Bilanzwert von Upgrades

Außer im WorldShop lassen sich Meilen auch für Upgrades einsetzen. Dazu gibt es für Upgrades zunächst für die Kunden komplexe Regeln: Upgrades sind in der Regel von den billigsten Buchungsklassen nicht möglich, es muß ein höherpreisiges „upgradefähiges“ Ticket gekauft werden. Das kann für den Kunden sogar teurer sein, als ein reines Meilenticket. Ich habe das mal für Upgrades aus Economy in die Business und Business in die First vorgerechnet. Dabei ist bei einem reinen Meilenticket die Buchungsklasse garantiert, bei einem Upgrade erfolgt die Bestätigung meist erst kurz vor dem Flug, seltene Ausnahmen gerade für HON Circle-Mitglieder bestätigen die Regel.

Doch hier soll es um die Bilanzdarstellung von Upgrades gehen, nicht um den Wert für den Kunden. Doch das ist gar nicht so einfach. Während sich für den reinen Meilenflug ein Gegenwert bestimmen lässt, ist das für Upgrades wesentlich umständlicher.

Denn welche Kosten sind für die Airline mit Upgrades verbunden? Ein teures Economy-Ticket kostet fast genauso viel wie ein billiges Business-Ticket.

Da die Upgrades erst kurz vor dem Flug zugesagt werden, hat die Airline eine relativ verlässliche Schätzung, ob die verbliebenen, für Upgrades genutzten Business- oder First-Plätze verkauft werden könnten. Ein Upgrade wird in der Regel nur dann gewährt, wenn ein Verkauf ausreichend unwahrscheinlich erscheint. Das wiederum heißt, für das Upgrade gibt es keinen Einnahmenverlust.

Auf der anderen Seite entstehen durch das Upgrade auch überschaubare Zusatzkosten: Die Beladung des Flugzeuges ändert sich nicht, da der Passagier nur innerhalb der Maschine umgesetzt wird, der Treibstoffverbrauch bleibt also konstant. Es wird lediglich eine bessere Verpflegung und möglicher Weise ein geringfügig besserer Bodenservice gewährt. Das ist anders bei einem Prämienticket, bei dem ein zusätzlicher Passagier befördert und versorgt werden muß.

Das heißt, das Upgrade ist möglicher Weise für Lufthansa fast noch günstiger, als die Meilen im WorldShop zu verbrennen. Denn so reduziert sich der Meilenberg für kaum meßbare Zusatzkosten.

Damit wäre für eine Upgrade-Meile ein Bilanzwert von 0 € vorzusehen, sofern sie auf Konzernairlines verflogen wird.

Für die Theorie spricht auch, daß ich auch in der Bilanz für die Upgrade-Voucher, die Senatoren und HON-Circle-Mitglieder zur Statusverlängerung erhalten, keinerlei Gegenwerte entdecken konnte. Allerdings gelten diese Voucher nur auf Konzernairlines, nicht bei StarAlliance-Partnern.

Grob geschätzt dürfte die Zahl der pro Jahr vergebenen Upgradevoucher für die ca. 180.000 Senatoren (im Schnitt einer pro Jahr) und 8.000 HON-Circle-Mitglieder (im Schnitt 3 pro Jahr) bei ca. 200.000 liegen. Für ein Langstrecken-Upgrade, denn auf der Kurzstrecke in der Neuen Europakabine wird wohl kein vernünftiger Mensch ein Upgrade zahlen, sind zwei Voucher erforderlich. Das gleiche Upgrade wäre für im Mittel ca. 50.000 Meilen zu erhalten, so daß die pro Jahr verteilten Voucher etwa 5 Milliarden Meilen entsprechen. Davon werden sicher einige, dank der neuen Verfallsregel, verfallen und andere sofort aufgebraucht. Im Vergleich zu den 201 Milliarden bilanzierten Meilen haben die Voucher also einen sehr kleinen Anteil. Das könnte erklären, warum sie im Jahresbericht nicht erwähnt sind.

Entweder sind die Upgradevoucher also ein weiterer systematischer Bilanzierungsfehler, weshalb Herr Dietrich vorschlägt, den Wirtschaftsprüfer zu wechseln und ich beantrage, die Entscheidung über die Entlastung des Vorstandes zu vertagen, oder Lufthansa hat wirklich einen Dreh gefunden, dem Kunden einen Mehrwert zu suggerieren und gleichzeitig keine Kosten zu haben.

Gegen die „kostenlos-Theorie“ spricht allerdings, daß Meilenupgrades zumindest theoretisch auch bei Allianz-Partnern möglich sind. Mir liegen zwar durchaus gegenteilige Berichte von Lesern vor, auch ich hatte schon erhebliche Schwierigkeiten, dort Upgrades einzulösen, aber die Möglichkeit besteht. Und die dann entstehenden Kosten sind plan- und damit bilanzierbar.

Gegen die Kostenneutralitätstheorie spricht auch, daß verschiedene Airlines Upgrades beim Check-In gegen Aufzahlung ermöglichen. Häufig ist dann zwar der Aufzahlbetrag niedriger als die Differenz der Ticketpreise, liegt aber nach meinen Recherchen in der Regel zwischen 300 und 900 US$. Wenn dieser Betrag nicht nur symbolisch ist, um den Platz- und Komfortgewinn zu symbolisieren, sondern auch im Ansatz den Mehrkosten der Airline entspricht, dann könnte das als Berechnungsgrundlage dienen.

Weiterhin gibt der Jahresbericht an, Meilen zu dem Preis zu bilanzieren, zu dem ein Ticket gekauft werden könnte. Also müßte mindestens die Preisdifferenz eines durchschnittlichen Economy-Tickets zu Business-Ticket bzw. Business- auf First-Ticket für die Bewertung von Upgrademeilen angesetzt werden.

Zu guter Letzt müßte, wären Upgrades wirklich so billig, am Check-In deutlich für Upgrades geworben werden, so wie das teilweise SAS macht: Denn an einer Auflösung zu hoch bewerteter Rückstellungen müßte Lufthansa ein hohes Interesse haben.

Damit ergeben sich für die Hauptversammlung die folgenden Fragen:

  1. Weshalb sind Upgradevoucher in der Bilanz nicht aufgeführt?
  2. Welche Anzahl von Upgradevouchern war am Jahresende 2011 nicht eingelöst?
  3. Mit welchem Wertansatz werden diese Upgradevoucher wo bilanziert?
  4. Welchen Anteil haben Upgrades am Gesamtmeilenverbrauch?
  5. Welcher Anteil der Upgrades erfolgt auf Konzern-Airline-Flügen und welcher auf StarAlliance-Partner-Flügen?
  6. Welche Kosten entstehen für ein Upgrade auf Flügen mit Konzern-Airlines und StarAlliance-Partnern?

Aus den Antworten lässt sich dann der Bilanzwert ermitteln und außerdem die Frage der korrekten Bilanzierung von Upgradevouchern beantworten. Beides ist nötig, um über den Gegenantrag von Herrn Dietrich und meinen Gegenantrag entscheiden zu können.

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10 Gedanken zu „Bilanzwert von Upgrades

    • Danke für den Hinweis, ich prüfe das nochmal nach. Für die Bilanzierung hätte das einen unschönen Nebeneffekt: Denn wenn die Voucher außerhalb des Konzerns gültig sein sollten, gibt es dafür reale Verrechnungspreise. Und damit wäre es deutlich „fälscher“, wenn sie nicht in der Bilanz auftauchen.

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