Eleganter Gegenantrag zur LH-Hauptversammlung

Die Hauptversammlung der Lufthansa findet am 8.5.2012 in Köln in der Lanxess-Arena statt, wer hin möchte, braucht eine Aktie. Der Kurs liegt derzeit bei rund 10 €, das ist ein durchaus fairer Preis, um dem Vorstand seine Meinung zu der Entwertung 2011, den Verschlechterungen bei Miles&More 2012 und für den HON Circle sagen zu können. Und mal nachzufragen, wie Lufthansa sich eine Unternehmenspolitik leisten kann, die aktuell die Top-Kunden vergrault, statt sie zu halten.

Einen ersten Gegenantrag zur Hauptversammlung gibt es bereits, er schlägt unabhängig von mir in die Kerbe Meilenwert. Denn Peter Dietrich, der den Antrag schon gestellt hat, argumentiert, daß in dem auch von mir zitierten Verfahren LG Köln 14 O 245/11 Lufthansa einen Meilenwert von 2,77 €-Cent angegeben hat, in der Bilanz die Meilen aber nur mit 0,80 €-Cent bewertet.

Wenn der im Verfahren angegebene Meilenwert korrekt ist, fehlen Lufthansa ca. 4 Milliarden € Rücklagen für Meilen.

Da muß selbst Lufthansa einige Jahre sparen, um solche Beträge zu erwirtschaften. Daher habe ich vermutet, daß der steigende Meilenwert in der Bilanz dieses Jahr im Verhältnis zum Vorjahr trotz der massiven Entwertung eine Maßnahme ist, dieses Mißverhältnis zu korrigieren.

Peter Dietrich regt nun sehr elegant an, den Wirtschaftsprüfer zu wechseln, denn er habe den Eindruck, daß die aktuelle Gesellschaft PriceWaterhouseCoopers nach sieben Jahren Tätigkeit für Lufthansa nun betriebsblind sei und begründet das wie folgt:

Darüber hinaus besteht Grund zur Annahme, das PWC falsche Bilanzierungs- und Bewertungsansätze der Gesellschaft im Zusammenhang mit den Rückstellungen für Prämienmeilen nicht ordnungsgemäß prüft und somit nicht den handelsrechtlichen Bilanzierungs- und Bewertungsbestimmungen genügt.

Denn bei 201 Milliarden Meilen in der Bilanz handle es sich um erhebliche Werte, die die wirtschaftliche Lage der Lufthansa massiv betreffen. Daraus folgert er:

Ein Wechsel der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erscheint daher zum Wohle der Gesellschaft und dem Schutz vor weiteren Bilanzierungsfehlern und deren Auswirkungen zwingend.

Lufthansa sei darüberhinaus auf seine Anfragen hin nicht in der Lage gewesen, die Bewertung der Meilen in der Bilanz nachvollziehbar zu erläutern.

Ich habe schon letzte Woche einige Anfragen zur Bewertung von Meilen in der Bilanz an Investor Relations geschickt und warte gespannt auf eine Antwort. Gegebenenfalls muß ich meine Fragen auf der Hauptversammlung wiederholen. Die nötige Aktie habe ich, ein Auskunftsrecht besteht. Denn der Vorstand muß in der Hauptversammlung über alles Auskunft geben, was zur Bewertung und damit Entscheidung über einen Antrag relevant ist.

Vielleicht kann man uns dann auch gleich erklären, wieso die gesamte bilanzierte Meilenzahl auch noch von der im Verfahren 14 O 245/11 vor dem LG Köln genannten abweicht.

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11 Gedanken zu „Eleganter Gegenantrag zur LH-Hauptversammlung

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  5. 1. Im Text oben ist von „Rücklagen“ die Rede, gemeint sind aber wohl „Rückstellungen“ – also bitte, das ist wirklich nicht dasselbe.

    2. Im handelsrechtlichen Einzelabschluss der Lufthansa AG für 2011 steht bei den Rückstellungen (siehe unter Fußnote 11) wenig bis nichts zu den Rückstellungen für Prämienmeilen. Vermutlich sind die verborgen unter den „sonstigen Rückstellungen“, die im Text (Seite 10) als für „ausstehende Belastungen“ beschrieben sind. Wenn das wirklich so ist – was ich nicht weiß – dann ist das schon eine geheimniskrämerische Unverfrorenheit der Lufthansa.

    3. Im Konzernabschluss der Lufthansa wird nicht nach HGB, sondern nach IFRS bilanziert. Dort sind die Verpflichtungen unter den kurzfristigen (494 Millionen; Vorjahr: 518 Millionen) und den langfristigen Verbindlichkeiten (1113 Millionen; Vorjahr: 1031 Mill.) ausgewiesen – macht eine Steigerung um 3,74 Prozent. Außerdem sind die Verpflichtungen aus den Bonusmeilen danach getrennt, ob die Meilen bei „eigenen Flügen“ oder „bei Dritten“ angesammelt wurden. Ich komme auch auf Meilen-Verbindlichkeiten, die ausweislich des Konzernabschlusses mit knapp 0,08 Euro bewertet sind – soweit kann ich dem Antragsteller Dietrich ja noch folgen. Aber die Angaben ergeben sich halt nur aus dem IFRS-Abschluss, haben also mit dem von Herrn Dietrich so benannten „handelsrechtlichen Bilanzierungs- und Bewertungsbestimmungen“ gar nichts zu tun.

    4. Dennoch sollte man den Lufthansa-Vorstand auf der HV damit zwicken, dass sie sich genauer darüber auslassen, wie die Berechnung von 1,607 Mrd. Euro Meilen-Verpflichtung zustande kommt, wenn sie gleichzeitig in anderer Sache mit anderen Meilenwerten hantieren.

    • Einige wenige Erläuterungen zu den Meilenwerten finden sich im Jahresbericht.

      Zu Ihrem zweiten Punkt: Letztes Jahr sind 198 Milliarden Meilen bewertet worden, dieses Jahr sind es 201 Milliarde. Das relativiert etwas die von Ihnen festgestellte Steigerung. Dazu kommt der gesunkene Wert der Meile durch die Entwertung. Ich habe das in einem Artikel angesprochen.

      Ich würde mich freuen, wenn Sie mich kurz per Mail kontaktieren könnten.

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