom für Fehler im Umgang mit allen wichtigen Geschäftspartner. Wo ein einzelner Fehler passiert und entschuldbar ist, zeigt die permanente Wiederholung immer derselben Fehler, daß kein Erkenntnisgewinn stattfindet. Der Vorstand lernt nicht aus seinen Fehlern, ganz im Gegenteil, Kritiker fliegen raus.

Das ist fatal. Denn das wird Lufthansa den Kopf kosten, wenn jetzt nicht schnell im Vorstand Frieden einkehrt. Erst dann kann das zerstörte Vertrauen nach innen und außen wieder aufgebaut werden.

In eigener Sache: Danke für die vielen E-Mails, ich werde versuchen langsam die Berge abzuarbeiten und melde mich in den nächsten Tagen.

Lesehinweis: Manager Magazin 08/12

Das aktuelle Manager Magazin 08/2012 berichtet als Titelthema über die Probleme der Lufthansa, natürlich ist da auch die Meilenentwertung erwähnt:

Kopfschütteln auch bei Wohlmeinenden löst sein [gemeint ist Dr. Franz, Anm. T. E.] Vorgehen im Meilenstreit aus.

Viel wichtiger jedoch ist die Darstellung im Artikel, daß im Vorstand zwischen Dr. Franz und Carsten Spohr ein Machtkampf toben soll – ausgetragen auf dem Rücken der Mitarbeiter und Kunden.

Der Vorstand ist nicht nur für das Wohlergehen von aktuell knapp 121.000 Mitarbeitern (und vielen Leiharbeitern), sondern auch für einige Milliarden Kapital, z.B. für 700 Flugzeuge verantwortlich. Wie kann er sich da interne Grabenkämpfe und Machtspiele leisten – es ist ja schon schlimm genug, daß Dr. Franz versucht, sich mit Macht gegen die Kunden durchzusetzen.

Ganz unplausibel erscheint die Behauptung im Manager Magazin nicht, schließlich ist die Fluktuation im Vorstand relativ hoch. Das kann die Folge schlechter Stimmung sein.

Ein großes Problem scheint der Umgang mit Kritik und der Wille zur Veränderung im Vorstand zu sein – davon kann ich ein Lied singen. Meine Kritik ist auch noch nicht angekommen, sondern wird laufend abgewehrt. Das Manager Magazin schreibt dazu:

Dazu allerdings [Offenes Denken, Anm. T.E] […] ist sie [Lufthansa, Anm. T.E.] nur bedingt in der Lage.

Auf Geheiß des Vorstands eruierte das Berliner Beratungsunternehmen IFOK die Hauskultur der Lufthansa. […] recherchiert und analysiert, inwieweit der Geist des Hauses für einen geschäftlichen Aufbruch taugt.

Die Präsentation der Ergebnisse vor […] den 50 höchsten Managern, fiel desaströs aus. An vielen Stellen herrsche Selbstherrlichkeit […]. Man sperre sich gegen Einflüsse von außen und sei unfähig zur Veränderung.

Bereits da rangen die Zuhörer nach Luft.

Viele Blockaden, ging es weiter, hingen obendrein mit einem regelrechten Machtkampf zusammen, einer Frontstellung zwischen Topmann Franz und Vorstandsmitglied Carsten Spohr (45) […]. An dieser Stelle wurde die Präsentation abgebrochen […]. Der Berater ist seinen Job los. […] Das kommt davon, wenn man die Wahrheit sagt.

Es ist ja ganz nett, daß es IFOK auch so geht wie mir und deren berechtigte Kritik schlicht abprallt. Doch wenn das zutrifft, dann frage ich mich, wann der Vorstand mal wieder seinen Elfenbeinturm verlassen will, sich mit der Realität und den Bedürfnissen der Kunden, Mitarbeiter und damit damit denen der Gesellschaft auseinandersetzen wird?

Man kann ja nicht immer nur unliebsame Berater rausschmeißen und kritische Kunden vergraulen.

Wieso schweigt der Aufsichtsrat zu alledem? Bis auf einen Kommentar des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Weber, der schon sehr danach klang, als habe er das Vertrauen in Dr. Franz verloren, drang noch nichts nach außen.

