Meine Fragen für die Hauptversammlung

Mein Gegenantrag besteht aus zwei Teilen und hat daher auch zwei Begründungen:

  1. Die Bilanzierung der Meilen und Upgrade-Voucher ist unklar. Momentan sind 1,6 Milliarden € dafür zurückgelegt, es könnten bis zu 5,6 Milliarden € sein. Der Vorstand hat bislang auf Nachfrage die Bilanzierung nicht erklärt. Daher rührt mein Gegenantrag, als Aktionär möchte ich Klarheit über die finanzielle Situation der Lufthansa – 4 Milliarden € sind ein erheblicher Betrag.
  2. Der Prozess um die Meilenentwertung zeigt, daß der aktuelle Vorstand den Wert von Kunden und des Kundenbindungsprogrammes Miles&More unterschätzt. Würde der Vorstand Kundenbindung verstehen, hätte der Vorstand nicht gezielt und vorsätzlich die Kunden über die Entwertung der Meilen im Unklaren gelassen, sondern die Entwertung mit fairen Übergangsregeln umgesetzt. Das Handeln des Vorstandes entspricht hier nicht den Interessen der Aktionäre.

Weil der Vorstand sich in seiner Stellungnahme zu meinem Gegenantrag äußerst schwammig gehalten hat und durch die unpräzisen Angaben mehr Fragen aufgeworfen hat, als er beantwortet hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als in der Hauptversammlung viele Fragen zu stellen. Ich hoffe immer noch, daß der Vorstand diese Fragen, weil ich sie schon vorab an Lufthansa gefaxt habe, in seinen Erläuterungen selbst beantwortet.

Zum Meilenwert

Die Diskussion um den Bilanzwert ist aufgekommen, weil Lufthansa im Verfahren LG Köln 14 O 245 / 11 (Peter Dietrich ./. Lufthansa) den Meilenwert selbst mit 2,77 €-Cent angegeben hat. Das steht so in dem Urteil, das mir vorliegt.

Außerdem fiel mir auf, daß obwohl die Meilen entwertet wurden, der Bilanzwert gestiegen ist. Das ist unlogisch, denn wenn mehr Meilen für einen Flug nötig sind, müßte der Bilanzwert eigentlich sinken.

Natürlich kann es auch Argumente geben, über die sich der Bilanzwert schlüssig erklären lässt. So könnten sich die Anwälte der Lufthansa bezüglich des Meilenwertes in dem Verfahren getäuscht haben.

Möglicher Weise ist auch der Bilanzwert von Meilen bereinigt um die Entwertung um mindestens 12% gestiegen, weil man bisher zu niedrig bilanziert hat und diesen Fehler beheben wollte. Aber auch dieses Geständnis müßte der Vorstand machen.

Weiterhin fehlen im Jahresbericht Angaben zu einem weiteren, den Meilen vergleichbaren Wert: Den Upgradevouchern. Deren Bilanzierung ist unklar.

Damit ergeben sich folgende Fragen:

  1. Warum werden im Jahresbericht nur Meilen für Flugprämien und nicht auch für WorldShop und Upgrades ausgewiesen?
  2. Weshalb sind Upgradevoucher in der Bilanz nicht aufgeführt?
    1. Welche Anzahl von Upgradevouchern war am Jahresende 2011 nicht eingelöst?
    2. Mit welchem Wertansatz werden diese Upgradevoucher wo bilanziert?
  3. Wie erklärt sich der höhere Bilanzwert pro Meile 2011 im Vergleich zu 2010, obwohl eine Entwertung der Meilen stattgefunden hat?
  4. Wieviele Meilen werden im Schnitt pro Jahr erfolgen und in Prämien umgesetzt?
  5. Welcher Anteil der Meilen verfällt?
  6. Welcher Anteil der Miles&More-Mitglieder ist dank Status und / oder Kreditkarte vor dem Meilenverfall geschützt?
  7. Wieso haben die 0,5% der von Kunden gekauften Meilen einen Anteil von 1,5% am Bilanzwert der Meilen?
  8. Welcher Anteil der Meilen wird im WorldShop umgesetzt?
    1. Welcher Wert für eine Meile im WorldShop in der Bilanz angenommen?
  9. Welcher Anteil der Meilen wird für Upgrades genutzt?
    1. Welcher Anteil der Upgrades erfolgt auf Konzern-Airline-Flügen und welcher auf StarAlliance-Partner-Flügen?
    2. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit Konzern-Airlines?
    3. Welche Kosten entstehen je für ein Upgrade auf Flügen von Economy auf Business und Business auf First mit StarAlliance-Partner-Airlines?
  10. Welcher Anteil der Meilen wird für Prämienflüge eingesetzt?
    1. Welcher Anteil der Prämienflüge erfolgt auf Konzern-Airlines, welcher auf StarAlliance-Partnern?
    2. Wie werden intern Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
    3. Wie werden auf Partner-Airlines Meilentickets in Economy-, Business- und First-Class verrechnet?
  11. Welcher Anteil Miles&More-Mitglieder hat keine Meilen auf dem Konto?
  12. Welcher Anteil Miles&More-Mitglieder ist aktiv genug, um überhaupt die Plastikkarte zu erhalten, die erst ab 3.000 Meilen vergeben wird?

Damit sollte es dann möglich sein, die konkreten Zahlen einzusetzen und zusammenzurechnen. Damit wäre der Bilanzwert überprüft – und der Teil meines Gegenantrages vom Tisch.

