Dr. Franz: Wir wollen Premiumkunden nicht verärgern

Herr Dr. Franz, Ihre Kunden sollen ja Fans werden, die Loyalität Ihrer Kunden ist Ihnen wichtig und jetzt liefern Sie auf der Hauptversammlung noch ein denkwürdiges Zitat:

Wir wollen Premiumkunden nicht verärgern

Ich hatte Sie das ja im Kontext Miles&More gefragt, Sie haben dann, wie sich das in solchen Situationen gehört, geschickt abgelenkt und auf die neue First und Business Class abgehoben. Wie hätten Sie auch bei der Frage bleiben können.

Denn da ist es ja offensichtlich, daß Sie es tun. Ich verweise einfach mal auf ein paar Artikel aus dem Blog:

Dr. Franz wirbt für meilenschwund.de

Ich war auf der Hauptversammlung unverschämt genug, die Adresse „meilenschwund.de“ zu erwähnen – verbunden mit dem Hinweis auf die vielen abwandernden und verärgerten Kunden, die mich angemailt haben.

Ich hatte überlegt, ob es angemessen ist, das Blog zu erwähnen, denn die Hauptversammlung ist ja keine Werbeplattform, sondern sollte eigentlich Ort sachlicher Fragen der Aktionäre sein.

Herr Dr. Franz hat in seiner Antwort jedoch indirekt klar gemacht, daß es in Ordnung war zu werben. Denn auch er erwähnte die Adresse „meilenschwund.de“. Er hat sogar noch über den Namen philosophiert.

Meilenschwund.de, so folgerte er, würde tendentiell eher unzufriedene Kunden anlocken. Dieser enthaltene „Schwund“ habe ja eine negative Konnotation. Daher sei es nicht überraschend, daß ich ausgerechnet viele Mails von unzufriedenen Kunden erhalte. Aber natürlich würde Lufthansa über Meinungs- und Marktforschung die Erkenntnis erlangt haben, daß die Kunden immer noch höchstzufrieden mit Lufthansa sind.

Jedenfalls würde der so kritische Name meines Blogs doch dazu führen, daß sich nur unzufriedene Kunden meldeten. Daher wäre es nicht überraschend, daß mich kein einziger Zufriedener angemailt hätte.

Herr Dr. Franz, mit unzufriedenen Kunden und deren Namensgebung für Kritik-Seiten kennen Sie sich aus, das war zu merken. Wie war das mit Miles&Less in der Schweiz? Oder bei der Bahn?

Dennoch – vielen Dank für die freundliche Werbeunterstützung. So wissen jetzt ein paar Kunden mehr von Meilenschwund. Könnten Sie dann bei der nächsten Hauptversammlung, so lange wird sich das Verfahren ja sicher noch ziehen, vielleicht auch noch auf meinen Twitter-Kanal und die Facebookseite hinweisen?

Dr. Franz schimpft auf die „Araber“

Natürlich wieder mal Thema auf der Hauptversammlung, die bösen arabische Konkurrenten, allen voran natürlich die schlimme Emirates. Da hilft nur Staatshilfe.

Kannte der Vorstand eigentlich schon die Studie der DLR zum Thema Emirates?

Da stellt sich heraus, daß Emirates Deutschland volkswirtschaftlich gesehen nutzt.

Und dann gibt es da noch die Eigeninformation der Emirates, in der sie behaupten, nicht subventioniert zu werden.

Natürlich ist das eine ein hauseigenes Infoblatt, das andere vermutlich Auftragsforschung und die DLR nicht gerade für die Forschung in VWL bekannt, das könnte man angreifen. Aber es sind mal andere Argumente als die, die uns Lufthansa dauernd vorkaut. Man sollte immer beide Seiten hören.

Dr. Franz: Kleinlaut zu „rechtzeitig kommuniziert“

Natürlich war die rechtzeitige Kommunikation der Entwertung der Meilen Thema in meinen Fragen. Interessant war die Antwort von Dr. Franz. Er hat sich gar nicht zum Thema „rechtzeitig“ oder gar der E-Mail ausgelassen. Stattdessen betonte er, daß die Entwertung keine Entwertung sei.

