Lufthansas Sitzplatzreservierung überlistet die Physik

Lufthansa verspricht den Senatoren und HON Circle Kunden, auf allen Flügen, unabhängig von der Buchungsklasse, Sitzplätze zu reservieren. Alle anderen Kunden können nur auf Interkontinentalflügen und in der Business bzw. First reservieren. AirBerlin bietet das übrigens auch an, bei OneWorld dürfen das alle Kunden ab Ruby.

Bei Lufthansa habe ich nun das große Pech gehabt, daß bei geschätzten 35% meiner Flüge meine Reservierung eben nicht eingehalten wurde – und ich ganz woanders saß. Häufig wanderte ich dann von 5C (ein Gangplatz ganz vorne) auf 29E (Mittelplatz, ganz hinten). Die Begründung in der Regel: Es flog eine andere Maschine. Tatsächlich wurde nur der Business-Class-Vorhang verschoben. Anstatt aber die Kunden einfach entsprechend reihenweise nach hinten zu schieben, natürlich unter Berücksichtigung der Notausgangplätze, was programmierbar wäre, erfolgt die Ersatzplatzvergabe da wohl eher mit dem Zufallsgenerator.

Die pampigen Hinweise beim Check-In „Eine Reservierung ist unverbindlich“ kann ich schon lange nicht mehr hören, denn es ist ein Werbeversprechen und besonderer Vorteil, der einer kleinen Gruppe von besonders treuen Kunden gewährt wird. Den sollte man auch bieten oder die Werbung einfach sein lassen.

Die herrlichste Stilblüte lieferte allerdings der Kundenmonolog dazu:

Beim Check-In wird die Vergabe der Plätze von einem Computersystem überwacht, das die optimale Gewichtsverteilung im Flugzeug anstrebt. Dadurch kann es vorkommen, dass Sie in einem nicht ausgebuchten Flugzeug einen Sitzplatz bekommen, der nicht ihrem Profil entspricht.

Nicht meinem Profil entsprechend heißt Fenster statt Gang. Jeder weiß: Ein Gangplatz hat bezogen auf die Langsächse des Flugzeugs einen kürzeren Hebelarm als ein Fensterplatz. Also müßte ein Passagier, dessen Gewicht ja nicht bekannt ist, immer bevorzugt an den Gang gesetzt werden. Dadurch sind einige Kilos besser „versteckt“. Genauso müßte er auch eher zur Mitte als zum Heck hin gesetzt werden – gerade im eh schon hecklastigen, langen A321.

Neben meinem Gewicht gibt es auch noch einige andere „Rechenungenauigkeiten“, so zum Beispiel die spätere Ablage des Handgepäcks.

Ein Wunder, wie dieses Computersystem arbeitet. Es scheint hellseherische Fähigkeiten zu haben. Warum dauern dann Meilengutschriften so lange?.

Die Computersysteme von AirBerlin, British Airways, Qantas usw. scheinen übrigens nicht so weit und hellseherisch entwickelt, und deren Flugzeuge lassen sich über die Trimmung besser ausbalancieren. Denn da saß ich bisher immer auf meinem reservierten Platz.

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3 Gedanken zu „Lufthansas Sitzplatzreservierung überlistet die Physik

  1. Das Argument mit dem Hebelarm stimmt nur für einzelne Kunden, wenn sie nicht im Zusammenhang mit den anderen Passagieren betrachtet werden.

    • Das stimmt. Es kommt flapsig gesagt auf die Gesamtzahl der Hebel an. Allerdings hatte ich für den Flug mal nachgerechnet, hätte mein etwas festerer Kollege, mit dem ich da unterwegs war, statt meiner den Fensterplatz eingenommen und ich wäre an den Gang gewandert, wäre das so, als hätte ich mich in einer eigenen Reihe vom Gang ans Fenster bewegt. Das sollte die Flugstabilität nicht beeinflussen – sonst müßte jeder Gang zur Toilette überwacht werden. Insofern ist die Argumentation des Kundendialogs reichlich schräg – die Unwägbarkeiten (auch im Sinne der Gewichte) sind einfach zu groß.

  2. Pingback: Wochenrückblick | meilenschwund.de

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