Lufthansa-Bilanz: Meilenwert schwer nachvollziehbar

Lufthansa hat heute den Geschäftsbericht für 2011 veröffentlicht. Mich interessiert da natürlich als erstes der Meilenwert. Und der verwirrt.

Für 2010 wies Lufthansa einen Bilanzwert von 0,0078 € / Meile aus, 2011 0,0080 € / Meile.

Im Jahr 2011 hat Lufthansa den Wert einer Meile durch verschiedene Maßnahmen beeinflußt:

Alle Maßnahmen haben den Wert einer Meile reduziert. Dabei sind die Flugpreise bereinigt um die 2011 eingeführte Luftverkehrsabgabe gesunken. Die Luftverkehrsabgabe zahlt bei Meilenflügen der Kunden zusammen mit „Steuern und Gebühren“ in Euro, damit beeinflußt sie nicht den Wert einer Meile.

Eine Inflationsbereinigung kann also die Wertsteigerung der Meile nicht darstellen.

Der Kaufwert einer Meile hat im WorldShop von 0,0036 € auf 0,0033 € abgenommen, also auf 92% des Ausgangswertes.

Gönnen wir Lufthansa mal unökonomisch handelnde Kunden, die nur im WorldShop einkaufen gehen und damit einen miserablen Meilenwert realisieren, aber deutlich geringere Einbußen als die 80% bei Flugprämien hinnehmen müssen, wodurch der Entwertungseffekt kleiner ist. Dann müßte der Bilanzwert einer Meile auf 92% des Vorjahreswertes gesunken sein, also 0,0072 € / Meile.

Damit erschließt sich mir aber erst recht nicht mehr der nun erhöhte Bilanzwert einer Meile. Nach der konservativen Abschätzung ist der Bilanzwert real um 11,5% gestiegen.

Mir fällt dazu nur auf, daß Lufthansa im Verfahren 14 O 245/11 von einem Wert von 2,77 € pro Meile sprach und dort auch einen um 60 Milliarden höheren Meilenbestand angegeben hat. Beides Größenordnungen, die weit jenseits möglicher Rundungsfehler liegen.

Damit bleiben mir nur zwei Erklärungen

  1. Lufthansa hat möglicher Weise die Meilen in den letzten Jahren in der Bilanz zu niedrig bewertet hat und versucht nun, den Fehler langsam auszugleichen. Durch die Entwertung wäre der Bilanzeffekt nicht so deutlich.
  2. Lufthansa hat so bei den angegebenen 201 Milliarden Meilen runde 160 Millionen € Überschuß in der Bilanz „versteckt“

Die zweite Variante wäre plausibel, hätte Lufthansa dieses Jahr einen gigantischen Gewinn eingefahren und müßte Steuern sparen. Aber das ist nicht der Fall.

Oder weiß einfach Lufthansa selbst nicht, was eine Meile wirklich wert ist?

Vielleicht kommt ja ein Analyst auf der gerade laufenden Pressekonferenz dahinter und kann meine Verwirrung auflösen. Oder kennen Sie vielleicht die Lösung?

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4 Gedanken zu „Lufthansa-Bilanz: Meilenwert schwer nachvollziehbar

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  3. Rückstellungshöhe bemisst sich doch – vereinfacht dargestellt – in diesem Fall als Menge (Anzahl Stück) * Preis (je Stück) * Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme.
    Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme ist durch Backtesting zu belegen.
    Wenn Häufigkeit der Inanspruchnahme über die Jahre angestiegen ist, steigt die Rückstellung auch noch an, wenn Menge konstant bleibt und Preis leicht sinkt.
    Ohne Kenntnis des Parameters „Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme“ und seiner Entwicklung über die vergangenen Jahre lässt sich aus der Rückstellungshöhe selber nichts valide ableiten.

    • Ihre Argumentation ist zutreffend, tatsächlich ist die Einlösewahrscheinlichkeit ein wichtiger Parameter. Allerdings müßte die im letzten Jahr so sprunghaft angestiegen sein, daß sie die Wertverluste, die Lufthansa anderweitig erzeugt hat, so deutlich überkompensiert. Das wiederum erscheint mir jedoch mehr als unwahrscheinlich, denn dann müßte sich das Kundenverhalten massiv geändert haben.

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