Daher würde ich bei meinen weiteren Fragen von einer falschen Prämisse ausgehen. Herr Dr. Franz, ich weiß, Sie würden mir am liebsten einen One-Way-Flug auf Meilen zum Mond spendieren. Aber es ist nun mal so, daß für Ihre Kunden One-Way-Langstrecken-Flüge, und nur die lohnen sich auf Meilen, eher selten in Frage kommen. Und ein Same-Day-Award München-San Francisco mit 2 Stunden Turn-Around ist auch nicht so wirklich lohnend.

Herr Dr. Franz: Sie haben wertloses, was eh keiner bucht, verbilligt. Das freut Ihre PR-Abteilung, weil so etwas positives dabei ist, das sich schön verkaufen lässt, macht auch ein schlankes Alibi.

In Wirklichkeit ist es aber wie eine Einkommenssteuererhöhung um 30% bei gleichzeitiger Senkung der Rennwettsteuer um 30%. Das wäre in Ihrer Lesart auch eine „Anpassung“, die Bundesregierung würde sogar von einer „solide gegenfinanzierten Steuersenkung“ sprechen.

Nur die Betroffenen sprechen völlig unverständlich von einer Erhöhung bzw. im Fall Miles&More von einer Entwertung Ihrer Konten. Und sind überraschend verärgert.

Wirklich bemerkenswert an Ihrer Antwort war: Sie haben ganz kleinlaut das Thema der rechtzeitigen Kommunikation umgangen. Haben Sie jetzt etwa doch verstanden, daß da bei Ihnen was schiefgelaufen ist?

Herr Dr. Franz, noch können Sie korrigieren. Sie müssen nur den Mut dazu haben. Ich hätte ein paar Lösungsideen. Sie wissen ja, wie Sie mich erreichen können.

Dr. Franz: Lufthansa ohne Strategie

Mehrere Aktionäre fragten verständlicher Weise auf der Hauptversammlung der Lufthansa nach der Strategie des Vorstands. Dr. Franz‘ Antwort verblüffte mich:

Wir reagieren auf Markterfordernisse

Herr Dr. Franz, Sie sollten unterscheiden zwischen „Taktik“ und „Strategie“. Die Strategie ist übergeordnet und längerfristig, sie gibt vor „was“ erreicht werden soll. Die Taktik ist deren Umsetzung.

Eine Reaktion auf Markterfordernisse ist keine Strategie. Bestenfalls lässt sich das noch unter Taktik subsumieren, wobei auch eine Taktik in der Regel voraussehend ist. Eine Reaktion auf Markterfordernisse ist ein Hinterhinken.

Streng genommen ist das, was Sie als Strategie verkaufen wollen, ein Hinterherlaufen und kein Vorausdenken. Wenn Sie das als Strategie bezeichnen, dann gute Nacht Lufthansa.

Um Ihnen das an meinem Thema „Meilenentwertung“ zu erklären: Die Strategie mag gewesen sein, den zu erwartenden Verlustausweis zu reduzieren. Die Taktik war, die Schulden zu reduzieren. Operativ umgesetzt durch eine Entwertung der Meilen.

Daß bei der Umsetzung dann auch noch Fehler passiert sind, die Sie jetzt in eine Rechtfertigungsrolle „Wir haben angepasst, nicht entwertet“ drängen, das kommt in den besten Häusern vor. Solche Fehler kann man in der Regel ausbügeln. Gerade, wenn man das Gesamtziel vor Augen hat.

Aber ohne Strategie entsteht nur operative Hektik. Da rettet man sich von Fehler zu Fehler.

