Lufthansa kann doch gar nicht mehr zurück

Ein paar haben mich kontaktiert: „Mensch, das ist doch Wahnsinn, was Du machst. Jetzt, wo das so öffentlich ist, kann doch Lufthansa sich gar nicht mehr zurück. Die müssen durch die Instanzen.“

Auf den ersten Blick ein valides Argument, denn wenn ein Vergleich ruchbar würde, würde jeder Betroffene auch für sich eine Lösung einfordern. Doch das passiert auch nach einem Urteil.

Allerdings hat das Urteil für Lufthansa Nachteile, denn es steht drin:

  • Was dem Kunden zusteht
  • Aus welchen Rechtsgründen ihm etwas zusteht
  • Welche Teile der AGB oder Entwertung an sich rechtswidrig waren

Das wird in der Regel teurer sein, als ein Vergleich.

Solange noch kein Urteil gesprochen ist, kann Lufthansa sich immer noch glaubwürdig bei den Kunden entschuldigen. Ich erinnere mich an diverse Telekom-Rechnungspannen, die die Telekom mit einer pauschalen Freiminutenregelung für alle Kunden „behoben“ hat.

Jeder Konzern hat schon mal Fehler gemacht. Die kann man aber nutzen. Wer erinnert sich nicht, als die A-Klasse beim Elchtest in die stabile Seitenlage ging – und Daimler darauf hervorragend reagierte: Boris Becker erklärte lächelnd in der Werbung, daß er aus seinen Fehlern am meisten gelernt hätte.

Auch Lufthansa hätte noch die Chance.

Das Problem an Fehlern ist: Je später man sie zugibt, desto teurer wird es. Dafür gab es gerade ein sehr prominentes Beispiel. Hätte vor einem Jahr noch ein Vergleich mit mir genügt, müßte heute Lufthansa wohl auch den anderen geschädigten Kunden ein „Zuckerl“ anbieten. Denn durch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit lässt sich die Meilenaffäre nicht mehr verstecken.

Ich rechne aber nicht mehr damit. Das wäre ein zu plötzliches Umdenken. Das ist unwahrscheinlich, schließlich hat sich Dr. Franz schon früh gegen eine außergerichtliche Lösung ausgesprochen. Da hilft es nichts, daß er behauptet, daß die die Kunden der Mittelpunkt des Handelns werden sollen. Das scheint eher Marketing-Gerede zu sein.

Mir ist das unverständlich. Das Markenimage Lufthansa aufzubauen hat viele Jahrzehnte gedauert. Der Verlust geht viel schneller, daran scheint man gerade zu arbeiten.

Ich kenne mittlerweile viele HONs und Senatoren, die ihre Meilen noch abfliegen und dann zum Wettbewerb gehen werden. Der erstarkt, das sagte Dr. Franz selbst.

Meine Eindruck: Lufthansa wird versuchen, bis zum BGH zu prozessieren, den Prozeß in die Länge zu ziehen und hofft so, daß das mediale Interesse über die Zeit abflaut und der Markt vergisst. Imagerettung durch Zeitgewinn.

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