Sammelklage

Oft lese ich die Frage, wie man sich der Sammelklage anschließen könne. Ganz schwierige Frage: Denn es gibt im deutschen Recht keine Sammelklagen, anders als zum Beispiel in den USA.

In Deutschland kann jeder nur für sich klagen, mit Ausnahme von z.B. Verbraucherschutzverbänden, „allgemeingültige“ Urteile erstreiten können. Deswegen wundere ich mich auch, warum sich immer noch keiner der Verbände in das Verfahren eingeschaltet hat. Vielleicht fragen Sie auch mal nach?

Wenn Anwälte oder Medien von Sammelklagen sprechen, dann meinen sie, daß eine Kanzlei viele Mandanten in gleichartigen Fälle vertritt. Dabei ist jedes Mandat trotzdem ein Einzelmandat, wird einzeln abgerechnet und vom Gericht einzeln geurteilt.

Für die Mandantschaft hat so eine Häufung in einer Kanzlei natürlich den Vorteil, daß der Anwalt aus vielerlei Quelle informiert ist, für viele „Ausreden“ der Gegenseite gerüstet ist und auch viele Beweismittel schon vorliegen hat. Durch die „Schwarmintelligenz“, also das Wissen aller Mandanten, finden sich auch, wenn die Gegenseite auf neue, lustige Ideen kommt, schneller Beweismittel.

Denn so manche gegnerische Behauptung zu widerlegen, erfordert schon kriminalistischen Spürsinn und einiges an Recherche, da war die Ermittlung der Erscheinungsdaten der Lufthansa Exclusive vergleichsweise einfach.

Gleichzeitig hat mein Anwalt beim frühen ersten Termin mit einem Anwaltskollegen gesprochen und dabei, wie ich finde, sehr treffend gesagt, daß jeder Fall seine eigene Besonderheiten hätte. Und die herauszuarbeiten und im Verfahren zu nutzen sei eigentlich die Kunst. Mit Serienbriefen gewinne man kein Verfahren.

Dabei wären gerade Serienbriefverfahren für Kanzleien hochlukrativ: Jeder Mandant muß voll zahlen und der „Grenzaufwand“ pro Mandat geht gegen Null. Für mich allerdings, den schon die Textbausteine des Kundenmonologs nerven, weil sie häufig kontextfrei und vorallem nutzlos sind, wäre so ein Serienbriefanwalt fatal.

Meinen Anwalt kannte ich aus einer freiberuflichen Tätigkeit, da fallen ja immer wieder Fragen zu Verträgen und ähnlichem an. Weil ich ihn kenne, seine Arbeit schätze und ihn auch für sehr pfiffig halte, ich weiß, daß er individuelle, kreative und pragmatische Lösungen sucht, statt auf Teufel komm raus zu klagen und ich ihm daher, und das ist das wichtigste, vertraue, hatte ich mich entschieden, ihn auch für das Verfahren gegen Lufthansa zu beauftragen.

Und da arbeitet er sehr gut, engagiert und gründlich. Durch das Verfahren haben wir alle sehr viel an Erkenntnis dazu gewonnen, sei es nun über Meilenwerte oder Veröffentlichungstermine.

Dieses Wissen muß sich jeder andere Anwalt erst erarbeiten – und kann dazu natürlich auf mein Blog zurückgreifen. Denn schließlich soll einerseits das Blog Sie darüber informieren, was Lufthansa mit Ihnen gemacht hat, andererseits Ihnen aber natürlich auch viele Informationen und Wissen liefern, das wir uns erst erarbeiten mußten. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, daß mein Blog eine Wissensdrehscheibe wird. Viele von Ihnen schreiben mir mit Ihren Erfahrungen und Erkenntnissen, die ich dann mit aufnehme.

Jetzt bitten mich viele, Ihnen einen Anwalt zu empfehlen. Und bringen mich damit in eine „Zwickmühle“. Denn einerseits ist die Rechtslage in dem Fall relativ klar, es gibt ein Urteil, jeder Anwalt, also auch Ihr „Haus- und Hofanwalt“, sollte das Verfahren zum Erfolg bringen. Andererseits bin ich aber ein loyaler Kunde und empfehle gerne die weiter, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Und das ist nunmal mein Anwalt.

Der hat die praktische Erfahrung aus dem konkreten Verfahren, in dem Lufthansa nicht immer ganz sauber argumentierte, für vieles konnten wir einen Gegenbeweis erbringen. Er hat damit auch ein Alleinstellungsmerkmal, wir sind nämlich meines Wissens die einzigen, die bisher in der Sache gegen Lufthansa ein Urteil erstritten haben.

Andererseits gäbe es auch Dr. Hilmar de Riese, der das „redpoints-Urteil“ im Fall LTU/AirBerlin erstritten hat, sich im Auftrag seines Mandanten unseren Termin angehört hat und sich dort sehr sachlich und fundiert zu Wort gemeldet hat.

Ach so, und nicht zu vergessen – es gibt auch noch auf „Massenverfahren spezialisierte“ Anwälte.

Aber mal im Ernst – wen, außer meinem Anwalt, sollte ich Ihnen empfehlen? Nur seine Kanzlei kenne ich wirklich, alle anderen nur von kurzen Kontakten.

Damit verabschiede ich mich mal in das Osterwochenende und werde mal versuchen, mir blogfrei zu nehmen – wenn nicht doch ein aktueller Anlaß dazwischen kommt.

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