Lufthansa: 2,56 € Gewinn pro Passagier – Swiss 15,83 €

Die aus meiner Sicht eindrucksvollste Zahlen auf der Hauptversammlung kamen ganz am Anfang, und damit fange ich jetzt einfach meine Artikelserie zur gestrigen Hauptversammlung der Lufthansa an:

Die Passage Airline Gruppe, also der Teil, der sich um das eigentliche Hauptgeschäft bei Lufthansa kümmert, habe 2011 106,3 Millionen Passagiere befördert und dabei 349 Millionen € verdient. Also runde 3,25 € / Passagier.

Germanwings und Austrian haben rote Zahlen geliefert, die kleinere Swiss 259 Millionen € und die größere Lufthansa 168 Millionen € Gewinn beigesteuert.

Mit Lufthansa flogen 65.458.000 Passagiere, mit Swiss 16.361.000. Swiss hat also pro Kunden 15,83 € Gewinn erzielt, Lufthansa nur 2,56 €.

Woher kommt’s? Ich verweigere ja aktuell alle Konzernairlines, aber alle verärgerten HONs und Senatoren, die ich getroffen habe, sagten mir, Swiss sei im Umgang mit ihren Stammkunden um einiges anständiger als Lufthansa. Dort würde Kundenbindung noch wirklich gelebt.

Swiss erzielt also knapp den fünffachen Gewinn pro Passagier wie Lufthansa – ganz einfach durch Kundenbindung.

Aus meiner Sicht zeigt es, daß Lufthansa derzeit die falsche Strategie fährt – wenn überhaupt eine. Dauernd wird von „mehr Passagieren, mehr Neukunden“ geredet und der Vorstand sieht nicht, daß es auf Klasse statt Masse ankommt. Stattdessen schmeißt Dr. Franz sogar die Klasse-Kunden, also die Statuskunden, raus. Denn Statuskunden fliegen eben nicht überwiegend Economy für 99 €, sondern oft genug auch Business und First, wodurch sie den Gewinn pro Passagier deutlich in die Höhe treiben.

Bei einem 99 €-Ticket zahlt Lufthansa ja, wenn sie bei den Meilentickets nicht schummeln, sogar drauf. Übrigens wurde danach auch auf der Hauptversammlung gefragt.

Herr Dr. Franz, Sie sollten sich also dringend um die Kundenbindung und Kundenrückgewinnung kümmern. Rufen Sie gerne an, ich helfe Ihnen da gerne – im Interesse aller verärgerten Kunden. Meine Kontaktdaten kennen Sie ja, sonst kennen Sie auch diese Webseite.

Meine Fragen für die Hauptversammlung

Mein Gegenantrag besteht aus zwei Teilen und hat daher auch zwei Begründungen:

  1. Die Bilanzierung der Meilen und Upgrade-Voucher ist unklar. Momentan sind 1,6 Milliarden € dafür zurückgelegt, es könnten bis zu 5,6 Milliarden € sein. Der Vorstand hat bislang auf Nachfrage die Bilanzierung nicht erklärt. Daher rührt mein Gegenantrag, als Aktionär möchte ich Klarheit über die finanzielle Situation der Lufthansa – 4 Milliarden € sind ein erheblicher Betrag.
  2. Der Prozess um die Meilenentwertung zeigt, daß der aktuelle Vorstand den Wert von Kunden und des Kundenbindungsprogrammes Miles&More unterschätzt. Würde der Vorstand Kundenbindung verstehen, hätte der Vorstand nicht gezielt und vorsätzlich die Kunden über die Entwertung der Meilen im Unklaren gelassen, sondern die Entwertung mit fairen Übergangsregeln umgesetzt. Das Handeln des Vorstandes entspricht hier nicht den Interessen der Aktionäre.

Weil der Vorstand sich in seiner Stellungnahme zu meinem Gegenantrag äußerst schwammig gehalten hat und durch die unpräzisen Angaben mehr Fragen aufgeworfen hat, als er beantwortet hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als in der Hauptversammlung viele Fragen zu stellen. Ich hoffe immer noch, daß der Vorstand diese Fragen, weil ich sie schon vorab an Lufthansa gefaxt habe, in seinen Erläuterungen selbst beantwortet.