Für die zukünftige Strategie bezüglich Miles&More frage ich mich außerdem:

  1. Welcher Anteil der Meilen wird über Flüge generiert?
  2. Welcher Anteil der Meilen entsteht durch Promotions und Nicht-Airline-Partner?
  3. Hat sich eine Verschiebung dieser Anteile über die letzten Jahre ergeben?
  4. Sollte sich eine Verschiebung des Meilenerwerbs zu Nicht-Airline-Partnern ergeben haben, hat das Auswirkungen auf die Award-Verfügbarkeit für „fliegende“ Miles&More-Kunden, insbesondere für Statuskunden?
  5. Gibt Lufthansa ihren Stammkunden ein Leistungsversprechen bezüglich einer Mindestzahl verfügbarer Award-Plätze pro Flug oder ist ein solches Versprechen geplant?
  6. Berücksichtigt Lufthansa bei der Bilanzierung die Einlösemöglichkeiten der Kunden?

Die Fragen nach der Zukunft von Miles&More ergibt sich, weil Dr. Franz auf der DLD in München, auf der er ja auch behauptete, Kundenloyalität sei ein ein Hauptziel, erklärte, er wolle Miles&More als Loyalitätsprogramm nutzen und nicht in ein eigenes Unternehmen à la Payback überführen. Das habe nach seinen Worten AirCanada mit deren Meilenprogramm getan.

Zum Kundenumgang und Meilenentwertung

Den zweiten Teil meines Gegenantrages begründe ich mit der Entwertung der Meilen. Lufthansa hat sich hier gegenüber den Kunden massiv unfair verhalten, indem eine viel zu kurze Übergangsfrist, ausgerechnet über Weihnachten und den Jahreswechsel gewährt wurde, und die Information über die Entwertung bewußt zurückgehalten wurde, damit

die Kunden nicht vorab noch viele Tickets mit den günstigeren Meilenwerten buchen!

So heißt es in einer internen E-Mail, die mir zugespielt wurde. Aufgrund der E-Mail habe ich mich entschlossen, gegen Lufthansa Strafanzeige wegen des Verdachts des Betruges zu stellen. Mindestens eine weitere Kanzlei hat aus gleichem Grund den Verdacht der Untreue zur Anzeige gebracht.

  1. Warum nimmt der Vorstand den entstandenen massiven Imageschaden in Kauf, anstatt proaktiv zu agieren, alle betroffenen Kunden zu entschädigen und für die Zukunft rechtskonforme Übergangslösungen zu schaffen?
  2. Wie kommt Lufthansa zur Behauptung, daß keine Kundenabwanderung stattfindet? Wurden die Buchungszahlen der HON-Circle-Mitglieder und Senatoren überprüft oder lediglich die Zahl der Statuskunden verglichen?

Zu den Veränderungen bei Miles&More werde ich weiterhin fragen:

  1. Ist es richtig, daß es aus Sicht der Lufthansa zu viele HON Circle Mitglieder gibt und ist das der Grund, warum die Erreichung des HON Circle Status auch für bestehende HONs deutlich erschwert wurde?
  2. Warum wurden die Verschlechterungen bei Miles&More unterjährig eingeführt, also während der Qualifikationsperiode der Kunden, und nicht zum Jahreswechsel?

Weiteres

So es die Zeit zulässt und nicht schon andere die Fragen gestellt haben, werde ich außerdem die folgenden „allgemeinen“ Fragen stellen:

  1. Warum behauptet der Vorstand im Jahresbericht, die Neue Europakabine würde gut angenommen, wenn im hauseigenen Passage Magazin massiv Kritik daran geübt wird?
  2. Carsten Spohr wird im Spiegel 19/2012 zitiert, daß Lufthansa bewußt ist, daß das Kabinenprodukt erheblichen Verbesserungsbedarf hat. Dennoch wird Miles&More erheblich verschlechtert. Wie passt das zeitlich zusammen?

Zusammenfassung

Weil die korrekte Bilanzierung der Meilen und Upgradevoucher fraglich ist, hat der Vorstand die Aktionäre über die Berechnung dieser Bilanzpositionen zu informieren. Derzeit sind 1,6 Milliarden bilanziert, bis zu 5,6 Milliarden sind plausibel. Damit fehlen vier Milliarden. Bis zur Klärung der Frage kann der Vorstand nicht entlastet werden.

Ebenso hat der Vorstand sich im Zusammenhang mit der Entwertung der Meilen ungeschickt verhalten und Stammkunden verprellt. Der Vorstand hat nämlich bewußt und vorsätzlich, das ergibt sich aus einer E-Mail, die Übergangsfrist unanständig kurz gehalten. Ein solches Verhalten ist nicht im Interesse der Aktionäre. Im Interesse der Aktionäre wäre eine faire Anpassung der Meilenwerte mit vernünftiger Übergangszeit gewesen. Dagegen hätten auch kein Kunde geklagt.

Da die Ermittlungen gegen den Vorstand in dem Zusammenhang noch nicht abgeschlossen sind, der Vorstand auch gegen das erstinstanzliche Urteil in Berufung gegangen ist, kann der Vorstand noch nicht entlastet werden.

Daher beantrage ich, die Entlastung des Vorstandes bis zur Aufklärung der Vorwürfe zu vertagen.