Dr. Franz und die Loyalität

Immer wieder habe ich in dem Blog die Frage nach der Loyalität des aktuellen Vorstandsvorsitzenden Dr. Franz gegenüber Kunden, Vertriebspartnern und Mitarbeitern aufgeworfen. Aktuell lässt mich die Diskussion um Wolfgang Mayrhuber, seinen Vorgänger, befürchten, daß auch ihm gegenüber Dr. Franz nicht loyal ist.

Denn Dr. Franz, das betonen zahlreiche Berichte, ist mit größter Eile dabei, die von seinem Vorgänger Mayrhuber durchgeführten Maßnahmen rückgängig zu machen. Vermutet wird, daß Dr. Franz mit seinen Änderungen fertig sein will, bevor Wolfgang Mayrhuber 2013 Vorsitzender des Aufsichtsrates wird. Der Aufsichtsrat kontrolliert den Vorstand und gibt Strategien vor.

Üblicher Weise soll dabei der letzte Vorstandsvorsitzende frühestens nach einer Übergangszeit von zwei Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender gewählt werden, um zu verhindern, daß er seinen Nachfolger blockiert. Jetzt wird schon diskutiert, daß Mayrhuber besser gar nicht in den Aufsichtsrat soll.

Es ist schon unüblich, die Arbeit des Vorgängers mit der Eile zunichte zu machen, das öffentliche Gezänk über seine Position im Aufsichtsrat ist völlig ungewöhnlich. Da gäbe es elegantere und anständigere Wege.

Irritierend finde ich, daß Dr. Franz in der Zeit des Vorstandsvorsitzes von Wolfgang Mayrhuber in den Lufthansa-Konzern kam, nachdem Dr. Franz bei der Bahn wegen des kundenunfreundlichen Preissystems seinen Hut nehmen mußte. Im Lufthansa-Konzern bekam Dr. Franz die Aufgabe, die Swiss zu sanieren. Mayrhuber rief ihn anschließend in den Vorstand der Konzernmutter und machte ihn zu seinem Nachfolger als Vorstandsvorsitzender.

Sollte man sich nicht gegenüber jemanden, der einen so gefördert und unterstützt hat, etwas loyaler verhalten?

Damit ist Dr. Franz nicht nur den Kunden gegenüber illoyal, davon handelt dieses Blog, sondern auch seinen Vertriebspartnern, seinem Amtsvorgänger und seinen Mitarbeitern.

Denn auch den AUA-Mitarbeitern hat er gerade ordentlich eingeschenkt: Zuerst wurde die AUA in einen Preiskampf mit der Niki getrieben, ein Kampf, den eine wirtschaftlich schon angeschlagene Gesellschaft nur am Tropf des Konzerns überhaupt überleben kann. Ein Kampf auch, der so ruinös war, daß die Niki sogar einige Strecken einstellen mußte. Und jetzt macht Dr. Franz die hohen Gehälter der AUA für die wirtschaftlich schlechte Situation verantwortlich und drängt zu neuen, schlechteren Konditionen. Loyal ist das nicht.

Ich frage mich, ist Dr. Franz auch den Aktionären gegenüber illoyal? Für mich scheint es fast so. Denn auch die Stellungnahme der Verwaltung zu meinem Gegenantrag für die Hauptversammlung ist schwammig, die aktuellen, abrupten Kurswechsel, die schwer zu erkennende Strategie und die offensichtliche Illoyalität gegenüber allen anderen, sogar gegenüber Herrn Mayrhuber, alles das irritiert die Anteilseigner.

Manchmal frage ich mich, ob Dr. Franz nicht noch der Bahn oder Herrn Mehdorn loyal verbunden ist. Denn alle seine aktuellen Aktionen spielen der Bahn und AirBerlin in die Hände.

Herr Dr. Franz – wie wäre es mal mit Loyalität zum aktuellen Arbeitgeber, zum Förderer Wolfgang Mayrhuber, zu den aktuellen Kunden, zu den aktuellen Aktionären, zu den aktuellen Mitarbeitern und den aktuellen Vertriebspartner?