Zum Meilenwert

Die Diskussion um den Bilanzwert ist aufgekommen, weil Lufthansa im Verfahren LG Köln 14 O 245 / 11 (Peter Dietrich ./. Lufthansa) den Meilenwert selbst mit 2,77 €-Cent angegeben hat. Das steht so in dem Urteil, das mir vorliegt.

Außerdem fiel mir auf, daß obwohl die Meilen entwertet wurden, der Bilanzwert gestiegen ist. Das ist unlogisch, denn wenn mehr Meilen für einen Flug nötig sind, müßte der Bilanzwert eigentlich sinken.

Natürlich kann es auch Argumente geben, über die sich der Bilanzwert schlüssig erklären lässt. So könnten sich die Anwälte der Lufthansa bezüglich des Meilenwertes in dem Verfahren getäuscht haben.

Möglicher Weise ist auch der Bilanzwert von Meilen bereinigt um die Entwertung um mindestens 12% gestiegen, weil man bisher zu niedrig bilanziert hat und diesen Fehler beheben wollte. Aber auch dieses Geständnis müßte der Vorstand machen.

Weiterhin fehlen im Jahresbericht Angaben zu einem weiteren, den Meilen vergleichbaren Wert: Den Upgradevouchern. Deren Bilanzierung ist unklar.

Damit ergeben sich folgende Fragen:

  1. Warum werden im Jahresbericht nur Meilen für Flugprämien und nicht auch für WorldShop und Upgrades ausgewiesen?
  2. Weshalb sind Upgradevoucher in der Bilanz nicht aufgeführt?
    1. Welche Anzahl von Upgradevouchern war am Jahresende 2011 nicht eingelöst?
    2. Mit welchem Wertansatz werden diese Upgradevoucher wo bilanziert?
  3. Wie erklärt sich der höhere Bilanzwert pro Meile 2011 im Vergleich zu 2010, obwohl eine Entwertung der Meilen stattgefunden hat?
  4. Wieviele Meilen werden im Schnitt pro Jahr erfolgen und in Prämien umgesetzt?
  5. Welcher Anteil der Meilen verfällt?
  6. Welcher Anteil der Miles&More-Mitglieder ist dank Status und / oder Kreditkarte vor dem Meilenverfall geschützt?
  7. Wieso haben die 0,5% der von Kunden gekauften Meilen einen Anteil von 1,5% am Bilanzwert der Meilen?
  8. Welcher Anteil der Meilen wird im WorldShop umgesetzt?
    1. Welcher Wert für eine Meile im WorldShop in der Bilanz angenommen?
  9. Welcher Anteil der Meilen wird für Upgrades genutzt?
    1. Welcher Anteil der Upgrades erfolgt auf Konzern-Airline-Flügen und welcher auf StarAlliance-Partner-Flügen?
    2. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit Konzern-Airlines?
    3. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit StarAlliance-Partner-Airlines?
  10. Welcher Anteil der Meilen wird für Prämienflüge eingesetzt?
    1. Welcher Anteil der Prämienflüge erfolgt auf Konzern-Airlines, welcher auf StarAlliance-Partnern?
    2. Wie werden intern Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
    3. Wie werden auf Partner-Airlines Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
  11. Welcher Anteil Miles&More-Mitglieder hat keine Meilen auf dem Konto?
  12. Welcher Anteil Miles&More-Mitglieder ist aktiv genug, um überhaupt die Plastikkarte zu erhalten, die erst ab 3.000 Meilen vergeben wird?

Damit sollte es dann möglich sein, die konkreten Zahlen einzusetzen und zusammenzurechnen. Damit wäre der Bilanzwert überprüft – und der Teil meines Gegenantrages vom Tisch.

Für die zukünftige Strategie bezüglich Miles&More frage ich mich außerdem:

  1. Welcher Anteil der Meilen wird über Flüge generiert?
  2. Welcher Anteil der Meilen entsteht durch Promotions und Nicht-Airline-Partner?
  3. Hat sich eine Verschiebung dieser Anteile über die letzten Jahre ergeben?
  4. Sollte sich eine Verschiebung des Meilenerwerbs zu Nicht-Airline-Partnern ergeben haben, hat das Auswirkungen auf die Award-Verfügbarkeit für „fliegende“ Miles&More-Kunden, insbesondere für Statuskunden?
  5. Gibt Lufthansa ihren Stammkunden ein Leistungsversprechen bezüglich einer Mindestzahl verfügbarer Award-Plätze pro Flug oder ist ein solches Versprechen geplant?
  6. Berücksichtigt Lufthansa bei der Bilanzierung die Einlösemöglichkeiten der Kunden?

Die Fragen nach der Zukunft von Miles&More ergibt sich, weil Dr. Franz auf der DLD in München, auf der er ja auch behauptete, Kundenloyalität sei ein ein Hauptziel, erklärte, er wolle Miles&More als Loyalitätsprogramm nutzen und nicht in ein eigenes Unternehmen à la Payback überführen. Das habe nach seinen Worten AirCanada mit deren Meilenprogramm getan.

Zum Kundenumgang und Meilenentwertung

Den zweiten Teil meines Gegenantrages begründe ich mit der Entwertung der Meilen. Lufthansa hat sich hier gegenüber den Kunden massiv unfair verhalten, indem eine viel zu kurze Übergangsfrist, ausgerechnet über Weihnachten und den Jahreswechsel gewährt wurde, und die Information über die Entwertung bewußt zurückgehalten wurde, damit

die Kunden nicht vorab noch viele Tickets mit den günstigeren Meilenwerten buchen!

So heißt es in einer internen E-Mail, die mir zugespielt wurde. Aufgrund der E-Mail habe ich mich entschlossen, gegen Lufthansa Strafanzeige wegen des Verdachts des Betruges zu stellen. Mindestens eine weitere Kanzlei hat aus gleichem Grund den Verdacht der Untreue zur Anzeige gebracht.

  1. Warum nimmt der Vorstand den entstandenen massiven Imageschaden in Kauf, anstatt proaktiv zu agieren, alle betroffenen Kunden zu entschädigen und für die Zukunft rechtskonforme Übergangslösungen zu schaffen?
  2. Wie kommt Lufthansa zur Behauptung, daß keine Kundenabwanderung stattfindet? Wurden die Buchungszahlen der HON-Circle-Mitglieder und Senatoren überprüft oder lediglich die Zahl der Statuskunden verglichen?

Zu den Veränderungen bei Miles&More werde ich weiterhin fragen:

  1. Ist es richtig, daß es aus Sicht der Lufthansa zu viele HON Circle Mitglieder gibt und ist das der Grund, warum die Erreichung des HON Circle Status auch für bestehende HONs deutlich erschwert wurde?
  2. Warum wurden die Verschlechterungen bei Miles&More unterjährig eingeführt, also während der Qualifikationsperiode der Kunden, und nicht zum Jahreswechsel?

Weiteres

So es die Zeit zulässt und nicht schon andere die Fragen gestellt haben, werde ich außerdem die folgenden „allgemeinen“ Fragen stellen:

  1. Warum behauptet der Vorstand im Jahresbericht, die Neue Europakabine würde gut angenommen, wenn im hauseigenen Passage Magazin massiv Kritik daran geübt wird?
  2. Carsten Spohr wird im Spiegel 19/2012 zitiert, daß Lufthansa bewußt ist, daß das Kabinenprodukt erheblichen Verbesserungsbedarf hat. Dennoch wird Miles&More erheblich verschlechtert. Wie passt das zeitlich zusammen?

Zusammenfassung

Weil die korrekte Bilanzierung der Meilen und Upgradevoucher fraglich ist, hat der Vorstand die Aktionäre über die Berechnung dieser Bilanzpositionen zu informieren. Derzeit sind 1,6 Milliarden bilanziert, bis zu 5,6 Milliarden sind plausibel. Damit fehlen vier Milliarden. Bis zur Klärung der Frage kann der Vorstand nicht entlastet werden.

Ebenso hat der Vorstand sich im Zusammenhang mit der Entwertung der Meilen ungeschickt verhalten und Stammkunden verprellt. Der Vorstand hat nämlich bewußt und vorsätzlich, das ergibt sich aus einer E-Mail, die Übergangsfrist unanständig kurz gehalten. Ein solches Verhalten ist nicht im Interesse der Aktionäre. Im Interesse der Aktionäre wäre eine faire Anpassung der Meilenwerte mit vernünftiger Übergangszeit gewesen. Dagegen hätten auch kein Kunde geklagt.

Da die Ermittlungen gegen den Vorstand in dem Zusammenhang noch nicht abgeschlossen sind, der Vorstand auch gegen das erstinstanzliche Urteil in Berufung gegangen ist, kann der Vorstand noch nicht entlastet werden.

Daher beantrage ich, die Entlastung des Vorstandes bis zur Aufklärung der Vorwürfe zu vertagen.

Kundenabwanderung – Zitate von HONs und SENs

Lufthansa behauptet ja in deren Stellungnahme zu meinem Gegenantrag für die morgige Hauptversammlung, es wäre keine Abwanderung der Kunden festzustellen.

Hier ein paar exemplarische Zitate, zunächst von verschiedenen HON Circle Mitgliedern:

  • […]da ich fast nur noch BA, AB und andere benutze wie so viele andere HONs und Senatoren inzwischen auch. Und wie Sie sagen sollte man wahrscheinlich Herrn Dr. Franz noch dankbar sein, weil man endlich sieht, daß andere Airlines und deren Produkte vor Allem in Bezug auf Service doch viel besser sind
  • Bin auch weg, kann einfach nicht sein wie man bei LH behandelt wird. Mal sehen ob die bei Emirates meine HON Karte eintauschen…
  • Froh sollten sie sein, dass man nicht wortlos den Rücken kehrt. Es ist ein Trauerspiel zur Zeit.
  • Ich hätte mir vor einem jahr als treuer HON nie vorstellen können, dass ich im Mai 2012 schreiben würde „ich bin seit einem halben Jahr nicht mehr LH geflogen“.
  • Ich habe mich deshalb zum ersten mal nach Alternativen zur LH umgeschaut. Danke Lufthansa ! Ich habe für meine geplanten Flüge schnell Alternativen gefunden. Alternativen mit ähnlich guten Abflugzeiten und Flugzeiten jedoch mit wesentlich modernere Flach-Bestuhlung und das auch noch zu ca. 25% günstigeren Preisen.
  • Die Alternativen Air Berlin, NIKI und Etihad benutze ich aber schon seit geraumer Zeit – seit 3 Monaten keine LH-Maschine mehr von innen gesehen
  • Ich hielt Ihre ganze Aktion mit dem Meilenschwund zunächst für vollkommen übertrieben. Jedoch bin ich auch HON Circle Mitglied und mir wird es auch langsam zu bunt was LH da treibt.
    Vor allem ärgert mich, dass man sich auf Versprechen etc. nicht verlassen kann und man ständig Neuerungen ausgesetzt ist, obwohl man sich den Status über viel Geld (also Flüge) erkauft hat, und da man ja oft mit LH mehr Geld ausgibt… Diese vollkommene Ignoranz von Dr. Franz ärgert mich schon sehr.
  • Ich bin wirklich von einem absolut treuen und loyalen LH-Fan zu einem enttäuschen Kunden geworden, der in Zukunft wohl eine andere Airline fliegen wird
  • Ich habe meine HON-Circle-Karte zerschnitten und zurückgeschickt.

Und dann – wie beim Boarding auch – die Senatoren:

  • [aus einem Anschreiben an Lufthansa, Anm. T.E.]: Ich verstehe Ihre Politik – von der Art und Weise der Kommunikation einmal abgesehen – überhaupt nicht, da sie gerade zu einem Zeitpunkt kommt, zu dem die Konkurrenz mächtig aufrüstet und sich z. B. um mich persönlich als Kunden bemüht, damit ich/wir zunehmend Air Berlin fliege/n.
  • Seit 1.3.2012 bin ich (zum erstem mal seit 2007) keinen SEN mehr […] Auf meinen ausführlichen Brief mit guten Argumenten und […] der Bitte zur Stellungnahme und außergerichtlicher Wiedergutmachung der Meilenabwertung von 2011 […] kam wie zu erwarten auch nur ein Brief eines seiner Mitarbeiters (an seiner Stelle) zurück mit zwei Standard Textblöcken
  • Dank Statusmatch bieten ja auch andere Fluglinien interessante Vorzüge. Lufthansa hat leider noch nicht verstanden, aber bei denen dauert ja bekanntermaßen alles etwas länger. Für mich persönlich ist nicht der Preis das entscheidende, sondern das Gesamtpaket, und hier haben die Mitbewerber derzeit die Nase vorn.
  • Meinen Senator-Status werde ich nun auslaufen lassen. Danach ist die LH-Gruppe bei mir auf der Black-List. Bei meinen Mitarbeitern natürlich auch!

Natürlich gab es auch einige von FTLs und „Blue Members“, es finden sich auch im Blog noch einige Zitate. Ich kann hier nur die Spitze vom Eisberg veröffentlichen. Und ich fürchte auch, daß sich noch längst nicht alle unzufriedenen Kunden bei mir gemeldet haben.

Allein in meinem Posteingang für meine meilenschwund-Email-Adresse sind mittlerweile ca. 20.000 E-Mails eingegangen. Die Adresse gibt es erst seit März. Dazu kommen noch viele, die das Kontaktformular auf meiner Homepage genutzt haben oder mir über Facebook schreiben. Es war kein einziger zufriedener Lufthansa-Kunde dabei.

Aber eine Abwanderung, die kann der Vorstand nicht feststellen?

Wo sind die Upgradevoucher bilanziert?

Eine Frage, die mir für die Hauptversammlung am Dienstag noch auf der Zunge brennt: Wo sind die Upgradevoucher bilanziert? Sie führt Lufthansa nicht auf. Die Frage fiel mir auf, als ich versuchte, den korrekten Bilanzwert von Upgradeprämien zu bestimmen.

Dabei habe ich abgeschätzt, daß die Upgradevoucher, die pro Jahr ausgegeben werden, ca. 5 Milliarden Meilen entsprechen. Da sie erst seit 2010 ein Verfallsdatum haben, gehe ich davon aus, daß viele Statuskunden sie gesammelt haben.

Auf den Wert der Voucher bin ich gekommen, indem ich grob geschätzt habe: Pro Jahr bekommen die ca. 180.000 Senatoren im Schnitt einen Voucher und die 8.000 HON-Circle-Mitglieder im Schnitt drei. Damit verteilt Lufthansa pro Jahr ca. 200.000 eVoucher.

Für ein Langstrecken-Upgrade, denn auf der Kurzstrecke in der Neuen Europakabine wird wohl kein vernünftiger Mensch ein Upgrade zahlen, sind zwei Voucher erforderlich. Das gleiche Upgrade wäre für im Mittel ca. 50.000 Meilen zu erhalten, so daß die pro Jahr verteilten Voucher etwa 5 Milliarden Meilen entsprechen.

Da Lufthansa einen Verfallstermin für die Voucher eingeführt hat, vermute ich, daß viele Kunden ihre Voucher nicht aufgebraucht, sondern gesammelt haben. Das würde bedeuten, daß weit mehr als 200.000 eVoucher auf irgendwelchen Konten liegen, also wesentlich mehr als der Gegenwert von 5 Milliarden Meilen.

Wo findet sich dieser Gegenwert in der Bilanz?